Staffel 2
In einer Liga der Legenden für sich alleine
Die erste Staffel von „Arcane“ ist jetzt auch schon ein paar Jährchen alt - doch eine solche Qualität bleibt natürlich im Kopf, im Herz, in der Seele eines jeden Serienguckers. Ich wollte unbedingt wissen, wie es weitergeht. Und nun habe ich Ende letzten Jahres die komplette zweite Staffel geguckt… Normalerweise schreibe ich fast immer direkt nachdem ich etwas gesehen habe, das Review und meine Meinung. Manchmal ziehen ein paar Tage ins Land oder es kommt kurzzeitig etwas dazwischen. Aber über einen Monat, damit ich etwas verarbeiten und auf mich wirken lassen kann?! Das passiert nahezu nie. Aber jap, genau das war bei „Arcane“ Staffel 2 der Fall, da ich einfach nicht fassen und beschreiben konnte, was da gerade auf mich eingeprasselt und über mich drüber gerauscht war. Ein positiveres und nachdrücklicheres Kompliment kann ich nicht geben. Nun habe ich beide Staffeln nochmal (!) komplett nahezu am Stück geguckt - und kann/werde auch zu Staffel 2 endlich meinen Senf dazugeben… Erzählt wird in den neun neuen Folgen weiter von den (mittlerweile mehr als entfremdeten) Schwestern Vi und Jinx und verfeindeten Städten/Parteien/Gesellschaftsschichten voller Magie, Technik und Hass…
Jeder Frame ein Desktophintergrund
Was macht „Arcane“ so besonders? Und gerade diese zweite Staffel nochmal extra genial und packend?… Es ist das Gesamtpaket, das sich nach der ersten Staffel nochmal weiterentwickelt hat und nun in gänzlich neue Sphären vorgedrungen ist. Der Look ist edel und vielschichtig, facettenreich und voller visueller Stile, Kniffe, Varianten. Es steht immer eine Menge auf dem Spiel. Das Tempo ist hoch, übertreibt es aber nie und weiß genau, wann innezuhalten ist. Die Balance aus Intimität und Epik, Persönlichkeit und Allgemeinheit ist nahezu unerreicht am Serienfirmament. Die gesellschaftlichen und politischen Themen sind sehr nachvollziehbar und leider bekannt aus unserer realen Welt. Die gesellschaftliche Schere, die steigende Aggressivität, der drohende Umsturz, Anschläge und Vorurteile. Von welcher Seite auch immer. „Arcane“ Staffel 2 hat alles. Der Popsoundtrack knallt. Die Figuren fühlen sich echter und greifbarer an als sie eigentlich jedes Recht hätten. Gerade in dieser Menge an Charakteren, die hier vertreten und an alle Fronten verteilt ist. Aber es funktioniert. Es klickt. Es kickt. Die Grautöne sind stark an jeder Seite des Spektrums. Die musikvideoartigen Sequenzen sind hypnotisch gut. Die erstaunlich woken und fortschrittlichen, queeren und futuristischen Beziehungen wirken natürlich und nie erzwungen. Die Wesen und Waffen, die Welten und Farben, die Schicksale und popkulturellen Anspielungen - alles top, top, top notch! Die Fallhöhe ist massiv, der Arbeitsaufwand der Macher bis in Details zahlt sich aus, die Spiele muss man weiterhin null kennen. Doch wenn man es tut, gibt’s glaube ich auch genug Easter Eggs und Mehrwert. Die Synchronsprecher killen es. Alles fühlt sich erwachsen und reif und ernst an, wie eine wegweisende Show, eine Serie der Zukunft, ein direkter Klassiker. Jede Träne ist verdient. Jeder Tod wird betrauert. Jeder Schuss ein Treffer. Und das Beste: die Serie ist nun abgeschlossen! Finito! Sie ist rund und fett und fertig und perfekt. Und ich beneide jeden, der dieses Erlebnis noch vor sich hat…
Fazit: Kunstwerk, Tour-de-Force, emotionale Achterbahn, Spektakel, Epos… die Superlative zur zweiten Staffel von „Arcane“ gehen einem schnell aus. Es ist einfach die momentane Speerspitze in Sachen animierter Serien. Weltweit. Königlich gut. Gucken, Gänsehaut kriegen, genießen. „Arcane“ ist etwas Spezielles. (10/10)