Review

Sie wollten ja alles besser machen, war zu hören, in diesem zweiten Teil der Lara-Croft-Saga. Plötzlich war der erste Film sogar bei den Verantwortlichen seelenloses Actionkino mit aufgepfropften Vater-Tochter-Konflikten.
Doch dann holte man Jan de Bont als Regisseur, den Herren der Action-Gurken (spätestens nach „Twister“ und alles war wieder so wie zuvor. Nur will momentan noch keiner was davon hören. Noch nicht.

Der ehemalige Kameramann (ach, wäre er es doch geblieben) liefert auch diesmal die Zuschauer dem Dauerfeuer aus und wer jetzt Actionfan auf seine Stirn tätowiert hat oder Lara Croft wegen ihrer Kurven angeifert (ungeachtet der Tatsache, daß man es ja auch mal mit realen Frauen probieren könnte), der wird auch ganz zufrieden sein, denn es wird kaum Pause gemacht in der Jagd auf die Wiege des Lebens, die auch Pandoras Büchse sein soll.
Nur leider sind Miss Jolies Möpse diesmal nicht auf Überlebensgröße gebracht worden, weswegen sie auch das einzig Normale an diesem Streifen zu sein scheinen.

Allen anderen sei gesagt, daß der vorliegende Streifen tatsächlich den ersten Teil in so mancher Hinsicht untertrifft und das nicht nur beim Brustumfang.

Wir stellen mal flugs fest: einen derart billigen Klau eines Plots hat es mindestens seit „Equilibrium“ nicht mehr gegeben (das ist in Hollywood-Zeiteinheiten eine Ewigkeit!). Wir dürfen hier einer kaum kaschierten Kope von „Jäger des verlorenen Schatzes“ beiwohnen, bei der die Bundeslade eben gegen Pandoras Büchse ausgetauscht wurde. Ansonsten ist alles fein nachgemacht: die Startsequenz hat zwar keine rollende Kugel, dafür einen einstürzenden Unterwassertempel und legt schon mal die Bösewichter fest. Nachdem der Geheimdienst (diesmal der britische) um Unterstützung gebeten hat, fliegt Indiana Jolie (pardon!) um die halbe Welt, um dem Geheimnis der Quelle der Seelen (Moment...falscher Film...) auf die Spur zu kommen. Finsterlinge kämpfen dagegen an, statt Nazis halt ein Biowaffenproduzent (obwohl: auf mindestens einen deutschen Finstermann konnte man dank Til Schweiger nicht verzichten).
Statt Rachegeister verknuspern „Schattenwächter“ die bösen Buben (das finale Viertel klaut der Film mal dreist bei „Quatermain“) und die Box wird dann doch lieber nicht geopfert.
Ach ja, und vom „letzten Kreuzzug“ klauen wir noch die Schlußpointe, das Schmuckstück lieber an Ort und Stelle zu lassen, zur Not auch auf Kosten des Lebens eines gierigen Begleiters.

Es ist also schonmal niemandem was Brauchbares eingefallen, aber das muß bei Miss Croft ja auch nicht sein. Angelina hängt sich derbe rein und das weiß bestimmt zu gefallen und muß man auch würdigen, jedoch wird der Satz ihres Massai-Freundes bald Programm des Films, als er sich beklagt, „ob sie denn nie etwas Normales machen könnte“.
Das feiere ich hiermit ab, denn es ist praktisch keine Szene mit Angie, in der sie nicht etwas Unnormal-Herausragendes-Abgefahrenes tut und das ist ebenso realistisch wie langweilend.
Sie schleppt halt den Makel der PC-Figur mit sich rum und wir wissen, daß sie nicht stirbt, aber Mr.Jones konnte sich in seiner Rolle noch seine Menschlichkeit bewahren und sorgte so für Spannung. Lara fügt sich mehr Wunden selbst zu, als daß sie mal was abbekommt.
Gähn!

Das hilft der Spannungskurve also nicht weiter und so wirkt das alles dann trotz des offensichtlichen Einsatzes so aufregend wie ein Kännchen Kamillentee.
Dazu kommen noch ein paar Klöpse, die wenigstens auf der unfreiwilligen Schiene für Humor sorgen.
Die Schote mit dem Transporthai (schön künstlich aus dem PC das Vieh, daß es in dieser Form übrigens nirgendwo im Mittelmeer gibt) ist ja schon schön breitgetreten worden, vorher glänzt aber das Mega-Set des Luna-Tempels mit extrem wackeligen Säulengängen, die so sportlich umplumpsen, daß ich sofort Lust bekommen habe, „Die Goonies“ mal wieder zu sehen.
Später tunt ein chinesisches Mägdelein mal eben ein bereitstehendes Motorrad, Lara fährt auf der chinesischen Mauer (wir nehmen doch nicht die Straße!) und die Übergabe der Kugel in Shanghai (oder war es Hongkong? Is mir auch egal...) ist so schlecht organisiert, daß man ahnt, daß die Stuntideen eher als der Plot da waren. Das komplette China-Viertel-Set stinkt dann auch deutlich nach Studio, was nicht viel besser ist als der Mythen-in-Tüten-Berg (komplett unerforscht!) aus dem Computer, der plötzlich neben dem Kilimanscharo steht.

Um die Niederlage komplett zu machen, fällt der Schluß dann zunehmend unspektakulärer aus, denn nachdem Schweiger verknuspert ist, gibt’s gar keine Gegner mehr, denn unser Onkel Waffenproduzent hat mindestens doppelt so viele Jährchen auf dem Buckel. Geboten werden die Szenen in einem unerklärlicherweise an M.C.Escher gemahnenden Set, wo man schon mal an der Decke läuft (hatten wir schon in „Labyrinth“ besser) und zum Schluß präsentiert sich die Büchse als halbgläsernes Schmuckkästchen, aus dessen Rändern am Ende mal kurz etwas Licht sickern darf. Vorher pustet Lara noch ihren Helfer/Partner/Ex-Lover weg, damit sie weiter solo bleibt.
Sollte wohl ein gefühlsschwangerer Knalleffekt sein, ist aber nur doof (warum wird der Onkel dann als Positivling aufgebaut) und noch dazu vorhersehbar, da das Thema „was ist denn nun wichtiger für dich, ich oder die Rettung der Welt“ bereits dreimal vorher totdiskutiert wurde. Da gibt’s doch überhaupt keine Frage, aber Emotionen sind de Bont eh fremd und Butlers Schlußbegründung ist so kreuzblöd, daß man sich im Sessel windet.

„Die Wiege des Lebens“ ist also der erneute Beweis, daß viel Geld und dolle Stunts noch keinen guten Film machen und ausnahmsweise haben es die meisten Kinobesucher auch diesmal früh genug bemerkt. Und weil die Stories figurentechnisch eh auf der Stelle treten und keinen historischen Rahmen haben, schützt uns dieser Flop hoffentlich vor weiteren Serienauswüchsen. (4/10)

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