Wie es scheint, gibt es viel Licht und Schatten in Memmingen, einer Stadt im Unterallgäu mit rund 43.000 Einwohnern. Regisseur Thomas Pfaus, ursprünglich Leiter des hiesigen Roten Kreuzes und später Werbefilmer, konnte Dank großzügiger Sponsoren rund 50.000 Euro zusammenkratzen und dem Ort ein kleines Denkmal setzen. Jedoch nicht mit einer schnöden Doku über das bekannte Stadtfest, sondern in Spielfilmform und einer Mischung aus Krimi und etwas Action.
Am traditionellen Fischertag strömen Tausende Besucher nach Memmingen. Doch an diesem Tag ist etwas anders: Jonas, dessen Mutter ein Pflegefall ist, beteiligt sich zwar am Treiben im Stadtbach, doch dann zieht er eine Waffe und verletzt jemanden schwer. War dies nur eine Verzweiflungstat oder steckt mehr dahinter?...
Mal gut, dass im Mai 2019 gedreht wurde. Die Lichtverhältnisse stimmen, die Leute sind im Allgemeinen gut drauf und der Zusammenhalt in Memmingen muss echt stark sein, da ohne Mitwirkung von Polizei, Feuerwehr und anderen Rettungsdiensten jenes geringe Budget womöglich niemals aufgefallen wäre. Nicht zu vergessen: Ab 2020 wäre so ein Projekt wegen der erlahmenden Pandemie gar nicht möglich gewesen.
Die Handlung braucht natürlich ein wenig, um Fahrt aufzunehmen und die wesentlichen Figuren einzuführen. Es gibt einige dubiose Gestalten, die nach einer kriminellen Gang aussehen und durchaus mehr als nur eine Schlüsselfigur. Wobei man sich neben Jonas noch auf einen älteren Polizisten und Onkel Karl konzentrieren sollte, wenn man nicht gerade von den hübschen Impressionen aus und über der Stadt abgelenkt wird, die Pfaus natürlich wie seine Westentasche kennt.
Dieses Ass im Ärmel kommt in der zweiten Filmhälfte voll zur Geltung, als es kleine Verfolgungen durch enge Gassen gibt, eine Kletterpartie nicht ungefährlich aussieht und eventuell auch mehr als nur ein Auto verschrottet wird. Das Tempo stimmt zumindest, nur wollte Pfaus am Ende zuviel des Guten, was einerseits zu emotionalen Verstrickungen führt, die nicht ganz nachvollziehbar erscheinen und andererseits sollte man nach dem Showdown nicht immer noch einen drauf setzen wollen. Manchmal darf das Motto lauten: Tot und gut.
Auf darstellerischer Ebene gibt es einige Überraschungen, da es sich ausschließlich um Laien handelt, die mehrheitlich noch nie vor einer Kamera standen. Versprecher sollte man eigentlich herausschneiden und es gibt immerhin Untertitel, da in einigen Szenen wenig bis gar nichts zu verstehen ist. Tendenziell kann man sagen, dass die reiferen Semester eher überzeugen und man es bei Momenten mit mehr als 30 Beteiligten geschafft hat, dass nur selten direkt und neugierig in die Kamera geblickt wurde.
Es gibt sogar kleine Aufheiterungen mit einer Frau im Stadtbach (was vor 2022 am Fischertag nicht gern gesehen wurde) und weitere Anspielungen hinsichtlich des titelgebenden Festes.
Das Herzblut des Spielfilmdebüts schimmert in den meisten Momenten durch, was zu 80 Minuten Kurzweil führt. Und mehr braucht es manchmal nicht.
7 von 10