„Godsend“ ist einer dieser Filme, bei denen die Erwartungshaltung des Zuschauers im Vorfeld eine entscheidende Rolle in Sachen Ge- oder Missfallen spielt.
Ich möchte es mal so abgrenzen: Es handelt sich hierbei weder um einen wissenschaftlich fundierten Thriller auf Basis der Debatte über das Klonen von Menschen, noch wird jenes Grundthema nur als platter Aufhänger für einen Horrorfilm im Fahrwasser von Stephen Kings „Friedhof der Kuscheltiere“ verpulvert … die Wahrheit liegt (wie so oft) irgendwo in der Mitte, was den Film von Regisseur Nick Hamm („the Hole“) zwar absolut solide und spannend, letztendlich aber nicht vollkommen überzeugend macht – im Endeffekt wurden einfach zu zahlreiche viel versprechende Möglichkeiten verschenkt.
Die Ausgangsbasis der Geschichte ist interessant und greift die aktuelle Klon-Debatte an einem menschlichen (und somit problemlos nachvollziehbaren) Ansatz auf:
Kurz nach seinem achten Geburtstag stirbt Adam (Cameron Bright) bei einem Verkehrsunfall. Für seine Eltern (Greg Kinnear und Rebecca Romijn-Stamos) bricht eine Welt zusammen, doch der Arzt und Genforscher Dr.Wells (Robert De Niro) macht ihnen gleich darauf ein Angebot, welches nicht nur gegen die Moral und Ethik des jungen Paars verstößt, sondern zudem auch gegen geltendes Gesetz – Wells hat ein Verfahren entwickelt, um menschliches Leben zu klonen, und jenes bietet er nun Paul und Jesse an, da letztere nicht mehr in der Lage ist, auf natürlichem Wege ein weiteres Kind zu bekommen. Nach einigen Überlegungen überwiegt die Trauer schließlich so sehr, dass sie sich darauf einlassen und hinaus aufs abgeschiedene Land ziehen, wo sich die Klinik von Wells (mit dem Namen „Godsend Institute“) befindet.
Der Eingriff verläuft gut, und das Glück der jungen Familie scheint wieder perfekt zu sein – bis zu dem Tag, an dem Adam das Sterbedatum seines „Vorgängers“ überschreitet: Von da an wird er von schrecklichen Visionen (wie einem brennenden Gebäude und dabei sterbenden Kindern) heimgesucht, legt aggressives Verhalten an den Tag und schottet sich gegenüber seiner Umwelt immer weiter ab. Vor allem Adams Vater will sich nicht damit abfinden, dass dieses Verhalten eine „normale“ Persönlichkeitsstörung ist, wie sie bei jedem Kind auftreten könnte, und beginnt mit eigenen Nachforschungen – als Adam dann auch noch von sich als „Zachary“ zu sprechen beginnt und Szenarien beschreibt, wie sie scheinbar vor etlichen Jahren tatsächlich mal vorgefallen sind, entdeckt Paul schließlich einen Zusammenhang, welcher alle Beteiligten verbindet…
„Godsend“ ist also keine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema „Klonen“ unter ethischen oder moralischen Gesichtspunkten. Zwar werden diese Aspekte (vor allem im ersten Drittel) angerissen, doch Regisseur Hamm hat sich mehr für eine vordergründige Inszenierung entschieden, bei welcher er Schreckmomenten gegenüber der psychologischen Tiefe und Komplexität des Themas den Vorrang gab.
Es gibt Anleihen von „das Omen“ bis „Shining“ oder „Pet Sematary“, welche direkt und vordergründig (also nicht etwa so wie bei „the 6th Sense“) eingesetzt werden – konventionell (in Form von Rückblenden, Erschreckmomenten und Morden aus Sicht des Killers), aber effektiv (was vor allem im Kino bei standesgemäßer Soundunterstützung gut zur Geltung kommt).
Das Ende (vorm obligatorischen Cliffhanger mit standesgemäßem Schockeffekt) kommt leider etwas plötzlich daher, wodurch es abgehackt und leicht unausgegoren wirkt.
Die Schauspieler machen ihre Sache allesamt gut, wobei sich De Niro („Taxi Driver“ / „15 Minutes“) in der Rolle des Wissenschaftlers etwas zurücknimmt – nach allem, was er in seiner Karriere erreicht hat, scheint er in den letzten Jahren verstärkter Rollen auszuwählen, die zwar nicht so fordernd sind, aber doch einen gewissen Reiz besitzen, auch wenn die Filme nicht solch „hochwertige“ Produktionen (wie man sie von ihm vielleicht erwartet) darstellen. Greg Kennear („as good as it gets“ / „Auto Focus“) und Rebecca Romijn-Stamos („Femme Fatale“ / „the Punisher“) überzeugen als belastetes Elterpaar, Cameron Bright macht seine Sache als Adam auch recht passabel.
Insgesamt ist „Godsend“ ein spannender, aber konventioneller Gruselschocker, welcher dem Ernst und den Möglichkeiten (gerade auf psychologischer Ebene) der brisanten Grundthematik nicht unbedingt gerecht wird, trotzdem aber nicht zu platt und anspruchslos daher kommt, um solide und passable Unterhaltung zu bieten …
7 von 10.