Vampire gegen Werwölfe, Romeo und Julia, Kate Beckinsale im Latexlook, das sind alles gute Argumente für einen schicken, modernen, wenn auch weitestgehend hirnlosen MTV-Style-Movie, bei dem man gut für 105 Minuten mal mit einem Bierchen (oder Rigo) abschalten kann. Siehe u.a. auch : "Blade"!
Ein Sequel mag schon in der Mache sein (ein Prequel auch), in den USA klingelte die Kasse und dennoch fragt man sich: warum bloß funktioniert der Film nicht?
Er hat alles, was man braucht, reichlich FX, noch mehr Ballereien, ein paar gute Stunts und Kämpfe, Monstren, düstere Gänge, eine schicke Hauptdarstellerin, reichlich Fetischklamotten und Gothic-Chic.
Das Ergebnis bleibt trotzdem unerwartet bieder, der Film wird einem schnellstmöglich egal. Die Gründe dafür gehen einem nach und nach auf, wenn man sich nicht in diese Style-Maschine versenken kann oder will.
Zunächst mal ist es Essig mit einem ordentlich Spannungsaufbau oder Charakterbildung. Der Film kippt den Zuschauer praktisch mit dem Tieflader ins Geschehen und erwartet das notwendige Durchhaltevermögen auf diesem Level für die vollen 115 Minuten, bis sich die Geschichte nämlich langsam aber sicher mit Erklärungsansätzen zusammengestückelt hat. Das wirft zwar alle 10 Minuten ein neues Licht auf die Beziehungen der Figuren untereinander, aber eine Steigerung ist nicht feststellbar. Dabei hält Regienovize Wiseman die Stimmung beachtlich durch, nur ist ein durchgehendes dramaturgisches Niveau nichts als Stagnation und Monotonie.
"Underworld" vermag sich von der ersten bis zur letzten Szene nicht mehr zu steigern, hat weder besonderen Höhepunkt, noch sonderlich stille Momente und kann gerade zum Schluß kein Plus für den Showdown mehr bieten. Das ist um so bedauerlicher, als daß eine 1400-Jahre-Fehde rein in punkto mythologischer Tiefe mehr hergegeben hätte, als dieses sterile Produkt es vermag.
Figuren gibt es in dieser Geschichte, nur keine Charaktere, ein weiteres Problem. Wer immer das Gerücht von "Romeo und Julia" im Vampir- und Werwolfland in die Welt gesetzt hat, muß mehr Phantasie investiert haben, als alle Macher, denn das ist die dürftigste und rudimentärste Romanze, die die Beziehungswelt je gesehen hat. Gerade mal ein Kuß, ein-, zweimal eine Berührung, sonst bleibt die Küche kalt.
Wie das Publikum im übrigen sowieso von den Figuren kaum berührt wird. Kate Beckinsale mag zwar mit ihrem Fransenschnitt und Latexhöschen relativ knusprig daherschreiten, aber spröder, mürrischer und arroganter geht's nicht. Immerhin soll das eine Identifikationsfigur sein, aber abgesehen von der Tatsache, daß ihr ihr momentaner Anführer am Arsch vorbei geht und verehrter Chef mal eine Jahrhundert-Auszeit im Sarkophag nimmt, hat sie kaum Antrieb im Leben.
Scott Speedman, ihr Pendant, der das bedauernswerte Opfer in diesem Sippenstreit spielt, kommt da kaum besser weg, denn er wird permanent von den Ereignissen überrollt, hin- und hergefangen genommen und wieder befreit und macht dann auch noch diverse Verwandlungen durch. Fazit: sie schubst ihn hin und her, kettet ihn an, er wird ihr gestohlen, sie holt ihn zurück, würgt mal einen erklärenden Satz raus und paßt im entscheidenden Moment wieder nicht auf. Überhaupt ein Merkmal der Dame, daß sie zwar ständig auf dem Sprung scheint, aber wenn es drauf ankommt solange hinter einer Säule nach Verfolgern schielt, bis man Speedman wieder mal entführt hat.
Für den Zuschauer bleibt keine Sympathiefigur, niemand spricht einen an.
Das gilt auch für die undurchsichtige Dramaturgie, denn der Film ordnet nie für den Zuschauer auch nur ansatzweise ein Gut und Böse, zwischen dem er wählen kann.
Die Vampire wirken wie arrogante, degenerierte Arschlöcher, die Werwölfe wie unkontrollierbare Augenroller mit tumben Riesenkräften. Die betriebene Verschmelzung der Sippen in einer Person scheint erst schlecht, dann gut zu sein, die Erhaltung des Status Quo natürlich umgekehrt. Entscheiden tut sich jedoch niemand für irgendwas (weder im Film noch bei der Produktion), irgendwas passiert eben halt. Am Ende zeigt sich mal ein Hauch eines Fieslings, aber das Skript zielt so schnell auf Fortsetzung, daß man den Eindruck hat, eine Comicheftverfilmung aus der Mitte einer Serie präsentiert zu bekommen, die im nächsten Monat fortgesetzt wird.
Nachdem ein Bösling tot ist und ein Mutant geboren, setzt wieder der Off-Kommentar ein und die Personen werden ausgeblendet, pure Chiffres für ein Modederivat, auf Film gebannt.
Wirklich tödlich aber wirkt, daß sich der Film bei aller Unübersichtlichkeit (wenn die Herren sich nicht gerade verwandeln, kann man beide Sippen kaum einmal auseinanderhalten) so kriminell ernst nimmt, daß "Blade" dagegen wie eine Slapstickkomödie wirkt. Weder Augenzwinkern noch mal ein ironischer Bruch wurden mitinszeniert, die Story nimmt sich selbst in ihrer allgegenwärtigen Plattheit so finster wichtig, daß sie sich damit selbst entlarvt.
Der Zuschauer quittierts mit Langeweile und dem Gefühl, einer faden TV-Serie beizuwohnen.
Das Ergebnis ist also visuell erlesen (wenn auch für absolute Top-Einfälle offenbar kein Geld da war), aber gleichzeitig verblüffend offensichtlich banal und erschreckend schal, wobei die besten Einfälle wieder mal für den Trailer reserviert waren und so nette Einfälle wie Sonnenlicht in Kugelform nur als Gag am Rande eingesetzt wird. Nicht wirklich schlecht, aber durch und durch "gesehen, vergessen"! (4/10)