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Nach dem ermutigendem Beginn mit seinem Regie-Debut „The Bird with the Crystal Plumage“ blieb Dario Argento mit „Die neunschwänzige Katze“ gleich auf dem selben Genregebiet. Allerdings gemahnt der Titel mehr an Auspeitschungen oder Folter, als an das metaphorische Bild, das Karl Malden hier von dem vorliegenden Fall malt, weil es so viele Verdächtige gibt. Letztendlich brach Argento dann doch eher einen standardisierten Giallo vom Zaun, bei dem weder visuelle noch erzählerische Weiterentwicklung vermerken konnte.

Selbstverfreilich geht auch hier wieder ein Killer um, von dem der Zuschauer stets nur die Pupille in Großaufnahme zu sehen bekommt, bevor er ans Werk geht, um die Mitarbeiter eines Genforschungsinstituts zu dezimieren. Die haben die Existenz eines zusätzlichen Y-Chromosomens nachgewiesen, das der Legende nach ein Anzeichen für kriminelles bis gewalttätiges Verhalten sein soll.
Das bleibt aber über den Film lediglich ein simpler Aufhänger für die Handlung, die sich diesmal gleich durch zwei US-Stars dividieren muß. James Franciscus (der im gleichen Jahr die „Planet der Affen“-Fortsetzung anführte) als Journalist und Karl Malden als blinder Ex-Kollege bilden das Dreamteam, das sich hinter den Fall klempt, während die Polente halb hilflos und halb nur an Kochrezepten interessiert zu sein scheint, während die Doktoren immer weniger werden.

So ein Plot hätte in späteren Zeiten ja schon fast genügt, um wenigstens optisch einiges her zu machen, doch was hier übrig bleibt, ist leider nur ein Scherbenhaufen. Malden hat immer den richtigen Riecher, Franciscus muß einiges einstecken und sonst treten alle auf der Stelle, bzw. fördern nur Nichtigkeiten zu Tage. Sei es nun der Institutsleiter mit der falschen Tochter, die eigentlich eine Geliebte sein soll (die allerdings sehr offenherzig die modischen Untiefen dieser Zeit auslotet) oder Horst Frank als schwuler Wissenschaftler, der an Werner Pochath rumknuspert – das alles ist relativ belanglos.
Und auch an interessanten Mordszenen wird gespart: der erste Todesfall auf einem Bahnhof ist noch ein echtes Argento-Highlight in Konstruktion und Ausführung (jemand wird vor einen Zug geworfen), doch danach wird eigentlich nur noch stranguliert oder gleich auf das Eregbnis geschnitten, wie überhaupt der Bodycount relativ schmal bleibt.

Daß die Auflösung dann doch auf den Gen-Aufhänger zurückzuführen ist, hat schon fast nichts mehr zu sagen, außer daß die finale Verfolgungsjagd auf dem Dach des Instituts noch einmal recht prachtvoll geraten ist, ebenso wie der Tod des Täter in einem Fahrstuhlschacht. Warum dieser jedoch am Ende ausgerechnet mit der Ermordung des kleinen Mädchens so lange wartet, ist eh nur der Spannung und nicht der Logik geschuldet.

Ein Highlight ist und bleibt (wie beim Vorgänger) die deutsche Synchronisation, die wirklich alles auffährt, was damals Rang und Namen hatte (Frank synchronisiert sich selbst) und bisweilen fühlt man sich mit geschlossenen Augen wirklich wieder wie in den Siebzigern. Rainer Brandt hat den Text wohl verbrochen und spricht auch Franciscus selbst, was hie und da zur Heiterkeit anregt („Nette Wohnung!“ – „Hmhm, Bausparkasse!“).

Doch alles in allem ist der Film schlicht und ergreifend zu schwachbrüstig und wenig einfallsreich, um über den Plot hinwegzutäuschen, nur die POV-Shots sind wie die Farbphotographie erlesen gelungen. Vielleicht der schwächste Argento, bis er selbst wieder in „Card Player“-Niederungen herab sank.

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