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Von Lionsgate und Grindstone Entertainment Group präsentierter, also durchaus prominent vertretener Western für die übergebliebenen oder vielleicht auch neu gefundenen und frisch hinzugekommenen Fans des klassischen Genres, nach der On Demand - Abfrage gerne auch im Portfolio von festen Streamingdienst-Abonnenten zu finden; ein kleines, von der breiten Öffentlichkeit sicherlich unbemerktes, aber nicht zu leugnendes Wiedererstarken der seit Jahrzehnten totgesagten Gattung. Natürlich ist das Ganze im B-Picture Milieu angesiedelt, die Filmemacher ebenso von dort wie die Darsteller und die vorhandenen Finanzen, Ausbruchsversuche wie bspw. The Power of the Dog werden nicht gewagt und vom Zuschauer auch nicht gewollt. Wichtiger ist das möglichst kompetente Bedienen von Schablonen und der flink gezogene Colt:

Der Revolverheld Kansas Red wird vom jungen Billy Cassidy gebeten bzw. angeheuert, sich als Schutz vor der Posse von Thorn Larson [ Tracy Adkins ] zu dem Anwesen seiner Eltern zu begeben. Dort angekommen ist Billys Vater Sam allerdings bereits erschossen, seine Mutter Carol [ Victoria Pratt ] ist ebenso entführt wie die auch anwesend gewesenen Leslie Allen [ Vanessa Evigan ] und Marianne Walker [ Erin Bethea ]. Kansas Red, der erst kurz vorher von Doc Tillman [ Tom Berenger ] nach einer Schussverletzung zusammengeflickt wurde, macht sich zusammen mit dem darauf bestehenden Billy und dem das Massaker überlebenden Hausangestellten Finnegan [ Cowboy Troy ] auf die Fährte der Banditen.

Gedreht vom Spezialisten Michael Feifer, der sich neben vor allem noch Justin Lee (und vielleicht Travis Mills, durch die dort schiere Masse) am deutlichsten in der Bearbeitung für den Heimvideomarkt abhebt, wandert auch hier beizeiten die Hand an die Waffe, wird ein Schummeln beim Pokern vermutet und dem Gewinner das Geld nicht gegönnt. Das Umfeld ist so rau wie das Klima, der Winter steht bereit, der Herbst ist ausgekühlt. Fünf Leute sind an der kurzen Schießerei beteiligt, drei reiten in die ewigen Jagdgründe, zwei reiten zum nächsten Arzt, paar Meilen weiter. Paar Tote kommen noch, erstmal wird allerdings die Geschichte erzählt, die Handlung mit Guten und mit Bösen, mit einsamen Reitern (Typ Russell Crowe), mit Greenhorns, mit Sheriffs und mit Halunken gefüllt. Die Bauten sind größer und edler als beim Lee, direkt einladend und wohnlich gemütlich, wie kleine Hotels für angehende Cowboys; gedreht wurde in und um Museen bzw. historischen Häusern wie Rippavilla oder Colinsville. Gleichbleibend ist, dass die Leute selber gerne und viel über das früher reden und historisches erneut vorgetragen wird; wobei sich ähnlich zu den Bauten (Südstaatenvillen) keine bis wenig Mühe um Zeitkolorit gemacht wird, einzig die Kostüme und etwas Dekoration verorten die Handlung. Letztere ist flotter als zum Beispiel dem gleichzeitig erschienen A Tale of Two Guns, und auch voller: marodierende Horden, in Gefahr und Bedrängnis geratene Frauen, der Überfall auf ein Anwesen, alles noch binnen der ersten Viertelstunde, was ein ordentliches Tempo vorlegt und die Sorgfalt außen vor lässt und vergisst.

Gewinnen tut man vor allem durch den später einsetzenden Neuschnee, so viele winterliche Kollegen hat das Westerngenre nicht, hier (in Tennessee) gibt es weiße Weiten bis zum Horizont und wohin das Auge blickt. Ein oder zwei der Darsteller sind besser als die anderen, Berenger (neben Adkins als einzig wirklich Namhafter) in seinen wenigen Auftritten hilft natürlich auch, zuweilen muss man sich über einige Schusselfehler wundern – die gut sichtbaren Häuser hinten in den Baumreihen in einem eigentlich gottverlassenen oder zumindest so im Film verkauften Waldgrundstück, dass als Zwischenrast und zum Lagerfeuer vor der einsetzenden Kälte genutzt wird; einer reitet mit der Jeans aus dem Discounter durch die Gegend, und öfters sind die verschiedenen Stätten einfach nur von der anderen Seite aufgenommen und so als neue verkauft – , was kein richtiges Flair aufkommen und nur die Schauspieler bei ihrem verfilmten Fasching und dem Wiedergeben eigentlich längst abhanden gekommener Jungsträume erscheinen lässt. Richtig dran reiben tun sich aber wahrscheinlich nur die Puristen, die G.F. Unger Leser stört das nicht; übrigens ist auch positiv oder kurios positiv, dass der rettende Einzelgänger hier die Vorlage für sogenannte 'dime novels', also Groschenhefte ist und auch als 'Romanfigur' erkannt wird und das Geschriebene dort hier quasi in der Realität verkörpert.

Die Inszenierung ist relativ statisch, trotz einiger Bemühungen, eine sonstige gewisse formelle Einfallslosigkeit bzw. das schlichte Bebildern der Ereignisse zu überkommen, zuweilen hat man ein Auge für die Landschaften, der wenigen, aber interessanten Architektur (dieses sieht eher aus wie bei Hallmark, wobei auch einige emotionale Hänger und weitere Sentimentalitäten daran erinnern; und vor allem die Motive der Beteiligten) und das Einfangen dieser. Eine Geschichte demnach als lang angelegte Verfolgung, der Weg ist das Ziel, die Hintergründe sind die Liebe in all ihre Facetten, ob nun verschmäht, verflossen, heimlich, weiterhin mit sich herum tragend, was auch an Hallmark erinnert und hier zudem weniger filmisch als vielmehr im Dialog offengelegt und erklärt wird ("The one thing I don't understand...Is where does Larson fit into all this?"), was nicht gerade für Anteilnahme am Geschehen sorgt.

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