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Sumiswald, 13. Jahrhundert: Die Deutschritter haben eine Burg von den Einwohnern errichten lassen. Als der Komtur nun eine weitere schier unlösbare Arbeit verlangt, geht Christine mit Wissen der anderen Dörfler:innen einen Pakt mit einem unheimlichen Mann ein. Die Arbeit erledigt sich daraufhin wie von selbst, doch der Mann fordert nun seinen Lohn.


Das Mittelalter war sicher keine Zeit, in der es sich sonderlich angenehm leben ließ, jedenfalls nicht als Bauer, Magd oder ähnliches von niederem Stand. Und Religion und Aberglaube steckten allen Menschen in Mark und Gebein.

So gesehen mutet die Darstellung des Dorflebens in Die Schwarze Spinne zumindest halbwegs realistisch an. Das ist zunächst auch mal die große Stärke des Films, denn die Atmosphäre und Ausstattung im Dorf wirken sehr stimmig. Da ist vieles sehr einfach, vieles ist dreckig, man merkt einfach, dass das Leben hart ist. Herrische Ritter mit Machtkomplexen braucht da eigentlich niemand.

So verwundert es nicht, dass Christine zunächst gefeiert wird, bevor man realisiert, was man da in Gang gesetzt hat. Folglich hat damit plötzlich niemand etwas zu tun gehabt, man ist ja schließlich gottesfürchtig und würde nie einem Pakt mit dem Teufel zustimmen. Das kann nur eine Hexe getan haben. Bei den Anfeindungen, die zunehmend schlimmer werden, kann man mit Christine schon gut mitfühlen und Zorn auf die Dörfler:innen wallt auch schnell auf.


Leider verliert sich der Film in Kleinigkeiten. So hat der Komtur Alpträume, die die Geschichte nicht wirklich weiterbringen. Der Film ist mit fast 2h einfach so lang, dass bei der ruhigen, wenngleich optisch stets ansprechenden Inszenierung einige deutliche Längen fast unvermeidlich sind, insbesondere, da in den ersten drei Vierteln der Horror hauptsächlich aus der Pein Christines besteht und der übernatürliche Aspekt erst im letzten Viertel stärker präsent wird. Dann aber auch finster in der Konsequenz, aber zahm in der Umsetzung.

Zahm oder besser sehr seltsam ist Markus Fischers Vision vom Teufel, der von Anatole Taubman gespielt wird. Zum einen tritt der in einer kleinen Edelkutsche aus dem (geschätzt) 19. Jahrhundert auf, was stilistisch so gar nicht passt und auch nicht als smarter Kniff erscheinen will, sondern einfach nur als unsinniger Stilbruch, der der die ansonsten hervorragend eingefangene Horror-Atmosphäre unterwandert und kaputt macht. Zum anderen hat Taubman leider die dämonische Ausstrahlung eines Schreiberdämons in Ausbildung und nicht die verführerisch dunkle Aura eines Luzifers. Er wirkt mit seiner Kutsche so bedrohlich wie der Postbote.

Und das ist schade, weil dadurch viel verschenkt wird. Im letzten Viertel, wenn Christine Rache nimmt und der Teufel sich holen will, was sein ist, kommt schön eine schön düstere Stimmung auf, die auch von den okayen CGI-Spinnen nicht gestört wird. Da hätte man noch etwas mehr Not und Verderben zeigen können, aber auf plakatives Sterben wurde eh weitgehend verzichtet.


Oft stimmungsvoller Mittelalter-Grusler mit miesem Teufel. Aber Lilith Stangenberg als Christine und Ronald Zehrfeld (Typ Russell Crowe) als Komtur Hans von Stoffeln liefern ebenso wie die meisten Nebenrollen hervorragende Leistungen ab. Kamera und Ausstattung passen. Aber es fehlt bei der langen Laufzeit deutlich an Drive.

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