Review
von Leimbacher-Mario
Manche Dinge ändern sich nie
Als Projekt des SyFy-Senders bekommt nun auch „Slumber Party Massacre“ ein Update. Samt Ostereiern, Selbstreferenzen und als „ach so cleveren Dreh“ auf seine Originaltrilogie sowie den aktuellen Zeitgeist. Will man dabei nicht einfach nur einen blutigen Slasher? Ja. Und zum Glück liefert die Neuinterpretation auch auf diesem Gebiet. Nicht uneingeschränkt. Aber genug für einen bierseligen Freitagabend mit Popcorn, Pyjama und Pils. Auch/Gerade als Fan der damaligen drei Werke kann man am neuesten Ableger Freude haben. Denn allzu viel hat sich im Kern dann zum Glück doch nicht verändert - immer noch wird eine Truppe junger Mädels in einer abgelegenen Hütte von einem Psychopathen mit riesiger Bohrmaschine gejagt. Und da spielt es auch keine wirklich gravierende Rolle, dass seitdem satte 40 Jahre vergangen sind und die aktuelle Generation eine etwas andere „Ausbildung“ in Sachen Horrorfilm und Geschlechterrollen hat…
Ich mag, nein liebe Slasher aus den 80ern. Von populär und bekannt bis versteckt und bizarr, von Hit bis Kleinod, von (damals schon) humoristisch bis knochentrocken, von Amerika bis Australien, von „Blood Rage“ bis „Microwave Massacre“. Wirklich große Lücken gibt’s da in meiner „Geguckt“-Liste nicht mehr. Und wenn, dann stopfe ich selbst die kleinsten, dreckigsten und qualitativ niedrigsten Löcher mit Genuss und Leidensfähigkeit. Und mit dieser Passion stehe ich ja bekanntlich nicht allein da, es gibt noch etliche tausend solcher Slasherheads, die damals jegliche VHS-(Trash-)Kisten abgegrast und „ertragen“ haben. Da haben es solche Remakes wie „Slumber Party Massacre“ mit zeitgenössischem Anstrich und Retrograding mal leichter, mal schwerer - sind jedoch grundsätzlich schon beim richtigen Klientel angekommen. Und dieser Ableger hier spult sein Programm und das Erwartbare durchaus konsequent runter. Denn egal wie sehr er ca. alle 30 Minuten mit einer überschaubaren Wendung und Überraschung aufbegehrt und einen auf aufgeklärt macht - im Herzen bleibt er ein „dummer“ Slasher mit Bohrer, Babes und Bier. Und in dieser viel wichtigeren Schublade voller Klischees und Kokolores „delivered“ er auf neudeutsch gesagt viel brauchbarer als mit seinen Spins, Hommagen und Kommentaren zum Genre, zum Gendern, zu Gore und Geleit. Denn immer wenn er einen auf „Neo Slasher“ und Kommentar macht, kann er Augen rollen lassen. Wenn er spektakulär Gesichter wegfetzt, kann er Köpfe rollen lassen. Und was davon wünschenswerter ist, dürfte selbsterklärend sein.
Fazit: seine Figuren sind blöd, die Kills aber saftig. Sein Setting ist simpel, sein Anspruch gering. Seine Meta-Spielereien und augenzwinkernden Hommagen können nerven, als retro-karierter Schlitzer funzt der neue „Slumber Party Massacre“ aber durchaus. Bohrt kein dickes Brett, hat aber Gedärm vor der Hütte.