Review

THE MATRIX DECONSTRUCTED wäre eigentlich der ehrlichere Titel, aber so weit wollte man dann wohl doch nicht gehen, verspricht doch der Trailer einen spektakulären SciFi-Actioner und kein philosophisches Seminar. Der Film selbst tendiert jedoch eindeutig zu letzterem.

Clever! Clever! Clever! könnte man zumindest während der ersten Stunde die ganze Zeit in Richtung der Leinwand rufen und dem Film würde das natürlich gefallen, ruft er doch selbst ständig ins Publikum, wie self-aware und woke er ist. Kein Vorwurf, kein Diss, keine Kritikerspitze zum Thema Reboot, Sequel und Cash-in, die er nicht vorauseilend selbst machen würde. Das ist bisweilen so penetrant, dass es nervt.

Die Grundidee ist allerdings tatsächlich sehr gelungen und vielleicht die einzig sinnvolle Möglichkeit, nach 20 Jahren nochmal ein Sequel einzuleiten, insbesondere nachdem Neo im letzten Teil das Zeitliche segnete: Thomas Anderson (Keanu Reeves) ist Chefentwickler einer Gamingfirma und THE MATRIX inklusive der Sequels sind seine bahnbrechenden Spiele. Doch irgendwo scheint sich ein Bug ins System geschlichen zu haben und er wird mit der existenziellen Frage konfrontiert, ob seine Realität nicht doch einen doppelten Boden hat.

Auf dieser Basis hätte man durchaus an den ersten Teil anknüpfen und einen spannenden, hintergründigen Actionfilm machen können. Doch die Wachowskis neigten schon seit den Sequels zur Übertreibung und daran ändert auch der Alleingang Lana Wachowskis bei diesem Film nichts – es wird einfach alles wahnsinnig überladen und komplex.

Ein Großteil des amerikanischen Publikums war derart überfordert, dass es den vierten MATRIX-Teil mit vernichtenden Kritiken abstrafte. Das ist absolut nachvollziehbar, denn RESURRECTIONS ist nicht nur TENET-kompliziert. Der Großteil des Films wird mit Erklärungen verbracht, die weder besonders interessant inszeniert sind, noch wirklich Erhellung bringen. Im Gegenteil: Je mehr erklärt wird, um so weniger denkt man, zu verstehen. Beim Original hatte es noch ausgereicht, zu sehen um zu verstehen. Zudem müssen zahllose Referenzen zu und Videoclips aus den ersten Teilen herhalten, um Wissenslücken zu füllen und Fanservice zu betreiben.

Leider wird dieser Dialogüberhang (anders als beispielsweise in TENET) nicht durch spektakuläre Action ausgeglichen. Im Gegenteil: Die meisten Choreographien sind unübersichtlich, overcrowded und zu schnell geschnitten.

THE MATRIX hat 1999 das Kino verändert und die Art, Geschichten zu erzählen, auf ein neues Level gebracht. Das hier ist höchstens noch die Sekundärliteratur dazu.

Details
Ähnliche Filme