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Auch (oder gerade) hierzulande gibt es einige Wege, die in düsterer Nacht Unbehagen auslösen können. Gerade in ländlichen Gegenden gibt es dichte Waldgebiete ohne Straßenbeleuchtung, die beim Einschalten von Fernlicht beinahe noch unheimlicher aussehen. Insofern kommt es schon einer kleinen Katastrophe nahe, wenn hier der Wagen schlapp macht und man im sprichwörtlich Wald steht.

So ergeht es auch Mats (Tobias Kay) und seiner Tochter Mia (Jolie Joan), die sich nachts mit dem Auto auf dem Weg zu seiner neuen Freundin Carla (Heike Schuch) befinden. Nach einer Umleitung nimmt Mats den Waldweg und man entdeckt am Rande einen frisch verunglückten Wagen, jedoch ohne Insassen. Kurz darauf macht Mats Auto schlapp, die Handys sind leer oder haben kein Netz und in den Weiten des Waldes ertönen undefinierbare Geräusche…

Es kann so einfach sein, wenn man sich auf die natürliche Umgebung beschränkt und diese nur schwach ausleuchtet, so dass eine latent klaustrophobische Stimmung entsteht. Innerhalb der nächtlichen Stille wirken fremdartige Geräusche natürlich umso intensiver und das unbewegliche Fahrzeug am Wegesrand birgt nur einen bedingten Schutz, wenn die vermeintliche Bedrohung kaum zu definieren ist. Und die Aussicht auf rund drei Stunden Fußmarsch ist in so einer Situation ja auch nicht gerade berauschend.

Der zweite Langfilm von Autor und Regisseur Manuel Weiss schwankt lange Zeit zwischen Horror und Thriller, denn die beiden Protagonisten wissen nie mehr als das ahnungslose Publikum. Entsprechend verlassen die zwei zwar kurz ihren Standort und prompt tritt man sich einen Nagel ein, doch einige Zeit wird geschickt mit der undefinierbaren Entität gespielt, bis diese eine etwas klarere Gestalt erfährt. Danach setzt Weiss einen kleinen Kniff ein, indem er bereits Erlebtes aus einer zweiten Perspektive wiederholt und damit einige nebulöse Begebenheiten erklärt, bis sich die Zusammenhänge gegen Finale schlüssig zusammensetzen.

Nach dem eigentlichen Showdown setzt die Geschichte noch einmal nach, was unweigerlich zu einigen arg konstruierten Abläufen führt und damit beinahe an typische Slasher der alten Schule erinnert. Der Glaubwürdigkeit wegen hätte man die Chose vielleicht besser im titelgebenden Wald enden lassen sollen, was der Gesamtqualität der Erzählung jedoch nicht übermäßig schadet.

Die Produktion an sich befindet sich auf brauchbarem Independent-Niveau. Die Ausstattung ist zweckdienlich, der Score wird nie über Gebühr strapaziert und die wesentlichen Mimen performen weitgehend glaubwürdig, wobei ihnen das Drehbuch glücklicherweise irrationale Entscheidungen erspart. Mit rund 81 Minuten Laufzeit ergibt sich somit ein kleiner Grusler ohne Längen, der zwar nicht allzu blutig, dafür jedoch recht atmosphärisch ausfällt.
6,5 von 10

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