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Spätestens seit Dolly ist das Thema Klonen immer mal wieder in aller Munde und auch Hollywood will gelegentlich damit Kasse machen, 2004 z.B. mit „Godsend“.
Paul (Greg Kinnear) und Jessie Duncan (Rebecca Romijn) sind ein glückliches Paar, Sohnemann Adam (Cameron Bright) hat frisch den achten Geburtstag gefeiert. Im Mystery- und Horrorfilm wartet derartiges Familienglück natürlich nur darauf unsanft zu einem Ende gebracht zu werden und so rafft ein Verkehrsunfall Adam jäh aus dem Leben der Familie. Danach Trauerarbeit, ehe man zum Ende der relativ langen Exposition kommt.
Kurz darauf taucht Richard Wells (Robert De Niro), ein ehemaliger Dozent Jessies und Wissenschaftler auf, der den beiden ein Angebot macht: Adam haargenau zu klonen. Die Bedingung ist, dass sie umziehen und alle Kontakte abbrechen, denn derartiges ist natürlich höchst illegal. Das Paar stimmt in Trauer zu, das Baby wird neu geklont und wächst tatsächlich für achte Jahre prächtig heran.

Doch ab dem Zeitpunkt, an dem das Vorläufermodell gewaltsam verstarb, benimmt sich der neue Adam seltsam und hat Alpträume. Tatsächlich scheint der Junge sogar etwas gefährlich zu sein...
Dämonische Blagen gab es schon öfter im Film, doch während woanders teuflische Einflüsse („Das Omen“) oder schlichte Bosheit eines gelangweilten Kindes („Das zweite Gesicht“) der Auslöser waren, so ist hier das Klonen nicht ganz rund gelaufen. Die Suche nach der Ursache von Adams Bösartigkeit ist dann auch die einzige spannende Frage, die Fährten dahin sind allerdings so meterbreit gelegt, dass man nach einer Weile schnell auf den Trichter kommt, wie der Hase läuft. Und dem sinistren Onkel Doktor traut man eh von Anfang nicht über den Weg, da man ihn schon optisch auf zwielichtige Gestalt trimmt.
Hauptproblem von „Godsend“ ist jedoch die Tatsache, dass der Plot reichlich langsam fortschreitet und kaum etwas passiert. Adams Ausbrüche sind nur an ein, zwei Stellen wirklich gefährlich und bieten Grund zur Sorge, viel zu lange dauert es, bis das Kind zu der Gefahr wird, für die der halbwegs erfahrene Zuschauer es von Anfang an hält. Lächerlich vor allem der Minishowdown, in welchem Paul das Übel auf ganz banale Weise abkehren kann, vom Friede-Freude-Eierkuchen-Finish mal ganz zu schweigen.

Doch immerhin ist „Godsend“ noch zwei, drei Schritte vom Totalausfall entfernt, Regisseur Nick Hamm inszeniert die Chose zwar ohne eigene Ideen, doch immerhin mit solidem Gespür für düstere Bilder. Gelegentlich kommt man sogar auf nette Spannungspassagen (z.B. die Szene am Fluss), der Background für Adams übles Verhalten ist ganz nett erdacht, doch das ist dann zu wenig, um die uninteressante Geschichte, der man bestenfalls Ansätze der kritischen Betrachtung des Klonens unterstellen kann, noch zu retten.
Robert De Niro als halbseidener Doc ist eine solide Bank, den Düsterling verkörpert er recht gut, doch von der Hochform früherer Tage ist der gute Mann leider deutlich entfernt. Ebenfalls, aber doch irgendwie konturlos sind Greg Kinnear und Rebecca Romjin als passives Elternpaar, sodass die beste Leistung hier von Cameron Bright kommt, einem überraschend talentierten Kinderdarsteller, bekannt geworden für seine erstklassigen Leistungen in „Thank you for Smoking“ und „Running Scared“.

Inszenatorisch solide, aber schleppend erzählt, innovationsarm und ohne rechten Biss: „Godsend“ ist unterdurchschnittlicher Einheitsbrei, nicht so richtig ärgerlich, aber auch zu keiner Sekunde wirklich interessant.

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