Review

Mondscheintomate


„Moonfall“ ist der neue Sci-Fi-Big Budget-Schmu vom einstigen Erfolgsregisseur Roland Emmerich. In Hollywood kann der eigentlich recht sympathische Schwabe für seine reihenweisen Flops (qualitativ wie monetär!) schon lange keine Kohle mehr auftreiben, nun streifte er mal wieder um die Welt um weit über 100 Millionen Dollar zusammenzusuchen, von China bis in sein Heimatland. Heraus kam seine bisher vielleicht blasseste Zerstörungsorgie - vom Totalausfall „Independence Day: Resurgence“ mal abgesehen, der einen durch seinen Namen und den am Herz hängenden Vorgänger noch mehr aufgeregt hat. Doch auch dieser aufgeblasene Mondzyklus tut absolut nicht gut. Und erzählt, wie unser „Gezeitengrund“ seine Bahn verlässt, der Erde immer näher kommt, für Chaos sorgt und wohl von einer außerirdischen Macht (wie der Trailer schon verrät) gelenkt wird…

Richtig Tempo hat „Moonfall“. Und ist doch ein unheimlich lahmer Film. Wie das geht? Fragt mich nicht. Er hat auf mich einfach diesen bipolaren Eindruck gemacht. Gehetzt und doch gegähnt. Die Effekte sind gefühlt schlechter (und vor allem wesentlich rarer und zahmer) als vor 15 Jahren in „The Day After Tomorrow“. Geschweige denn „2012“, der hiergegen fast famos wirken kann. Was schon was heißen will. Das letzte Viertel samt seiner absurden Auswüchse ist hanebüchen, verschwafelt und unkreativ zugleich. Hat aber immerhin etwas Chuzpe und steht zu seinem Quatsch mit esoterischer Sauce. Halle Berry und Patrick Wilson zeigen jedem Autopilot eine Paradevorführung seines Jobs. Die Hans Zimmer-Gedächtnis-Brummer auf der Tonspur sind lächerlich. Der Film insgesamt leider nicht mal das. Einfach öde und müde. Das kann auch nach all den Jahren und deutlichem „Destruction Burnout“ nicht Emmerichs Ziel und Anspruch sein. Das muss er doch langsam auch selbst erkennen. Es kracht zu wenig, es macht zu wenig, es lacht zu wenig. Dazu noch gefühlt eineinhalb Jahrzehnte zu spät. Mit etlichen längst ausgetretenen „Emmerich-Schablonen“ und minderwertiger CGI „abgepeppt“. Gefühlt komplett (!) ohne Außenaufnahmen und nur vor dem Green Screen. Artifiziell und ugly. 30 Minuten zu lang. Macht sehr wenig bis gar keinen Spaß. Ich finde kaum Positives. Keinen Kinogang wert. Eindeutig. Ein paar rettende Bojen: das Innere des Mondes sieht besser aus als die Katastrophen auf der Erde; die Erklärung kann einen immerhin schmunzeln lassen; den dicken „Verschwörungstheoretiker“ zu meiner Lieblingsfigur zu machen muss man erstmal schaffen; Fuzz Aldrin; zwei Stunden Gehirn-Stand By; „Gravity-Welle“. 

Fazit: nicht gänzlich katastrophal im guten oder schlechten Sinne. Viel eher luschig, langweilig und nichtssagend für mich. Überflüssig. Zu wenig Zerstörung. Die dann auch noch in hässlich und billig. „Monfall“ ist Emmerich voll in seinem Element - und doch voll neben der Spur der guten Unterhaltung! 

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