Kontemporärer Trash – THE ASYLUM (3)
PLANET DUNE
(PLANET DUNE)
Glenn Campbell und Tammy Klein, USA 2021
Vorsicht – dieses Review enthält leichte SPOILER!
Ein weiterer Asylum-Heuler: Planet Dune, schon der Titel lässt keinen Zweifel, ist der Mockbuster zu Denis Villeneuves Großproduktion Dune, ihres Zeichens Neuinterpretation des bekannten Frank-Herbert-Stoffs, an dem sich anno 1984 bereits David Lynch mit mäßigem Erfolg versucht hatte. Nicht nur deshalb durfte man davon ausgehen, dass auch Glenn Campbell und Tammy Klein nichts Vernünftiges damit anstellen können – die Frage war nur, ob ihr Scheitern dem Trash-Liebhaber Freude bereitet oder nicht. Wobei: Scheitern kann man eigentlich nur, wenn man überhaupt etwas versucht ...
Unsere Heldin heißt Astrid (genauer Astrid Young, aber Nachnamen interessieren hier niemanden, nicht einmal in den Credits), arbeitet im Rang eines Lieutenants bei einer offenkundig dem Militär unterstehenden galaktischen Rettungseinheit und sammelt gleich zu Beginn ein paar Minuspunkte in der Sympathiewertung ein, indem sie sich selbst als beste Pilotenschülerin ihrer Truppe bezeichnet. Hilfsbereit ist sie allerdings auch: Als ein russischer Kosmonaut bei einem Außeneinsatz an seiner Station verunglückt und ohne Sauerstoff zu ersticken droht, rettet sie ihn entgegen eines ausdrücklichen und mehrfach wiederholten Befehls ihrer Kommandantin Captain Chase, die das Tun der Untergebenen von der „Space Force Interstellar Operations Base“ aus überwacht und koordiniert.
Solcherlei Insubordination muss natürlich Folgen haben – Astrid soll ins Militärgefängnis, kann sich aber Gnade in Form des Einsatzes in irgendeiner Strafeinheit erbitten. Und sie bekommt auch schon nach wenigen Sekunden ihren ersten Strafeinheits-Einsatz: Zusammen mit der Navigatorin Ronnie, der Schiffsmechanikerin Rebecca und dem Schlepperfahrer Brad, die allesamt ebenfalls auf die eine oder andere Weise straffällig geworden sind, soll sie den titelgebenden Wüstenplaneten Dune ansteuern und dort die Mitglieder einer geologischen Forschungsmission einsammeln, die offenbar in Schwierigkeiten stecken. Das tun die Forscher tatsächlich, und die meisten von ihnen stecken nicht nur in Schwierigkeiten, sondern sogar schon in den Mägen riesiger Sandwürmer, die den Planeten bevölkern und sich über nahrhaftes, weil eisenhaltiges menschliches Blut freuen.
Nachdem sich Astrid und ihre Leute eine Zeit lang gegenseitig vollgepflaumt und das im Genre zur obersten Pflicht erklärte Meteoritenfeld halbwegs gesund an Leib und Technik hinter sich gebracht haben, landen sie unsanft auf dem anvisierten Himmelskörper und lernen auch ihrerseits recht bald dessen hungrige Einwohner kennen. Sie können den Riesenwürmern vorerst entkommen, werden dabei aber getrennt und müssen, nachdem sich noch zwei Überlebende der Forschungsmission zu ihnen gesellt haben, in drei separat agierenden Zweiergruppen das Beste aus der Situation machen. Dass es nicht alle von ihnen schaffen werden, den Planeten lebendig zu verlassen, scheint dabei vorprogrammiert zu sein ...
Na ja – die Verluste halten sich in Grenzen, so viel darf verraten werden. Es darf auch verraten werden, dass Planet Dune ein eher schwacher Film ist – und dies bereits aus dem speziellen Blickwinkel eines Trash-Liebhabers und Asylum-Komplettisten betrachtet (objektiv beurteilt, machen wir uns nichts vor, haben wir es hier mit übelster Weltraum-Grütze zu tun). Was die Arbeit von Glenn Campbell und Tammy Klein unnötig herunterzieht, ist ihr über weite Strecken latent unangenehmer Tonfall, was nicht nur das extrem nervige Gezänk zwischen den Frauen (vorrangig zwischen Astrid und Rebecca) betrifft, sondern auch den pathetisch aufgeladenen Ernst, mit dem das Geschehen daherkommt – es mag den einen oder anderen lockeren Spruch geben, aber insgesamt wird die Stimmung doch eindeutig von der lähmend humorlosen Figur unserer Heldin Astrid bestimmt.
Es ist also, ähm ... kein Hochgenuss, hier mit von der Partie zu sein, zumal die nahezu vollkommen ideenlose Handlung niemals mitreißen oder auch nur ein gesteigertes Interesse auslösen kann: Im Großen und Ganzen sieht man den Leuten dabei zu, wie sie durch die rote Wüste des Titelplaneten latschen und sich in mehr oder weniger sinnfreien Dialogen ergehen (einschließlich des Klassikers „Wir müssen hier weg!“®, der natürlich des Öfteren zu hören ist). Zum Glück (zumindest für den Betrachter) tauchen in regelmäßigen und nicht zu langen Abständen die armselig getricksten Sandwürmer auf und sorgen für etwas Kurzweil, indem sie unsere Helden von hier nach da und von da nach dort jagen (dies jedoch ohne jeden Erfolg, obwohl sie eigentlich um ein Vielfaches schneller sind als die Menschen). Im Finale gibt es sogar noch ein paar richtige Actionszenen, sprich einen brachialen Kampf Raumschiff versus Riesenwurm, aber zu diesem Zeitpunkt ist man mit Planet Dune schon zu sehr „durch“, als dass einen das noch ernsthaft anhebt.
Die Optik ist bemerkenswert: Wie offenbar jeder neue, also in den letzten zwei, drei Jahren entstandene Asylum-Streifen bedient sich auch Planet Dune des Breitwandformats, und selten war es so angebracht wie hier, da es die Weite der überwiegend als Schauplatz dienenden Wüstenlandschaften hervorragend auf die Leinwand beziehungsweise den Bildschirm transportiert. Mit der allzu kräftigen Rot-Filterung der Bilder muss man indes leben können – bisweilen wünscht man sich doch sehnlichst einen Schnitt zu Captain Chase in die Space Force Interstellar Operations Base, um Augen und Hirn wenigstens kurzzeitig mit natürlichen Farben zu beruhigen.
Die Tricktechnik bewegt sich in ihrer Gesamtheit auf dem gewohnten Asylum-Niveau, wobei es moderate Ausreißer sowohl nach unten als auch nach oben gibt. Ein Vulkan in der Ferne sieht aus, als hätte man ihn in den Dreißigerjahren aus Pappe gebastelt und nun etwas schlechten CGI-Qualm dahintergelegt, an anderer Stelle wirkt glühendes Magma vergleichsweise echt (es riecht nach Stock Footage), die „Weltraum“-Aufnahmen mit der Space Force Interstellar Operations Base kann man durchwinken und die Sandwürmer wurden wie schon angedeutet hier mies und dort noch mieser getrickst. Sehr auffällig sind darüber hinaus auch noch einige auf drei Kilometer Entfernung als solche erkennbare Rückprojektionen.
Das Schauspiel der Mitwirkenden fällt ebenfalls auf – und zwar unangenehm. An erster Stelle muss hier Emily Killian als Astrid genannt werden, die ich vor wenigen Wochen in Meteor Moon gesehen und als hübsch empfunden habe. Diese Einschätzung mag okay sein, aber wenn Frau Killian entschlossen oder grimmig dreinschaut beziehungsweise dreischauen will, dann sieht das nicht gut aus – es steht ihr einfach überhaupt nicht. Dumm ist nun, dass sie in Planet Dune fast ununterbrochen entschlossen oder grimmig dreischauen will, weshalb ihr Auftritt doch einen sehr faden Beigeschmack hat. Anders gesagt: Sie kann, was ihr Job gewesen wäre, diesen Film nicht tragen. Nicht einmal im Ansatz. Den besten darstellerischen Eindruck hinterlässt die angenehm natürlich wirkende Anna Telfer als Ronnie, ohne dabei auch nur irgendetwas Bemerkenswertes zu leisten, während Cherish Michael aka Cherish Holland (so creditiert) als Rebecca entsetzlich nervt, Sean Young in einer asylumtypischen Offiziers-Gastrolle als Captain Chase zumindest in meinen Augen schlichtweg fehlbesetzt ist und Manny Zaldivar als Brad zwar auch erbärmlich spielt, aber wenigstens halbwegs sympathisch wirkt (hinzu kommt ein Synchronsprecher, der selbst in den wildesten Actionszenen jederzeit einzuschlafen droht, was wenigstens für etwas unfreiwillige Komik sorgt). Sean Youngs Einsatz darf übrigens als Reminiszenz an David Lynchs „Dune“-Verfilmung, in der sie seinerzeit mitgewirkt hat, verstanden werden (erinnern kann ich mich allerdings nicht an sie, wobei mir ohnehin kaum etwas von diesem Film klar im Gedächtnis verblieben ist – außer, dass ich ihn enttäuschend und der Vorlage geschuldet sogar ziemlich blöd fand).
Dann aber haben wir schließlich noch meine heimliche Freundin Sharon Desiree an Bord – oder auch nicht ... Ich habe sie gerade erst in den Asylum-Heulern Monster Hunters und Devil’s Triangle gesehen, wo sie in Ersterem eine kleine und in Letzterem eine sehr kleine Rolle hatte. Auch Planet Dune wird ihr leider nicht als Start zu einer großen Karriere dienen: Hier ist sie unter „Space Force Control“ creditiert und nur zweimal ganz kurz in der Zentrale der Space Force Interstellar Operations Base zu sehen – im äußersten Bildhintergrund und mit dem Rücken zur Kamera ... Oh je. Deutlich mehr bekommt man zu guter Letzt vom ziemlich laut abgemischten Score mit, für den die Asylum-Stammkomponisten Christopher Cano und Mikel Shane Prather verantwortlich sind. Er ist ziemlich selbstbewusst, findet aber nur selten angenehme Klänge, wirkt mitunter angesichts des Pfeffers, den er begleitet, reichlich überzogen und kann hin und wieder sogar ein wenig nerven. Kein Ärgernis, aber auch kein Gewinn.
Das kann man wohlwollend auch von diesem Film als Ganzes sagen, wobei der Zeiger jedoch eher in Richtung Ärgernis ausschlagen möchte – und dies je nach Blickwinkel des Betrachters auch mehr oder weniger heftig tut. Wenn man als Trash-Liebhaber antritt, sollte sich der Schaden dabei in Grenzen halten – das große Glück sucht man indes vergeblich: Planet Dune ist ein reichlich öder und spannungsarmer Sci-Fi-Billig-Heuler, der sich ohne jede nennenswerte Idee durchzumogeln versucht und dabei in erster Linie darunter leidet, dass er Freunden des gepflegten Schwachsinns keine ausreichende Erheiterung verschaffen kann. Ich für meinen Teil habe hier in der zweiten Hälfte doch ziemlich schwer gegen die aufkeimende Lethargie ankämpfen müssen – letzten Endes war ich zwar siegreich, aber Sinn der Sache war ein solches Ringen natürlich nicht. Ungeachtet dessen will ich Planet Dune an dieser Stelle durchwinken und mich in Sachen Asylum wieder einmal in unreflektierten Optimismus flüchten: Natürlich wird schon beim nächsten Streifen meiner kalifornischen Lieblings-Schundschmiede alles wieder sehr viel besser sein.
(12/22)
Objektiv 3 von 10 Punkten.