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Man kennt ja diese furchtbar ehrgeizigen Mütter, die während ihrer Karriere beim Tanzen oder Leistungsturnen einen herben Karriereknick hinnehmen mussten und daraufhin versuchen, den ausbleibenden Erfolg auf ihr Töchter zu projizieren.
So ähnlich könnte es sich zumindest bei Produzentin Veronica Ferres und ihrer Tochter und Hauptdarstellerin Lilly Krug abgespielt haben, der man augenscheinlich die Türen nach Hollywood öffnen wollte.

Tech-Millionär Chris (Cameron Monaghan) lebt zurückgezogen in den Schweizer Bergen und steht unmittelbar vor seiner Scheidung. Eines Abends lernt er im Supermarkt die junge Kellnerin Sky (Lilly Krug) kennen, mit der er prompt eine Affäre hat. Als Chris sich das Bein bricht und auf Hilfe angewiesen ist, springt Sky kurzerhand als Pflegerin ein und offenbart schon bald ihre wahren Absichten…

In den 80ern und 90ern waren derartige Thriller mit leicht erotischen Ambitionen durchaus Kassenschlager, man denke da nur an den Vorreiter „Eine verhängnisvolle Affäre“ oder später „Basic Instinct“. Doch das Schmusen zwischen der Femme Fatale und dem Hormongestörten hat im Lauf der Jahre deutlich an Originalität eingebüsst, - vor allem, wenn das Drehbuch ausschließlich auf hinlänglich bekannte Muster setzt und nahezu jede Nachfolgeszene erahnbar ausfällt.

Im vorliegenden Fall bleiben auch die Figurenzeichnungen blass und man fragt sich unweigerlich, was einen gestanden John Malkovich dazu treibt, sich in eine ranzige Joggingkluft zu werfen, um einen schmierigen Vermieter zu mimen, dessen Funktion noch nicht einmal zur Aufheiterung taugt. Chris bleibt ebenso oberflächlich wie seine Gegenspielerin, die Erotikszenen sind zwar ästhetisch eingefangen, lassen aber nichts knistern und bis zur offenkundigen Wendung vergeht überdies zuviel Zeit.

Ist die Katze erst einmal aus dem Sack, konzentriert sich das kammerspielartige Treiben zumindest mit etwas mehr Tempo auf die wenigen Figuren, zu denen sich im Verlauf auch Frank Grillo hinzugesellt. Immerhin sind einige kleine Härten auszumachen, doch wirklich boshaft gestaltet sich das Treiben nicht, denn um wahren Nervenkitzel heraufzubeschwören braucht es so etwas wie Niedertracht, was hier zu keiner Zeit auszumachen ist.

Allerdings stimmt während des Showdowns mehrheitlich das Timing und trotz Ausbleibens von Schauwerten ist in Ansätzen eine Handvoll Spannungsmomente auszumachen.
Bezeichnenderweise erhält Grillo gegen Finale noch relativ viel Aufmerksamkeit, wobei er den übrigen Mitstreitern ohne großen Aufwand die Show stielt. Krug bemüht sich zwar, doch erst im finalen Akt gelingen ihr ein paar intensive Szenen, wogegen sie im Vorlauf keine Akzente setzen kann. Noch schlechter ist es um Monaghan bestellt, der als nahezu komplett passives Rad am Wagen kaum Empathie schüren kann.

Dass der Streifen eine Weile mehr schlecht als recht im Kino lief, ist kaum nachvollziehbar, da er sich nur geringfügig von TV-Dutzendware unterscheidet. Die simple Story kommt regelrecht altbacken und ohne Inspiration daher, sie überrascht zu keiner Zeit und verlangt den Darstellern insgesamt deutlich zu wenig ab, während die Umgebung der Schweizer Berge genauso vernachlässigt wird, wie das vermeintlich technisch hochwertig ausgerüstete Haus des Hauptschauplatzes.
4 von 10



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