Der Mandela-Effekt ist ein interessantes Phänomen kollektiver Erinnerungsfälschung und beruht auf dem Irrglauben vieler, Nelson Mandela sei in den 80ern im Gefängnis gestorben. Trägt Inspektor Gadget einen Schnurrbart und ist der Monopoly-Mann auf dem Spiel mit einem Monokel ausgestattet? Über dieses Thema unterhalten sich ein paar Typen im vorliegenden Regiedebüt von Christopher Borrelli, der nicht nur aufgrund dieses Gesprächs deutlich auf den Spuren von Tarantino wandelt.
Ray (Ben Milliken) hat dem kriminellen Milieu vor zwei Jahren den Rücken gekehrt, arbeitet nun bei einer Versicherung und hat eine Freundin. Doch dann holt ihn die Vergangenheit ein und Ray wird zu einer Kurierfahrt erpresst, die bereits bei der Übergabe gründlich aus dem Ruder läuft…
Bislang war Borrelli hauptsächlich als Drehbuchautor unterwegs und lieferte Vorlagen zu „Marine 2“ oder „Dangerous“ mit Scott Eastwood. Auch hier verfasste er das Skript, welches leider nur wenige Kniffe bereithält und sich an vielen Klischees und nur allzu bekannten Verlaufsmustern entlang hangelt. Allerdings schafft er einige kuriose Situationen wie beim Einstieg, als Ray im Grunde schon halbtot am Galgen baumelt. Auch einige Westernanleihen finden sich im Verlauf.
Zwar setzt der Stoff allenfalls am Rande auf kurze Actioneinlagen, dafür präsentiert er einige skurrile Figuren, die zuweilen ein paar amüsante Sachen von sich geben wie etwa ein lispelnder Sicherheitsmann oder ein Unterhändler, der während der Übergabe umständlich mit einem Imbiss beschäftigt ist. Es sind diese kleinen schrulligen Eigenheiten, die das Treiben eher am Laufen halten, als die eigentliche Handlung, welche im letzten Drittel zu einer kleinen Hatz in einem Fabrikgelände mutiert, während anderweitig die Umgebung einer Wüste dominiert.
Zwar überwiegt mitunter die Dialoglast, doch zumindest performen die Mimen durchgehend passabel, obgleich Milliken als vermeintlicher Held nicht allzu viel Charisma mitbringt.
Handwerklich ist überdies nicht viel zu bemängeln, vom Score bleibt allerdings nicht viel hängen.
Das anspruchslose Treiben generiert innerhalb der rund 96 Minuten einen okayen Unterhaltungswert und obgleich die Story echt 90er ist, wirkt die Umsetzung wie aus einem Guss und versucht vor allem nicht krampfhaft cooler zu sein als sie ist, was dem Ganzen durchaus einen Sympathiebonus beschert.
6 von 10