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Für erstaunlich geringe 20 Millionen Dollar inszenierte Len Wiseman (Stirb Langsam 4.0, Underworld: Evolution) sein Regiedebüt "Underworld" Sein über zweistündiger Beitrag sieht wesentlich teurer aus und ist obendrein sehr gut besetzt. Um als Neuling überhaupt ernst genommen zu werden, sollte man das Drehbuch zu seinem Debüt gleich selbst schreiben, Wiseman überließ das Danny McBride, welcher auch die Drehbücher zu den Sequels verfasste. Die Story selbst ist jedoch von Wiseman und ist mal nicht einem Comic entsprungen.

Seit Jahrhunderten herrscht ein erbitterter Krieg zwischen Vampiren und Werwölfen. Seitdem versuchen die Vampire die Werwölfe auszurotten, das ist auch der Job von Kriegerin Selene (Kate Beckinsale). Die Werwölfe scheinen etwas auszubrüten, denn sie sind plötzlich hinter dem Assistenzarzt Michael Corvin (Scott Speedman) her. Selena gelingt es Michael vor den Werwölfen zu retten, doch sie verliebt sich in ihn. Ihrem Vorgesetzten Kraven (Shane Brolly) gefällt dies überhaupt nicht. Um endlich Hilfe gegen die Werwölfe zu erhalten, erweckt Selena den Ratsführer Victor (Bill Nighy), doch damit beschwört sich unbewusst eine Katastrophe.

Auf den ersten Blick hat "Underworld" nur einen gängigen Plot am Start. Es scheint sich nur um einen trivialen Kampf zwischen Werwölfen und Vampiren zu handeln, doch es ist weitaus mehr. Auch wissen wir lange nicht, was die Werwölfe mit Michael Corvin vorhaben. Die Vampire kristallisieren sich schnell als sympathischere Rasse heraus. Menschen werden in diesen Krieg gar nicht erst mit eingebunden. Selena und ihre Kollegen versuchen Nacht für Nacht soviele Werwölfe wie möglich zu töten, währenddessen plant der totgeglaubte Lucien (Martin Sheen) im Untergrund einen Clou. Ein wenig nervig ist nur der stets unfreundliche Kraven, dessen wahre Absichten zu leicht zu durchschauen sind Und nach und nach erhalten wir immer mehr Einblicke in die Fehde der zwei Clans, wir erfahren wie Selene zur Vampirin wurde und es gab ein tragisches Erlebnis in ihrer Kindheit, welches auch noch zu Tage gefördert wird. Man ist sich bald nicht mehr sicher, welcher Clan nun wirklich böser ist. Selene erweckt zu ihrer Unterstützung den Obervampir Victor, doch der hütet auch ein dunkles Geheimnis. Man meint die Story leicht zu durchschauen zu können, doch gerade in der zweiten Halbzeit häufen sich die Wendungen und man bekommt Zweifel an den Taten der Vampire.

Jedoch ist "Underworld" ein wenig zu lang geworden und in einigen Sequenzen dialoglastig. Zwar fährt Wiseman einige Actionszenen auf, doch in der ersten Filmhälfte dürfte es ruhig etwas mehr sein. Doch die Duelle zwischen Vampir und Werwolf fallen recht spektakulär aus. Man bekriegt sich mit den unterschiedlichsten Waffen, der Munitionsverbrauch ist sehr hoch und es gibt stets Opfer auf beiden Seiten. Die Effekte können sich wirklich sehen, selbst der CGI ist auf hohem Niveau und es gibt nicht zuviel davon. Die Werwolfverwandlungen und die Masken der Vampire sehen ziemlich gruselig aus und Wiseman gelingt es in einigen Szenen Hochspannung zu erzeugen. Ein wenig auf der Strecke bleibt der Score, welcher zwar gut passt und auch ordentlich klingt, jedoch zu einseitig daherkommt. Dagegen könnte die Kulisse nicht düsterer sein und lässt sich schon fast mit Alex Proyas "The Crow" vergleichen. Mit einigen Filtern, einer altmodischen Ausstattung und kargen Bauten, erzielt Wiseman gewollt montone Sets, die nicht nur Ungemütlichkeit, sondern auch Kälte ausstrahlen.

Waren es sonst immer Helden, so darf hier eine Frau in den Kampf ziehen. Und zwar Kate Beckinsale (Motel, Aviator), ganz in Leder gehüllt und mit zwei großen Wummen bewaffnet. Beidhändig ballernd fräst sie sich durch ihre Gegner, selbst in den Shootouts macht Beckinsale eine gute Figur. Da kann Scott Speedman (The Strangers, Dark Blue) nur bedingt mithalten und Shane Brolly (Imposter - Der Replikant, 48 Engel) schon gar nicht. Michael Sheen (Blood Diamond, New Moon) und Bill Nighy (Operation Walküre, Hot Fuzz) sind absoluter Edelcast. Die restliche Riege überzeugt durchweg, der Großteil der Darsteller ist jedoch ziemlich unbekannt.

Respekt vor Wiseman, was ihm mit diesem geringen Budget gelungen ist. Bisher folgten zwei Sequels, die dem Original kaum das Wasser reichen können. In einigen Passagen hätte man sich kürzer fassen können, ein wenig mehr Action hätte auch gut getan, doch insgesamt gesehen ist "Underworld" durchweg gelungen. Schicke Effekte, spektakuläre Action, ein extrem düsterer Look und glaubwürdige Darsteller sorgen für gruselige Unterhaltung.

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