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Für alle Freunde des Pferdesports dürfte dieses amerikanische Märchen von Regisseur Gary Ross ein Pflichtfilm sein: Die Geschichte eines traumatisierten Gauls, der von einem einfühlsamen Trainer, Besitzer und Jockey (Chris Cooper, Jeff Bridges und Tobey Maguire), die selbst so einiges in ihrem Leben zu verarbeiten haben, zu einem erfolgreichen Underdog im elitären Rennsport der 30er Jahre aufgebaut wird, bietet so einiges, was die Herzen von Pferdenarren höher schlagen lassen dürfte.

Sehr viel Verständnis für die Seele der Pferde etwa, die mitunter menschlicher als ihre zweibeinigen Co-Stars daherkommen. Ob Tier oder Mensch, „Seabiscuit" geht seine Geschichte mit einer Menge Einfühlungsvermögen an, beleuchtet die Traumata und Verletzungen, mit denen die Protagonisten zu kämpfen haben, und wirft ein Schlaglicht auf die Partnerschaft und Freundschaft zwischen Pferd und Mensch, durch die alle Beteiligten wieder zu sich selbst finden. Das geht nicht ohne Kitsch und eine ganze Menge US-Pathos ab, bietet aber immer wieder emotional zarte Szenen, in denen besonders Maguire und Bridges ihr volles Schauspieltalent entfalten.

Neben diesen quasi obligatorischen Elementen für einen erfolgreichen Pferdefilm beeindruckt „Seabiscuit" aber auch mit fantastisch gefilmten Pferderenn-Sequenzen. Ein perfekter Mix aus cleverem Schnitt, überzeugenden CGI-Effekten und starken Stunt-Doubles erzeugt die nahezu perfekte Illusion von harten Pferderennen, bei denen die Kamera elegant an den dahin rasenden Tieren kleben bleibt, gerne auch die Perspektive wechselt oder elegant herum schweift. Gleich mehrere spannende Höhepunkte bietet der Film durch diese Sequenzen, bei denen selbst am Pferdesport desinteressierte Zuschauer gefesselt bleiben dürften.

Technisch und darstellerisch überzeugt „Seabiscuit" also durchaus - dramaturgisch leistet er sich leider einige Schnitzer. So kommt der ganze Aufbau der Handlung immer wieder ziemlich hölzern daher, etwa wenn die Vorgeschichte des traumatisierten Pferdes Seabiscuit reichlich plötzlich eingeschoben wird; oder wenn die Erzählerstimme aus dem Off gegen Ende von einem unabhängigen Erzähler zur Ich-Erzählung des Jockeys wechselt. Auch bleiben die Probleme und Konflikte der Figuren seltsam oberflächlich und nur bedingt notwendig für die Story, ähnlich wie die witzige, aber völlig nutzlose Nebenfigur des Radiomoderators, schrill verkörpert von William H. Macy. Vieles wirkt hier aufgesetzt und willkürlich, und die dramatischen Wendepunkte bleiben arg unspektakulär und dazu noch vorhersehbar.

Überzeugte Pferdefans freilich wird das kaum abhalten können. Ein gefühliger, aber clever eingesetzter Soundtrack zusammen mit der formal starken Umsetzung halten einen trotz inhaltlicher Schwächen bei der Stange. Und wer über den reichlich heuchlerischen Amerikanischer-Erfolgstraum-Pathos hinweg schaut, kann auch die eine oder andere kritische Note und durchaus überzeugende Sensibilität in Bezug auf die inneren Verwundungen der Figuren erspähen. Trotz Kitsch und Klischees ist „Seabiscuit" damit einer der stärkeren Pferdefilme, der für Spannung, Gefühl und eine Prise Gänsehaut sorgen kann.

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