Staffel 1 - 9,5/10
Staffel 1
Sisterlove, Death & No Bots
In einem ohnehin schon proppenvollen und hochqualitativen Jahr für Aninationsserien sticht „Arcane“ nochmal deutlich heraus. Und dabei ist es doch eigentlich und im weiteren Sinne ein Ableger der zurecht berüchtigten Kategorie der „Videospielverfilmung“… Erzählt wird u.a. von zwei Schwestern, die im Laufe dieser epischen ersten Staffel auf zwei Seiten eines ewigen Krieges zwischen Ober- und Unterwelt landen. Und dabei Lektionen für's Leben und schmerzhafte Verluste erleiden…
„Arcane“ war wohl der größte Hype einer Animationsserie 2021. Selbst „Star Wars: Visions“, „Invincible“ oder „Demon Slayer“ konnten mit dem Netflixhit in Sachen Aufmerksamkeit nicht konkurrieren. Die Gamer und „League of Legend“-Fans wissen halt, wie man Welle macht. Doch „Arcane“ ist weitaus mehr als nur Hype und Videospielzusatzprodukt. Denn egal wie hoch die Erwartungen sind - „Arcane“ wird sie ziemlich sicher erbarmungslos übertrumpfen, untersprinten und in der Luft zerreißen. Alles zugleich.
Manchmal wirkt das alles schon wie eine (sensationelle) Zwischensequenz in einem Videospielkosmos. Die ersten zwei Folgen laufen etwas langsam an. Das Worldbuilding ist gigantisch, ohne Vorkenntnisse aber vielleicht etwas unübersichtlich und zu weitläufig. Es gibt eine Menge Figuren, es wird fleißig hin und her gesprungen in Zeit wie Raum, die groß auftrumpfenden Popsongs von Imagine Dragons und Co. sind womöglich nicht die ganz feine Art oder zumindest nicht jedermanns Sache. Doch über all diese Dinge lässt sich erstens streiten, zweitens sind sie zum Großteil eher B-Note und drittens ist ansonsten nahezu alles an „Arcane“ legendär gut. Ich kann es nicht anders schreiben. Das Ding ist ein Monument zwischen Game und Serie, das die Grenzen sprengt und richtig Bock auf mehr macht. Egal ob als Staffel 2 oder als Spiel. Werbung mit Mehrwert. Marketing der Edelklasse.
Hier nur ein kurzer Ausschnitt an Dingen, die ich an „Arcane“ einfach mächtig liebgewonnen habe und die mich um die Höchstwertung nicht herumkommen lassen:
+ der Look ist einprägsam, hübsch und passend
+ die Fights brechen Knochen und lassen Kinnladen im doppelten Sinne herunterklappen
+ man braucht nicht unbedingt Vorwissen aus „League of Legends“
+ ein alles zerberstendes (offenes) Ende
+ Tragik pur, ohne cheesy zu sein
+ sehr reife Aura, sehr erwachsene Figuren
+ epischer Aufbau über Jahre oder gar Jahrzehnte
+ Figuren sterben - auch wichtigere
+ ich mag den Soundtrack, das ist höchst stimmig und mir nicht zu poppig+ saustarke Frauenfiguren
+ massive Charakterentwicklung zum Teil
+ magische und technische Welt
+ exzellente Synchro (im O-Ton geguckt)
+ viele charakterliche Grauzonen
+ Bösewichte mit Hintergrund und Emotionen
+ coole Waffen und Erfindungen (Haikanone?!)
+ düstere und dunkle Atmosphäre
+ gesellschaftliche bis philosophische Untertöne und Themen
+ klarer Aufbau und Steigerung in der Intensität
+ nie vorhersehbar oder generisch
+ es steht immer und bei jedem viel auf dem Spiel
+ ideale Folgenlänge
Fazit: egal ob man Gamer ist oder nicht, egal ob man Animation mag oder nicht, egal ob man Netflix hat oder nicht - „Arcane“ ist dermaßen gut, dass sich dieses brachiale Spektakel keiner entgehen lassen sollte! (9,5/10)