Review

"I’m shooting 100 shots with someone like Scott that I’m going to cut up, so why don’t I just shoot long takes where he’s doing it all because he can?
~ James Nunn

Nach Green Street 3: Never Back Down und Eliminators die dritte und bisher ehrgeizigste Zusammenarbeit zwischen James Nunn und Scott Adkins, wobei letzter sicherlich zuständig ist für das verhaltene Interesse an dem Projekt selber: ist dies doch getreu dem Titel mit sowenig Zwischenschnitten (=unsichtbaren Schnitten) wie möglich und im scheinbaren Single Take-Modus formuliert. Ein Gimmick, eine andauernde Plansequenz, was innerhalb der Struktur eines Filmes für ein, zwei Minuten durchaus mal seine Art der Bewandtnis haben kann, im Bereich des Actiongenres wie bspw. jüngst Crazy Samurai Musashi auf Dauer eher zur Redundanz und auch Erschöpfung von Ressourcen führt. Ein Hindernis für die Filmemacher selber eigentlich, möchte man meinen, ein Wagnis auf jeden Fall, ein hoher Anspruch an sich selbst und das Drehteam, eine logistische Anstrengung auch, dessen Verwirklichung Nunn schon seit 6 Jahren hinterherjagt und sich dem hiermit stellt, und auch etwas, dass beim damit umgehenden Zuschauer wohl eingangs eher für Ablehnung sorgen kann, da die Sehgewohnheiten anfänglich irritiert werden und das passive 'Hineindringen' in den Film oder der simple Konsum aufgrund dessen auch oftmals schwerer fällt. Adkins ist dabei in fast jeder Szene, Ryan Phillippe als weiteres Verkaufsargument dabei eher mit Gimmick:

Von einer von der CIA errichteten und von Jack Yorke [ Ryan Phillippe ] geführten Gefängnisinsel soll ein SEAL Team unter Führung von Lt. Jack Harris [ Scott Adkins ] und mit den Mitgliedern Brandon Whitaker [ Emmanuel Imani ], Danny Dietler [ Dino Kelly ] und Lewis Ash [ Jack Paar ] den dort inhaftierten mutmaßlichen Terroristen Armin Mansur [ Waleed Elgadi ] abholen und nach Washington transportieren, im Auftrag der Analystin Zoe Anderson [ Ashley Greene ], die einen drohenden Anschlag und in Mansur einen Mitwisser vermutet. Mansur selber beteuert unschuldig zu sein. Yorke, der seine Frau beim 9/11 verloren hat, ist vollkommen anderer Meinung und Deputy Site Manager Tom Shields [ Terence Maynard ] hat auch seine eigenen Methoden, 'Geständnisse' von den Inhaftierten herauszubekommen. Als die kleine Basis von außen von Hakim Charef [ Jess Liaudin ] und seinem Adjutanten Dhelkor [ Lee Charles ] angegriffen wird, bricht ein Massaker aus.

Nachteile des Ganzen werden schneller deutlich als die Vorteile, die später noch vermehrt und vorrangig aufkommen; Nachteile des Ganzen ist eine ständig in Bewegung gesetzte Kamera, die gerade bei Dialogarbeit wie dem Mission-Briefing im Helikopter zuweilen (oftmals) alle sprechenden Personen einfangen (nicht muss, aber) möchte und deswegen ordentlich das Schwenken von links nach rechts und zurück statt jetzt etwa einem simplen Gegenschnitt anfängt. 'Gewackelt' wird eingangs also ordentlich, bei dem Helikopterflug wird nicht nur der an Bord befindlichen Frau etwas flau im Magen, sondern dem alles sehenden Beobachter, dem Publikum gleich mit.

"I'm just the escort."
Der Schauplatz nach der Landung ist eine 'Black Island' in Osteuropa, ein Gefangenenlager für Mitglieder der 'United Nations of Terror', eine Art Guantanamo als versteckte Folterstube, welches neben den Gitterstäben oftmals auch im kalt aussehenden Freien aus kargen und den Grundstrich verlierenden Baracken mit wenig anheimelnden Interieur und aus paar davor aufgestellten Straßensperren besteht. Ein Militärgelände (gedreht in Bentwaters Parks, Suffolk) mit mal bewaffneten, mal nur für die 'Intelligence' und die Schreibarbeit engagierten Personal, dass schnell in einen Angriff und unter Beschuss gerät, was nicht bloss durch die Anwesenheit von Adkins, der Prämisse, den Schlagwörtern und dem Stil bald als Mischung aus Jarhead 3 und Dark Two Zero wirkt. Kommentare zum aktuellen Zeitgeschehen und zur politischen Vergangenheit und auch zur Behandlung dessen mal aus diplomatischen Blickwinkel und mal aus emotionaler Sicht sind inkludiert. Nach etwas Erkundung über Mission und Gelände plärrt dann schon der Alarm, wird der Eingang per Lastkraftwagen durchbrochen und der Film (wie das eher missglückte Experiment von Bushwick, 2017) als zugehörig zum Actiongenre installiert; auf reduzierten, eingeengten und sehr verwinkelten Areal, bei dem man nur mitbekommt, was auch die Kamera grad sieht (später wird man gar für ein Moment 'eingesperrt' und nach einem Zweikampf vor dem Gitter wieder 'befreit'.) Bald stapeln sich die Leichenberge in den engen Gängen, in die man zurück geflohen ist und die auch kein Entkommen und auch keine Sicherheit bieten. Eine Belagerungssituation mit schlechten Intel, halben oder gefühlten Wahrheiten, ohne Möglichkeiten der Kommunikation, mit zurückgehender Munition und stets vorwärts strömenden Angriffswellen.

Die Schießereien dabei nach Feindkontakt erst trockenes Dauerfeuer, mal hektisch, mal taktisch, mal zermürbend, mal aus der Perspektive der Angreifer und dann aus der der Verteidiger, wechselt die Kamera die Rollen und wandert durch die spärlichen Behausungen und über die Schlachtfelder; wobei natürlich die Stil- und Gestaltungsmittel von Aufnahmefrequenz, Schnitt, Montage und gerne auch Musik fehlen. Die Ästhetik ist insgesamt reduziert auf Grau-in-Grau und funktional, die Explosionen in unmittelbarer Umgebung der Kombattanten entsprechend digital, dafür das Schauspiel engagiert. Das Timing der Szenen, in der auch vieles von außerhalb des Bildkaders in diesen hereinplatzt, bietet einige positive Überraschungen und wirkt zuweilen auch sehr bemüht, je nachdem, was gerade angestrebt wirkt, ob jetzt Objekte auf die Einschüsse reagieren (z.b. der Dampf ablassende Feuerlöscher) oder Subjekte in das Chaos involviert werden, wobei auch dort die Nervosität und die Anspannung (die Szene mit dem ausgewählten Suizidbomber und dessen psychische und physische Transformation) und die Erschöpfung und Atemlosigkeit ohne Verschnaufpausen durchaus spürbar ist und sich das auch nach außen überträgt. Der positive Faktor der 'interaktiven' Begleitung und der Übereinstimmung von Filmzeit/Echtzeit, durch die durchaus auch die Spannung auf das erhöht wird, was man sich seitens der schon kreativen Filmemacher als Nächstes einfallen lässt und was und wie im Akt als nächstes passiert.

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