Aus dem Hause Troma kommt dieser kurzweilige Riesenkäferspaß, der mit den Filmen, die einem bei der Nennung dieser berühmt-berüchtigten amerikanischen Produktions- und Vertriebsfirma automatisch in den Sinn kommen (The Toxic Avenger, Class of Nuke 'Em High, Troma's War), kaum etwas gemein hat. Das liegt vermutlich daran, daß die Troma-Bosse Lloyd Kaufman und Michael Herz ihre Finger hier nur als ausführende Produzenten im Spiel hatten und Bugged ganz eindeutig Ronald K. Armstrongs Baby ist (er besorgte neben der Regie und dem Drehbuch auch den Schnitt und spielte die Hauptrolle). Und das ist auch gut so, wären derbste Geschmacklosigkeiten hier doch ebenso fehl am Platze gewesen wie exzessives Blutgemansche oder deftige Sexspielchen. Bugged ist - im positiven Sinne - nett, harmlos, sympathisch, und phasenweise richtig witzig.
Die hübsche Poetin Divine (Priscilla K. Basque) hat in ihrer neuen Bleibe - einer großen, alten Villa - ein Kakerlakenproblem. Die beiden Kammerjäger Dave (Ronald K. Armstrong) und Steve (Jeff Lee) sollen das Übel mit einer neuen Giftmischung beseitigen, mit der das lästige Ungeziefer auch gleich fröhlich besprüht wird. Allerdings wurde durch einen dummen Zufall zusammen mit dem Insektenvertilgungsmittel auch ein Behälter voller Serum geliefert, welches ein Mad Scientist (John Kilgore) entwickelt hat und welches ihm in einem Selbstversuch prompt zum Verhängnis wurde. Dieses Serum macht die Tiere, die damit in Kontakt geraten, größer, stärker und schlauer. Als Divine am nächsten Morgen in ihrem Bett erwacht, sitzt auf ihrer Brust ein mutierter Käfer und glotzt sie aus großen Augen neugierig an (eine hinreißend komische Szene; spätestens jetzt ist klar, daß der Film ein Gewinner ist). Die sofort verständigten Kammerjäger rücken wieder an, diesmal zu fünft. Doch die listigen Käfer erweisen sich den Männern als (zumindest) ebenbürtig, was zu einigen wunderbar absurden aber gleichermaßen erheiternden Situationen führt.
Der sich zu keiner Sekunde ernst nehmende Bugged ist eine pfiffige Camp-Gaudi, die Fans von "Men vs. Big Bugs"-Flicks keinesfalls verpassen sollten. Der schräge Streifen unterhält auf seine lockere Art ohne nennenswerte Durchhänger und sorgt vor allem in der letzten halben Stunde für mächtig Laune. Da paart sich coole Situationskomik mit köstlichem Slapstick, und in einigen Momenten fühlt man sich gar an die legendären Roadrunner-Cartoons erinnert. Ein Highlight diesbezüglich ist die Szene, in der unsere Helden einem in die Enge getriebenen Käfer mit Sprengstoff auf den chitingepanzerten Leib rücken (wollen). Das clevere Kerlchen dreht den Spieß natürlich um, rollt die Stange Dynamit zurück, und so findet sich einer der Männer nach der Explosion zermatscht an der Wand klebend wieder. Das billig produzierte B-Movie ist von allen Beteiligten gut gespielt, wobei sich die überschaubare Cast ausnahmslos aus Schwarzen zusammensetzt. Daß die Stimmung bei den Dreharbeiten gut gewesen sein muß und alle Beteiligten viel Spaß hatten, merkt man ihrem gut aufgelegten Spiel förmlich an. Das Pendel zwischen Horror und Humor schlägt klar Richtung letzterem aus, wobei dieser größtenteils von der Sorte ist, die zum Schmunzeln anregt. Echte Brüller sind eher selten, obwohl die Käfer-Kunstprojekte, mit denen sich die Kammerjäger im Sommer die Zeit vertreiben, einfach nur genial sind.
Die spottbilligen, leicht zu durchschauenden aber immerhin handgemachten Spezialeffekte fügen sich perfekt ins positive Gesamtbild ein, auch wenn sie - trotz immens hohem Drolligkeitsfaktor - zu keiner Zeit den Charme bzw. die Klasse der Arbeiten von Old-School-FX-Maestro Brett Piper (Bite Me!, Shock-O-Rama, The Dark Sleep, u. v. m.) erreichen. Die Kreaturen sind hübsch gestaltete Puppen, mit denen die Akteure bzw. die Trickexperten mehr oder weniger geschickt herumhantieren. Und die Viecher sehen richtig geil aus; da ist es zu verschmerzen, daß sie ziemlich steif und unbeweglich wirken. Mit Realismus hat der Streifen sowieso nichts am Hut. Als die Kammerjäger die Intelligenzbestien umbringen wollen, indem sie ihnen eine mit Hafermehl und Rattengift gefüllte, menschengroße Puppe unterjubeln, kontern diese mit einem leckeren, an einer Schnur befestigten Hähnchen. Und die Sequenz, in der ein Käfer während einer Diskussion nach und nach die Waffen vom Tisch stibitzt und einer unserer Helden plötzlich verdutzt in den Lauf einer auf ihn gerichteten Pistole guckt, ist schlichtweg brillant.
Einige schöne Sprüche geben dem schmackhaft servierten Camp dann noch zusätzliche Würze. Wenn die Kammerjäger panisch aus dem Keller stürmen und die besorgte Divine mit "Don't worry, don't worry, we got it under control!" zu beruhigen versuchen, sorgt das bei mir für ein ebenso breites Grinsen wie der erschrockene Typ, der, als plötzlich der Strom ausfällt, trocken meint: "Shit. They cut the lights!" Schade, daß Ronald K. Armstrong neben Bugged nur noch die beiden Kurzfilme Cuny Island (1991) und War Is a Bitch (2009) gemacht hat. Bugged hat mich aufgrund seiner gewitzt-sympathischen Machart jedenfalls sehr positiv überrascht. So positiv, daß ich mich über weitere Spielfilme des Herrn Armstrong freuen würde.