Review
von Leimbacher-Mario
Viele Spinnfäden führen zum Lohn
Nach „Avengers: Endgame“ konnte man meinen und auch am etwas durchwachsenen Output messen, dass das MCU ein wenig monoton, ratlos und eingespielt umherschleicht. Auf hohem Niveau, aber noch hatte man nie das Gefühl (obwohl ich etwa „Shang-Chi“ und einige der Serien auf Disney+ ziemlich gut finde), dass man nach dem epischen Abschluss der Infinity-Saga unbedingt weiter hätte gucken müssen, irgendetwas spielveränderndes verpasst hätte, wenn man einen Schlussstrich gezogen hätte. Doch nun kommt der dritte (und abschließende?) Teil der neuen Spider-Man-Reihe und zieht einen Hypefeuerball um sich herum, den man in dieser Leuchtstärke lange nicht mehr gesehen hat. Viele Gerüchte, viel steht auf dem Spiel, maximale Erwartungen. Kann „Spider-Man: No Way Home“ dem Druck standhalten? Kann er die Einspielzahlen (zumindest in den Staaten) sogar vielleicht auf Vor-Pandemie-Niveau heben? Und gibt es wirklich generationsübergreifende Wiedersehen wie sie eigentlich jeder erwartet? Zumindest auf die letzte Frage werde ich natürlich keine Antwort geben und das Box-Office-Ergebnis ist für die Qualität des Films eh wie immer komplett zweitrangig. Aber ich kann zumindest schon mal schreiben wie er mir gefällt. Gerade weil ich seine zwei direkten Vorgänger sehr oft, gerne und leicht weggucken kann. Und worum es geht kann ich im Groben auch schon sagen: um Peter Parker, der mit den Nachwirkungen seiner Enthüllung durch Mysterio kämpft und mit Hilfe von Doctor Strange an den Grundfesten des Multiversums rüttelt. Was zu (gar nicht allzu) unerwarteten Nebenwirkungen und neu-alten Widersachern führt…
„Spider-Man: No Way Home“ profitiert von seinem Hype, den er erfüllt und weiter befeuert, von seiner fast stadionartigen Atmosphäre, die er ins Kino zaubern kann und von etlichen „Wow!“-Momenten. Auch in Sachen Spektakel liefert er ab und in Sachen Erweiterung des Multi-/Universums leistet er definitiv Dinge, die man sich so als Comic- wie Kinofan lange Zeit nur erträumen hätte können. Es gibt wirklich rührende Momente, etliche Bösewichte zu bekämpfen. Es ist der reifste und endgültigste „Spider-Man“ dieser Ära. Der dennoch Lust auf mehr macht. Und trotzdem ist er glaube ich knapp mein Schlusslicht seiner Trilogie und hat auch eklatante Schwächen, die ich mir trotz all dem Kawumm und Bohei nicht gänzlich schönfanservicen kann. Gerade zu Beginn wirkt er beispielsweise arg gehetzt, insgesamt oft seltsam geschnitten. Massive Reshoots sind spürbar. Die Teenager und ihre zum Teil unreifen Witzlein können hier mehr als zuvor übertreiben, nerven und unpassend zum restlichen Ton wirken. Es wird sich meiner Meinung nach etwas zu sehr auf seinen Showmomenten und ausführlichen Nebenstars ausgeruht, wenn auch nie komplett der Blick für's Wesentliche verloren wird und viele Stränge erfolgreich zu einem Ende kommen. Ich habe zudem arge Probleme mit grundlegenden, auslösenden Handlungen (etwa von Dr. Strange) und ebenso mit deren späteren Auflösungen. Da sind mir einfach zu viele Löcher drin, untypisches Charakterverhalten, das bei mir mindestens Stirnrunzeln, eher sogar Kopfschütteln auslöste. All das lässt ihn für mich deutlich etwa hinter den nicht unähnlichen „Into The Spiderverse“ fallen. Ein überladenes Debakel a la Raimis „Spider-Man 3“ ist er jedoch nie. Oft sogar ein verbindender, versöhnender und gigantischer Gamechanger. Mehr als nur immerhin, muss man dazu sagen. Mal Wahnsinn. Mal Wirbelsturm. Mal Wirrwarr.
Fazit: die krachende und etwas hetzende Kulmination der Spinne. Aller Spinnen. Krabbelnd, sich überschlagend, etwas gewollt. Und nicht mein liebster Teil der Trilogie. Dennoch: sehr, sehr, sehr viel was sich Fans erhofft, ausgerechnet und schon immer erträumt haben. Nicht perfekt, aber überaus bemüht. Befriedigend mit legendären Ausläufern und Momenten.