Einen extrem stylischen und düsteren Horror-Action Film präsentiert Regiedebütant Len Wiseman da mit "Underworld". Um so erfreulicher, das neben der Atmosphäre auch die Story und die Darsteller auf ganzer Linie überzeugen können. Zudem ist der Film der beste Beweis, das ein Film der teuer aussieht nicht um bedingt auch teuer sein muss, gerade einmal 23 Millionen Dollar benötigte Wiseman um seine Geschichte um den Kampf zwischen Werwölfen und Vampiren zu erzählen. Erstaunlich wenig wenn man bedenkt, das er damit nur 3 Millionen mehr zur Verfügung hatte als die beiden letzten, extrem billig wirkenden, Steven Seagal Produktionen jeweils gekostet hatten.
Wie so viele andere Produktionen auch, ist auch „Underworld“ komplett in den Ländern des ehemaligen Ostblocks gedreht worden, in diesem Fall hauptsächlich in Ungarn. Das fällt aber weder störend auf, noch wirkt es sich negativ auf die Auswahl an Schauplätzen aus. Es kommt sogar dem Neo-Gothic-Look der Schauplätze und Sets eindeutig entgegen.
Es geht in "Underworl", wie bereits erwähnt um den seit Jahrhunderten andauernden Kampf zwischen Werwölfen und Vampiren. Selene (Kate Beckinsale) ist eine Vampirin und wurde nach der Ermordung ihrer Eltern von dem Vampirfürsten Victor (Bill Nighy) zur Blutsaugerin gemacht und "adoptiert". Wenige Tage bevor die Wiederauferweckung Victors durch ein Ritual ansteht, bemerkt Selene durch Zufall, das die Werwölfe hinter dem Menschen Michael Covern (Scott Speedman) her sind. Es gelingt ihr den durch einen Werwolf verwundeten in das Schloss der Vampire zu bringen, was aber vom Anführer des Clans nicht akzeptiert wird. Denn er hat andere Pläne.
Wiseman gelingt es aus dem Kampf zwischen den beiden Rassen ein Actiongeladenes Effekte-Feuerwerk zu machen, das trotzdem mit etlichen unerwarteten Plotwendungen aufwarten kann und einen geschickten Mittelweg zwischen Action und Story findet. Doch zuviel von der Geschichte möchte ich hier gar nicht verraten.
Die Actionszenen sind zwar teilweise eindeutig von Matrix inspiriert, bieten aber doch genug Eigenständigkeit um nicht als billiges Plagiat abgetan zu werden. Als Waffen werden zumeist Pistolen eingesetzt, was zwar etwas eintönig wird, aber nie langweilig. Hier hätte man sich etwas mehr einfallen lassen können. Die Effekte sind teilweise sehr blutig und nicht so extrem Comichaft wie in Blade 1 und 2, was aber auch nicht zur düsteren Grundstimmung und Atmosphäre des Films gepasst hätte. Diese Ernsthaftigkeit und Düsternis ist überhaupt einer der größten Vorteile gegenüber den Wesley Snipes Vampiraction-Orgien, hier sieht zwar auch alles sehr cool und stylisch aus, aber es wirkt nicht gewollt cool und wird nicht durch martialische Sprüche abgewertet.
Ein riesen Lob gebührt auch den Effektspezialisten, die eine hervorragende Arbeit geleistet haben, und dabei soviel wie möglich mit guter alter Handarbeit gemacht haben. Insbesondere bei den Masken der Werwölfe macht sich der Einsatz von echten Darstellern in Latex Kostümen eindeutig bemerkbar. Sie sehen unwahrscheinlich real und böse aus. Zweifelhaft ob man das mit CGI Technik so hinbekommen hätte. Aber auch die anderen Effekte, egal ob fulminante Shoot-outs oder die wenigen CGI Einsetze, alles sieht nach absolutem Big-Budget Movie aus. Unglaublich, wenn man bedenkt, das der 3 mal so teure "Liga der außergewöhnlichen Gentleman" vor einigen Monaten nicht im entferntesten einen so professionellen Eindruck hinterließ und auch nicht im entferntesten an die Atmosphäre von "Underworld" heran kommt.
Der Einsatz von Farbfiltern, die dem Bild bis auf Blau und Grautöne so gut wie alle Farben entziehen tut dabei ein übriges um den Zuschauer in die richtige Stimmung zu bringen. Seit "The Crow" war kein Film mehr so düster. Auch die Sets und Locations wirken perfekt, egal ob die Kanäle und Schächte in denen die Wwerwölfe hausen, das Schloss der Vampire oder ein alter Zug, in dem es zu einem Massaker an Vampiren kommt, alles versprüht diesen typischen Gothic-Horror Charme, der auch durch den Einsatz von modernen Waffen und Autos nicht zu Nichte gemacht wird.
Alles in allem eine mehr als gelungene Mischung aus Action und Horror Film, die sicherlich als erste große Überraschung, in den Deutschen Kinos, dieses Jahr gesehen werden muss. Es empfiehlt sich übrigens den Film im Original anzusehen, denn dann wird man zusätzlich noch Zeuge von Kevin Greviouxs Stimme, welche die von Michael Clark Duncan, wie einen Sopran erscheinen lässt.