Vor 25 Jahren verschwand der Held Samaritan, nachdem er einen zerstörerischen Plan seines Bruders Nemesis vereitelte. Nun glaubt der Teenager Sam, in dem gegenüber wohnenden Müllwerker Joe diesen für tot gehaltenen Heroen wiederzuerkennen.
Nicht nur die Produktion des Superheldenfilms erwies sich aufgrund von Verschiebungen und einem abgeblasenen Kinostart als kompliziert, das Endergebnis ist ebenso zerrissen. Das beginnt bei der Tonalität.
Die Umgebung ist schön dreckig und heruntergekommen, die Stadt Granite City wirkt trostlos wie Stallones Blick, der in Gestalt der Hauptfigur hier sein Dasein fristet. Das Älterwerden, im Verborgenen leben und der ein oder andere persönliche Moment – das sind die interessanteren Abschnitte der Geschichte, die mehr Erzählung und Ernsthaftigkeit vertragen hätten. Auf dieser Schiene wäre „Samaritan“, der auch mit einem netten Twist gegen Ende aufwarten kann, vielleicht ein einnehmender Film geworden.
Doch merkt man zu deutlich, dass man eben (auch oder letztlich überwiegend) das Popcornkino im Auge hatte. Und das beißt sich. Die eingestreuten Actionszenen schielen dabei zu sehr auf eine Freigabe für alle, sie entwickeln durch den Schnitt wenig Wucht, die CGI tun ihr Übriges.
Hinzu krankt der von Julius Avery inszenierte Streifen an stark bemalten, aber schwach ausgestalteten Antagonisten. Die Figuren bleiben suboptimal komplex, die Motivation ist passend zur Dramaturgie des ganzen Films unterentwickelt. Anarchie steht auf dem Programm, mehr wird das heute auch nicht mehr. Es fragt aber auch niemand danach und so kommt das Skript auch durch sich selbst nicht in die Verlegenheit, darauf weiter eingehen zu müssen.
Überhaupt wirkt das ganze Konstrukt wie aus den 90ern importiert und mit einer aktuellen Optik versehen. Dazu brummelt sich Stallone zwar nett durch die Szenerie, ist aber ziemlich unterfordert und läuft auf Autopilot. Wie erwähnt verlangt die Erzählung aufgrund der Unentschlossenheit aber auch nicht mehr von ihm.
„Samaritan“ weiß nicht so recht, wohin mit sich. Schade, denn da steckt spürbar Potential drin. Doch dafür hätte man sich entscheiden müssen, welche Richtung man denn nun durchzieht. So bleibt er halbgar, schielt sowohl auf das jüngere Publikum, könnte aber auch als düsteres Drama funktionieren. Letztlich bedient er keine Fraktion zufriedenstellend. Für eine Sichtung kurzweilig genug und mit einem netten Twist versehen, bietet er wenig Nachhaltiges.