Bestimmte Geschichten können sich fast nur in den Weiten einiger amerikanischer Landstriche abspielen. Vorliegende Story ist im US-Bundesstatt Montana angesiedelt, der in etwa so groß wie die BRD ist, in dem jedoch nur 0,3% der gesamten US-Bevölkerung leben, was viel über die dünne Besiedelung aussagt: Der vermeintlich ideale Ort für Aussteiger.
Troy (Stephen Moyer) hat es mit seinem Sohn Jake (Drew Van Acker) nach den letzten Kriegen in die Weiten Montanas verschlagen, wo sie in einer abgelegenen Hütte im Nirgendwo mit der Natur leben. Als Troy einen Eindringling töten will, wird er selbst verletzt. Jake muss sich zur nächst gelegenen Farm aufmachen, um die dort vermuteten Medikamente aufzusammeln. Zu seinem Erstaunen begegnet Jake hier Henrietta (Alicia Silverstone), von der er rasch lernt, dass die Welt anders tickt, als Troy ihm über Jahre weiß machen wollte…
Die Handlung konzentriert sich auf drei Personen, die der einstigen Zivilisation aus unterschiedlichen Gründen den Rücken gekehrt haben. Troy wurde in der Wildnis zum Überlebenskämpfer und Misanthropen, während Jake auf die Lehren und Lebensweisen seines Vaters angewiesen ist und schlicht nichts anderes kennt, als spärliche Informationen aus Zeitschriftresten und dem Buch der Aussteigerfamilie Robinson. Dass Jake mit etwa Mitte 20 ohne jeden anderen sozialen Kontakt noch so umgänglich erscheint, kratzt hart an der Grenze des Glaubwürdigen.
Zwar vermag Regisseur Drew Mylrea eine angemessen düstere Grundstimmung in der rauen Winterlandschaft zu etablieren und den simplen Überlebenskampf mit souverän gefilmten Bildern einzufangen, doch dafür hätte es nicht zwangsläufig eine halbe Stunde ohne erwähnenswerte Konflikte gebraucht. Erst als Jake auf Henrietta trifft, welche er zunächst mit der Waffe bedroht, nimmt die Sache an Fahrt auf, wobei ein Twist bereits früh ins Spiel kommt und den weiteren Verlauf eher überraschungsfrei gestaltet.
Dieser entwickelt deutliche Muster eines Coming-of-Age-Dramas, mit dem kritischen Hinterfragen vorgelebter Muster, dem Entdecken neuer Lebensbereiche und einigen finalen Konfrontationen. Diese bleiben auf dramaturgischer Ebene eher weichgespült und in Hinblick auf die frühe Wendung nicht sonderlich glaubhaft, obgleich der weitgehend versöhnlich stimmende Ausklang in den Rhythmus der mehrheitlich ruhigen Erzählung passt.
Mit angemessener Präsenz und ordentlichen Performances können die drei Mimen noch relativ viel aus dem oberflächlich gehaltenen Plot herausholen, während der Score mehr Emotionen suggeriert, als in Wirklichkeit generiert werden. Denn trotz der ausbaufähigen Prämisse wird auf psychologischer Ebene zu wenig Konfliktmaterial geliefert, während der Titel im Verlauf zumindest ambivalente Züge zulässt.
Als reines Überlebensdrama zu soft, als Thriller nicht spannend genug, - der Stoff bleibt zu mutlos, um wirklich zu fesseln.
5,5 von 10