Für ein Kostümdrama mit Gesangseinlagen bin ich wohl eher nicht die Zielgruppe. Ich verirre mich also nur im Rahmen der Vorbereitung auf die Academy Awards in so einen Film. Irgendeine Tradition hat schließlich jeder.
Joe Wright inszenierte die Verfilmung nach dem gleichnamigen 2018 uraufgeführten Musical von Aaron und Bryce Dessner, welches auf dem Drama „Cyrano de Bergerac“ von Edmont Rostand basiert.
Dort wie somit auch hier hadert der Titelheld (Peter Dinklage) mit seiner äußeren Erscheinung (im Original eine übergroße Nase, hier Kleinwüchsigkeit), die seinem Selbstbewusstsein derart schadet, dass er seiner angebeteten Roxanne (Haley Bennett) seine schon lange empfundene Liebe nicht gestehen mag. Und so verguckt sie sich in den neuen Gardisten Christian (Kelvin Harrison Jr.), der allerdings nicht allzu sprachgewandt ist. Und so hilft ihm Cyrano mit seiner Eloquenz aus, Roxannes Herz zu erobern.
Und dies geschieht mit allerlei Tanz und Gesang. Die Songs wollen dabei gefällig sein, im Ohr bleiben sie nicht. Auch die Texte sind recht seicht geraten und vermitteln selten mehr als das, was schon gezeigt oder im Dialog erörtert wurde. Letztere sind mitunter pointiert geschrieben und vorgetragen, mit Witz und Verve.
Peter Dinklage ist wohl bekannt aus der Serie „Game of Thrones“, wo er sein schauspielerisches Talent als einer der sympathischsten Figuren unter Beweis gestellt hat. Und auch hier ist er der Lichtblick im Ensemble, spielt den leidenden Soldaten und Hobbylyriker sehenswert und mit Gefühl. Auch seine gesangliche Leistung ist ansprechend, das gilt auch für Haley Bennett. Warum alle hinter ihrer Roxanne her sind, erschließt sich mir allerdings nicht. Viel erfährt man nicht über ihren Charakter, außer dass sie gerne wortreich umschmeichelt wird. Harrison als Christian bleibt recht blass.
So schmachtet man sich dem Ende entgegen, wo es dann endgültig ins Melodram abrutscht und die kalkulierten Wegpunkte mit der Verlässlichkeit eines Uhrwerks abgearbeitet werden.
„Cyrano“ hat einen fabelhaften Peter Dinklage und eine nette Ausstattung. Ansonsten ist er ein melodramatisches Musical, das nichts Aufregendes für die Ohren bereithält. Wie gesagt, falsche Zielgruppe.