UNDERWORLD = ActionGÜLLE! Kein Wunder, denn alles scheint in irgendwelchen Güllekanälen zu spielen. (Deshalb natürlich der Titel.) (Apropos: Diese berüchtigte US-Söldnerfirma hiess auch „Blackwater“, wie das Wasser in den Güllekanälen. Jetzt nannten sie sich übrigens um in „Xe“, sicher wegen der schlechten Presse. Wann wird sich UNDERWORLD umbenennen?) Aber zugleich in so barocker Nobelvilla. Hääh?
Ehrlich gesagt, kuckte ich den Unsinn nur wegen des Plakats, auf dem Kate Beckinsale in geilen hautengen Kunstlederklamotten und mit einer dicken Wumme im Mondlicht steht. Welcher Spanner (sind wir Filmfreaks das nicht alle?) kann da widerstehen?
Nun ja, derjenige Spanner kann vielleicht widerstehen, dem gleich zu Beginn des Films so ein dödeliger Monolog serviert wird, wie hier. Ein wirrer, widersprüchlicher, konfuser Monolog, der nur klarmacht, daß irgendein Krieg herrscht. Für die Begründung braucht man viel Sitzfleisch: Die folgt irgendwann gegen Ende des Films (das ist kurz vor den lächerlichen Wasserschlachten, bei denen die Leute an Strippen durch die Luft bis ins Wasser fliegen, damit es so richtig platscht – das Gefliege hat man schon 1000mal, meist besser, in irgendwelchen Hong-Kong-Klopp-Filmen gesehen. Daher bin ich da wohl eingenickt...).
Ein kleiner Tipp: Lieber keine Monologe, sondern mehr Krieg! (Nicht nur die wenigen Mono-, auch die Dia-loge störten in UNDERWORLD die Spannung; vor allem, da ja ohnehin nicht miteinander gesprochen, sondern nur sich angepflaumt wurde.) (Den Preis für den nervtötendsten Schreihals und für die am besten durchgehaltene Dödel-Grimasse kriegt übrigens der Vampir-Vize-Präsi, der immer mit der geilen Kate in die Kiste will, und daß sie ihm gehorcht und so. Ein ziemlich altmodischer Schlappschwanz. Und das will er von so einer coolen, up-to-daten Powerfrau, mit Laptop, fetten Stiefeln und Nahkampfausbildung! Natürlich läßt sie ihn nicht ran. - Merke: DIESES Geschau führt nicht zum Ziel!)
Apropos Gülle, Wasser und Abflüsse: Der Obermacker ruht unterm Gullideckel! (So ein Deckel wie aus „Lara Croft“ übrigens, mit so Drehgriffen, und dann fährt ein Fahrstuhl raus, mit dem senkrecht stehenden Sarg, der dann kippt und alles total umständlich. Huh!) Auf den Alten (so richtig alte autoritäre Meister-Guru-Schule) steht die coole Kate schon eher, obwohl er schon total vergammelt ist und an so Schläuchen hängt – ist bei ihr wohl so eine Art Vaterkomplex.
Und wenn wir bei Unsinn sind: Die Fenster in den Gefangenenzimmern haben keine Gitter. Der Böse ist eigentlich gut, benimmt sich aber doch immer böse. Die Schießereien sind aus „Matrix“, das Gesicht-Zerschnitzeln aus „Resident Evil“ (der wahrscheinlich von „Johnny Mnemonic“ klaute), die Lokomotiven fahren mit Dampf, obwohl sie im Zeitalter von Hightech-Dauerfeuer-Faustfeuerwaffen (wie soll das eigentlich gehen?!) unterwegs sind (aber dafür sehen sie aus wie in „Spiel mir das Lied vom Tod“).
Warum musste übrigens dauernd in schicken Autos rumgesaust werden? (Wegen der Werbekunden?) Warum ließ sich Kate bereitwillig anpieksen, von dem Typ auf dem Autodach (Arm-wird-zu-Messer-Trick: aus „Terminator 2“)? Warum war sie da auf einmal verletzlich? Wann ist wer verletzlich, wann nicht, und warum jeweils? Warum war Kates Sado-Maso-Outfit nicht öfter so schön glänzig von oben beleuchtet? Warum hatten die Hauptfiguren so ungepflegte Langhaarfrisuren (wie so 80er Jahre Hard-Rocker), die ihnen ständig so schmierig ins Gesicht hängen – die Nebenfiguren aber nicht? Sind selbstleuchtende Patronen nicht zu dick aufgetragen? Wie kriegt man eine Geschichte so durcheinander?
RTL2 hätte uns nicht vor jugendgefährdender Gewalt warnen sollen – bizarre Gewalt ist schließlich der andere Grund, warum wir so einen Unfug ankucken – sondern lieber vor Kate Beckinsales ständigem miesepetrigen Stirnrunzeln. Das fand ich jedenfalls schlimmer. Und so konnte ich ihr doch widerstehen, trotz all der Latex-Kluft.