Nachdem die morbide Familie um Gomez Addams 2019 als animierter Spielfilm wiederbelebt wurde, folgte zwei Jahre später die Fortsetzung. In dieser hadert Wednesday mit ihrem Schicksal und es gibt die Verdächtigung, dass sie gar keine gebürtige Addams ist. Um den Familienzusammenhalt zu stärken veranstaltet Gomez also einen Roadtrip mit der Familie, der sie zu manch denkwürdigem Ort in den Vereinigten Staaten führt. Dabei werden sie von einem Anwalt verfolgt, der dieser möglichen Nichtverwandtschaft auf den Grund gehen will.
Wusste der direkte Vorgänger in Animationsform noch um die Wurzeln der von Schöpfer Charles Addams erdachten Familie, so weicht die Fortsetzung in (zu) vielen Dingen davon ab. Das Thema Roadtrip ist immer gern genommen, wenn einem sonst nicht mehr viel einfällt, da man so etablierte Figuren an vielen verschiedenen Orten wie in einer Sketchparade einsetzen kann. Hier kommt noch erschwerend hinzu, dass so die sonst so geliebte morbide Umgebung wegfällt. Fast ausschließlich spielt der Film im Hellen, mit diversen Leuten drumherum oder einfach eben in der belebten Natur. Alles Dinge, die nicht gerade den originären Charme der Sippe ausmachen. Es ist klar, dass hier wieder die Gegensätzlichkeit bebildert werden soll, aber dann macht man daraus wiede erstaunlich wenig. Auch Subplots wie Pugsleys Annäherungsversuche versanden, obwohl es nett ist, dass sich das Skript mal etwas mehr für seine Figur interessiert.
Dazu wirkt der Film auch inszenatorisch hektisch und überstürzt, wirft seine Figuren von einer Situation in die nächste. Die Einblendung der jeweiligen Orte ist eine nette Idee, der Aufhänger der fehlenden Familienzugehörigkeit von Wednesday ist jedoch albern. Kaum etwas ist klarer, als dass dieser Haufen zusammengehört.
Visuell orientiert man sich überwiegend am Vorgänger, welcher wiederum recht nah an dem originalen Comicstrip von Charles Addms ist. Ansonsten wirkt das Abenteuer auf der Straße fremd. Die Figuren in so ungewohnter Umgebung zu sehen, kann eine spannende Synergie entwickeln, allein sie tut dies hier nicht. Ja, mancher Witz ist gelungen, die typischen Verhaltensweisen scheinen immer wieder durch. Aber wie gelungener würde beispielsweise Lurchs Gesangseinlage in seiner normalen Stimme wirken. So hat man sich eben für Klamauk entschieden, die Fortsetzung zielt weit mehr auf's jüngere Publikum ab.
Im Gesamten wirkt das Szenario unrund und man weiß auch nicht so viel mit den Eigenheiten der Charaktere in den verschiedenen Settings anzufangen. Ausnahmen bestätigen die Regel. Am Ende gibt’s noch quasi-Kaiju-Kloppe – das hat dann wirklich nichts mehr mit den bekannten Mechanismen dieser Familie zu tun.
Dieser Schluss setzt dem Ganzen noch die Krone auf. Die gleichen Regisseure wie im Vorgänger, vielleicht mit dem Drang nach etwas Neuem. Das ist nicht grundsätzlich verwerflich, doch wird die Formel und das Typische für die Addams' hier derart aufgebrochen, dass es sich nicht mehr wie in den Figuren verankert anfühlt. So macht die Fortsetzung nicht wirklich Spaß, zu viel wirkt fremd und/oder schlecht genutzt, zu wenig der Charaktere bleibt hier übrig. Schade drum.