Review

Ich war vor einigen Tagen seit langer Zeit mal wieder im Kino und sah mir "Fluch der Karibik" an.
Ich schicke gleich vorweg, dass ich ein großer Bewunderer Johnny Depps bin, bitte also, meine Kritik in diesem Lichte zu sehen, werde mich aber dennoch bemühen, so objektiv wie möglich zu sein.

1. Die Story
Die gesamte Story hier erneut wiederzugeben ist angesichts der bereits vorhandenen Reviews eigentlich überflüssig. Ich setzte daher im weiteren Voraus, dass die Story bekannt ist.
Daher hier nur eine Auflistung der Protagonisten:
Elizabeth (Keira Knightley): Tochter des Gouverneurs

Will Turner (Orlando Bloom): Waffenschmied und Jugendliebe Elizabeths, eigentlicher Held der Geschichte.

Barbossa (Geoffrey Rush): Bösewicht und Kapitän eines verfluchten Piratenschiffes.

Captain Jack Sparrow (Johnny Depp): Äußerst seltsamer Piratenkapitän ohne (!) eigenes Schiff. Der heimliche Held des Films.

2. Allgemeines
Fluch der Karibik ist für mich ein Leinwandabenteuer in typischer "Disney" Tradition, damit meine ich, dass wohl so ziemlich alle Register hollywoodscher Technik gezogen wurden, vermischt mit äußerst triefend pathetischen Aufnahmen (Obwohl der Film keine Disney Produktion ist, sondern die Storyline des Films nur um eine Attraktion in Disney-World herum gesponnen wurde).
Also: Viel TammTamm, schöne Bilder, Familienunterhaltung, reichlich FX.

3. Die Darsteller
Na ja, na ja...mal ehrlich, Orlando Bloom (Herr der Ringe) gibt sein bestes, so, wie man es wohl an der Schauspielschule gelernt hat. Eigentlich kann er nichts dafür, dass seine Figur dennoch relativ farblos bleibt, kein Wunder, denn wie soll man gegen einen Johnny Depp anspielen? Meiner Meinung nach leicht fehlbesetzt, ein entsprechendes Gegengewicht zu Depp wäre für den Charakter des Will Turner absolut geboten gewesen. Schade, denn die Story hätte diesen Charakter wirklich interessant werden lassen können, wenn entsprechend charismatische, schauspielerische Performance vorhanden gewesen wäre. So aber geht der eigentliche Protagonist Will Turner gegen Depp etwas unter.

Tja.....Keira Knightley.....als ich sie auf der Leinwand sah, dachte ich spontan: Oh, eine Mischung aus Kate Winslet und Winona Ryder (Verhältnis 40:60 *g*).
Auch sie gibt sich alle Mühe und versucht, aus ihrer relativ knapp bemessenen Rolle das Beste herauszuholen.

Und jetzt kommt’s...dieser Film wird eindeutig durch zwei Darsteller völlig dominiert: Zum einen natürlich Depp als Sparrow und zum anderen (für mich mehr als überraschend) Geoffrey Rush als fieser Zombie-Piratenkapitän Barbossa. Zu Depp komme ich später noch, daher erstmal meine bescheidene Ansicht zu Geoffrey Rush: Rush ist etwas sehr, sehr seltenes gelungen, er spielt mit seiner Nebenrolle den Protagonisten (Bloom) an die Wand, letztmalig habe ich so etwas in einer ähnlichen Intensität nur bei "Stirb langsam" erlebt (Alan Rickman).

Und nun zu Johnny Depp: Dieser Film wird einzig und allein durch die typische Performance Depps zu einem guten Film!
Die Art und Weise, in der Depp den Cpt. Sparrow gibt, grenzt nahezu an Schauspielerischer Vollkommenheit. Depp ist während des gesamten Storyverlaufes der eigentliche Sympathieträger des Films, obwohl die Rolle gar nicht so angelegt ist. Und was ich als Depp-Fan gut finde, ist aus cinematographischer Sicht heraus gesehen ein Kardinalfehler: Die Hauptrolle mit einem relativen Newcomer besetzen und einen eher zweitrangigen Charakter durch einen Star darstellen lassen.
Wie gesagt, ein Fehler, aber irgendwie habe ich den Eindruck, dass gerade dieser Fehler den Film zu etwas besonderem macht (es sei hierbei der Phantasie des geneigten Lesers überlassen, ob er es wirklich für einen Fehler oder berechnendes Kalkül des Produzenten hält....).

Es lässt sich eigentlich gar nicht richtig beschreiben, wie Depp den Cpt. Sparrow gibt, wer jedoch "Fear and Loathing in Las Vegas" gesehen hat, wird so einiges wieder erkennen :-).

4. Fazit
Dieser Film ist Familienunterhaltung a la Hollywood, nicht mehr und auch nicht weniger. Kein Meisterwerk und auch kein Meilenstein aber hübsch gemacht, kurzweilig, unterhaltsam und sein Eintrittsgeld allemal wert. Meiner DvD-Sammlung werde ich ihn aber wohl nicht einverleiben.
Übrigens: Die FSK12-Freigabe ist mehr als gerechtfertigt. Mit jüngeren Kindern würde ich den Film keinesfalls ansehen, die Zombie-Piraten sind durchweg sehr gut dargestellt und die eine oder andere Kampfszene enthält Dinge, die ein 10jähriger nicht unbedingt sehen muss.

Meine Wertung: Für ein gutes Stück echtes Hollywood-Kino der Neuzeit im großen Stil 8 von 10 Punkten.

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