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Das Iiih-Tüpfelchen auf dem Penis


„Night of the Living Dicks“ klaut nicht nur beim Titel gehörig bei beliebten Genreklassikern und erzählt von einer jungen Frau, die auf einmal durch eine seltsame Brille die „Wahrheit“ sieht: dass alle Männer nicht nur oft mit ihrem Schwanz denken, sondern echte, laufende Riesenpenisse (!) sind, die nur ihre eigenen Interesse in der schrumpeligen Eichel haben und Frauen gerne ausnutzen, unterdrücken und klein halten. Vor allem auch ausschließlich in schwarz und weiß, stark und schwach, Pimmel und Pussy, männlich und weiblich denken…

„Night of the Living Dicks“ ist eine Art kurzfilmischer Cumshot gefüllt mit In-your-Face-Themen der Jetztzeit. Das ist dermaßen platt und gleichzeitig auch noch auf artsy gemacht, dass er im Kurzfilmprogramm des diesjährigen Fantasy Filmfests einige rollende Augen, genervte Seufzer oder straight up Beleidigungen abbekommen hat. Und hat er nicht allein deswegen schon alles richtig gemacht?! Seine Ideen, Hommagen und Themen sind weder neu noch kreativ. Aber seine bizarre Summe dieser Teile ist schon amüsant. Spritzig, witzig, ungeniert. Naiv und unbeholfen auch. Erinnert stilistisch manchmal fast etwas an die frühen Commercials von Ridley Scott, etwa für Apple. Gekreuzt mit einer augenzwinkernden Genitalienaustellung in überlebensgroß. Grautöne, Mitteldinger, Rollenklischees, Übertreibungen. Porno für Geist und Seele. Wenn auch bei weitem nicht so clever wie er meint zu sein. Aber mit dem Herz am rechten Fleck. Oder im rechten Hodensack hier wohl eher. 

Fazit: Carpenter trifft MeToo, „They Live“ trifft Kunstprojekt, edgy trifft seicht. Ich war dennoch durchgängig am Schmunzeln. Mindestens. Wenn auch öfters sicher nicht ganz beabsichtigt… 

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