Vielen Menschen kann mit einer psychologischen Therapie über ihre Alltagsprobleme hinweggeholfen werden, und da sie selbst beste Erfahrungen damit gemacht hat, legt Gina (Lucie Guest) anläßlich einer Party auch ihrer besten Freundin Jenn (Kate Siegel) nahe, sich in die Obhut eines, nämlich ihres Psychiaters zu begeben. Anfangs noch zögernd willigt Jenn, Ende dreißig, derzeit arbeitslos, single und deswegen ein bißchen durch den Wind, dann auch ein und besucht kurz darauf Dr. Collin Meade (Jason O'Mara).
Nach einem kurzen Einführungsgespräch in dessen splendider Praxis versetzt sie Dr. Meade in Hypnose, aus der sie nach über einer Stunde wieder erwacht, was ihr aber nur wie wenige Minuten vorkommt - ein Vorgang, der sich in den nächsten Wochen noch öfters wiederholen wird. Jenn fühlt sich wieder besser und erwägt, es mit ihrem ex-Freund Brian, von dem sie sich nach einer Fehlgeburt getrennt hatte, noch einmal zu versuchen. Doch damit beginnen die Probleme: denn Brian (Jaime M. Callica) reagiert schwer allergisch auf Sesamöl, und obwohl Jenn dies genau weiss, kauft sie eines Tages davon, mischt es in den Salat zum Abendessen und verschafft dem armen Brian damit einen lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock, der diesen auf die Intensivstation bringt.
Jenn kann sich nicht erklären, wie sie so etwas bewußt tun konnte und stößt beim Nachdenken auf ein Telefonat mit Dr. Meade kurz vor dem Einkauf. Mißtrauisch geworden, recherchiert sie im Internet und entdeckt einen nicht allzulang zurückliegenden Todesfall einer Patientin in Zusammenhang mit Dr. Meades spezieller Form der Psychotherapie. Auf Nachfrage beim zuständigen Polizeirevier in Portland erfährt sie jedoch nur, daß der ermittelnde Detective Wade Rollins (Dulé Hill) von seinen Vorgesetzten zurückgepfiffen worden ist. Als Jenn ihre Freundin warnen will, daß mit ihrem Seelenklempner irgendwas nicht stimmt, ist es schon zu spät: die von ihrer Arachnophobie vermeintlich geheilte Gina sitzt im Auto, sieht eine Vogelspinne an sich hochkrabbeln und rast mit Vollgas in eine Kreuzung...
Wie verhalten sich Menschen unter dem Einfluß von Hypnose - eine durchaus interessante, wenngleich keineswegs neue Thematik, der sich das Regisseurs-Duo Matt Angel und Suzanne Coote mit ihrem Thriller Hypnotic angenommen hat: Ihre Hauptdarstellerin hat zwar ein kleines Tief, steht aber ansonsten mit beiden Beinen fest im Leben, ist gut situiert und vernetzt und damit kein typisches Opfer. Daß eine solchermaßen geerdete Person trotzdem gegen ihren eigentlichen Willen Dinge tut, über die sie sich im entscheidenden Moment gar nicht im Klaren ist, treibt das ansonsten eher unspektakuläre Geschehen voran. Denn offensichtlich hat Dr. Meade, ein unscheinbarer und völlig durchschnittlicher Enddreißiger vom Typ Bürohengst, eine Möglichkeit gefunden, seine Patientinnen (betroffen sind nur Frauen) zu manipulieren.
Wie der Psychotherapeut dies allerdings macht, bleibt bis zum Schluß ein ungelöstes Rätsel und der Phantasie des Publikums überlassen - ist es überhaupt möglich, Menschen durch einfache Sätze so zu konditionieren, daß sie mehr oder weniger willenlos Dinge tun, von denen sie eigentlich wissen (müssten), daß diese unangenehme bis tödliche Folgen haben? Und während man durch eingebildete Vogelspinnen durchaus zu einer Reaktion gezwungen sein kann, ergibt sich andererseits die Frage, ob man tatsächlich stirbt, wenn man sich einbildet, von Liftwänden (Eingangsszene) zerquetscht zu werden... darauf jedoch gibt Hypnotic, der zum Ende hin mit motiviertem Detective und Sirenengeheul immer mehr ins Fahrwasser eines konventionellen TV-Krimis gerät, allerdings keine Antwort.
So bleibt am Ende ein durchschnittlich spannender Psycho-Thriller, an dem es inszenatorisch wie auch bezüglich der Darsteller zwar nichts auszusetzen gibt, der aber auch keinerlei bleibenden Eindruck hinterläßt. 6 Punkte.