Der während des Corona-Lockdowns in und um Belfast herum gedrehte Echtzeit-Thriller will uns glauben machen, dass er in einem Single-Take-Shot (also ohne einen einzigen Schnitt) im Kasten landete. Ähnliches behauptete nahezu zeitgleich „The Desperate Hour“, in dem Naomi Watts rund 90 Minuten durch den Wald rennt.
Für Budge (Moe Dunford) sollte es ein letzter Deal werden, um sich danach mit einer eigenen Autowerkstatt dem kriminellen Milieu zu entziehen. In dieser Nacht muss er jedoch seine Leute zum geplanten Treffpunkt delegieren, während ihm ein Geldhai im Nacken sitzt und die Zeit gnadenlos davon rennt…
Die Szenerie darf man sich so vorstellen, dass Budge beinahe die komplette Zeit hinterm Steuer sitzt und telefoniert. Nach einer kurzen Exposition mit Love Interest Sophia (Joana Ribeiro) bleibt die Kamera stets auf die Hauptfigur gerichtet. Da sich das Lenkrad in Irland auf der rechten Seite befindet, sieht man Budge von der linken Hälfte der Motorhaube aus. Diese Position fängt nicht nur den Fahrer, sondern auch die vorbeiziehenden Kulissen ein, wodurch sich rasch eine stimmungsvolle Nachtatmosphäre etabliert. Einige treibende Beats tragen ebenso dazu bei.
Zwar ändert sich die Kameraposition in der zweiten Hälfte (zwei, drei Mal steigt der Protagonist aus dem Wagen und wird von einer Handkamera begleitet), doch es scheint tatsächlich alles in einem Take eingefangen worden zu sein. Dafür spricht auch die zwischenzeitliche Kontrolle zweier Polizisten, deren Gesichter gepixelt wurden, wobei dies nur eine weitere List sein könnte, um den Eindruck des Drehs ohne Schnitt zu untermauern.
Spannung generiert die simpel anmutende Geschichte durch den Zeitdruck. Ab und an wird die Uhrzeit eingeblendet und auch Namen der Gesprächsteilnehmer erscheinen anfangs zur besseren Zuordnung. Die überschaubaren und im Verlauf mehrheitlich nicht zu sehenden Nebenfiguren beinhalten zwei Handlanger, zwei potenzielle Abnehmer, den Geldhai mit Schergen, die Schwester von Budge und das erwähnte Love Interest. Phasenweise erhält das Geschehen beinahe einen leichten Hörspielcharakter, zumal Action bis auf ein kleines Intermezzo nicht gegeben ist.
Bei alledem ist Hauptdarsteller Dunford ein großes Kompliment zu machen, da er sich einerseits relativ viel Text merken musste und andererseits mit seiner Körpersprache zu überzeugen vermag. Ein Manko ist allerdings der nicht allzu tiefgründige Charakter jener Figur, welche die meiste Zeit über verhältnismäßig gelassen bleibt und selbst unter Zeitdruck die Nerven behält.
Die minimalistische Herangehensweise von Regisseur Stephen Fingleton dürfte gewiss nicht jedem zusagen, denn bis auf die nächtlichen Impressionen sind keine sonderlichen Schauwerte zu erwarten. Wer sich darauf einlässt, erlebt einen größtenteils atmosphärischen Thriller mit kleinen Wendungen, der in Sachen Handwerk und Timing vieles richtig macht.
Knapp
7 von 10