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Yara ist die arabische Bezeichnung für Schmetterling, und wie ein solcher tanzt die 13-jährige Italienerin auch in ihrer Ballettgruppe, welche derzeit das größte Hobby der fröhlichen jungen Dame ist. Umso unverständlicher scheint es daher, daß Yara (Chiara Bono) eines Abends, gerade am Weg zur Turnhalle, plötzlich verschwindet. Die alarmierten Eltern, ihre Freude, Schulkameraden, Nachbarn, die Polizei, alle suchen nach ihr, doch sie bleibt verschwunden. Weggelaufen ist sie auf keinen Fall, und da der Weg zur Sportstätte an diesem frühen Abend bei vorweihnachtlich kühlen Temperaturen nicht allzu lang ist, bleibt nur eine Schlußfolgerung: Yara ist in ein Auto gestiegen, ob freiwillig oder gezwungenermaßen bleibt offen. Doch sämtliche Überprüfungen und Nachforschungen zu Fahrzeugen an diesem Abend in der kleinen Gemeinde im Norden Italiens verlaufen im Sande, genauso wie die vage Hoffnung auf eine Entführung mit Lösegeldforderung, die sich nicht erfüllt.
Monate später dann wird es traurige Gewissheit: Auf einer Industriebrache wird ihre Leiche entdeckt, Yara wurde mißbraucht und ermordet. Dies läßt Staatsanwältin Letizia Ruggeri (Isabella Ragonese) keine Ruhe: selbst Mutter einer kleinen Tochter macht sie den Fall zu ihrer persönlichen Angelegenheit und setzt Himmel und Hölle in Bewegung, um mit den wenigen vorhandenen Spuren den Täter zu finden...

Ein weiterer True Crime aus dem Hause Netflix beschäftigt sich mit dem traurigen Schicksal einer Schülerin, die einem schrecklichen Verbrechen zum Opfer fiel. Yara konzentriert sich dabei statt einiger Rückblenden in das Leben des Opfers -  welches wie so oft Aufschlüsse über den Täter geben könnte - hier ungewöhnlicherweise ganz auf das Bemühen der Staatsanwältin, jede noch so kleine Spur akribisch zu verfolgen. Ruggeri agiert dabei auch entgegen den Vermutungen der Polizei, muß einige gutgemeinte Ratschläge ignorieren und überhaupt einige (amtliche) Hindernisse überwinden, doch schlußendlich gelingt es ihr dann, den Schuldigen zu finden.

Die im Stile einer Akte-X-Folge mit einigen herzergreifenden Momenten garnierte Doku macht das beherzte Vorgehen der Staatsanwältin zum Hauptgegenstand des Films, steift dabei einige italienische Besonderheiten wie das Nichtvorhandensein einer zentralen DNA-Datenbank oder auch die Verschwiegenheit einer Dorfgemeinschaft, kann darüberhinaus jedoch nicht wirklich mit herausragenden Filmcharaktären oder ungewöhnlichen Wendungen punkten. Auch das titelgebende Opfer selbst bleibt fast schon anonym, gerade noch der Schmerz der verzweifelten, aber trotzdem stets gefasst auftretenden Eltern wirkt in Punkto Glaubhaftigkeit überzeugend. Am meisten stört jedoch das völlige Fehlen eines Motivs, nach dem zu keiner Zeit gefragt wird, nicht einmal zum Schluß, als der Mord aufgeklärt wird.

Daß es am Ende ein Sieg der DNA-Spurentechnik wird, der Yara ein Happy End beschert (sofern man bei solch einem tragischen Fall überhaupt von Happy End sprechen kann), mag für True Crime Freunde vielversprechend klingen, doch mehr als eine halbwegs unterhaltsame, dennoch nie wirklich spannende Geschichte ist bei dieser Verfilmung eines Verbrechens nach einem wahren Vorbild nicht herausgekommen. 5 Punkte.

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