Der erfolgreichste Film Südkoreas 2021 beruht zwar auf wahren Begebenheiten, doch er spielt auch mit dem Wunschdenken vieler Menschen, ein seit 1948 geteiltes Land wieder zu vereinen. Und Regisseur Ryoo Seung-wan geht der Gefahr von Schwarzweißmalerei relativ geschickt aus dem Weg.
Somalia 1990: Die Botschafter Nord- und Südkoreas ringen beide um die Gunst des Regierungschefs Barre, während in der Hauptstadt Mogadischu gewaltbereite Rebellen ihr Unwesen treiben. Als schließlich beide Konsulate von der Außenwelt abgeschnitten sind, müssen die rivalisierenden Lager eine Allianz eingehen, um das Land heil verlassen zu können…
Gedreht am Originalschauplatz Mogadischu und in Teilen Marokkos, beeindrucken die Kulissen und die Ausstattung von Anfang an. Als die Aufständischen schließlich auf die Barrikaden gehen und die ebenso gewaltbereite Polizei mitmischt, befindet man sich inmitten eines Bürgerkriegs, der teils drastisch inszeniert ist, einschließlich einiger Gruppen von Kindersoldaten.
Fast wäre es nahe liegend, die Nordkoreaner komplett negativ darzustellen, doch auch in den eigenen Reihen gibt es schwarze Schafe, was die Angelegenheit weitgehend ambivalent erscheinen lässt. Anfangs bleibt sogar noch ein wenig Raum für kleine Auflockerungen, für die ein töffeliger Sekretär verantwortlich ist, wobei der Humor nie zu aufgesetzt wirkt und eher am Rande abgewickelt wird.
Spätestens nach einer Dreiviertelstunde gesellen sich mehr und mehr Actionanteile hinzu, wenn sich die Gruppen verschanzen müssen oder versuchen, mit einfachen Mitteln wie Bücher oder Sandsäcken ihre Fluchtwagen notdürftig zu panzern. Aufgrund der Authentizität der Sets muss die Inszenierung gar nicht so sehr auf einzelne Schauwerte setzen, sondern verlässt sich auf ein flottes Tempo und das Zusammenspiel der Figuren, welches aufgrund der soliden Darstellerleistungen recht glaubhaft rüberkommt.
Hinsichtlich der 117 Minuten Laufzeit enthält der Stoff kaum nennenswerte Längen, Action und ruhigere Dialogpassagen halten sich gut die Waage, nur den Ausklang hätte man auf emotionaler Ebene etwas zurückhaltender in Szene setzen können.
Somit ergibt sich eine gelungene Mischung aus Drama, Action und Thriller, die in Sachen Spannung noch etwas eindringlicher hätte zu Werke gehen können, doch Genrefans dürften unterm Strich kaum enttäuscht werden.
Knapp
7 von 10