Review

Rubrik „Schade um das schöne Geld“

MOONFALL

(MOONFALL)

Roland Emmerich, USA/CHN/GBR/CAN/HKG 2022

Vorsicht – dieses Review enthält SPOILER!

Man sollte sich keine Filme von Roland Emmerich ansehen. Nein, das sollte man nicht tun. Ich hab’s trotzdem getan, als mir dieser Streifen, Emmerichs zuletzt gedrehter Katastrophen-Blockbuster, vor zwei Tagen im TV-Programm begegnet ist. Mir war sehr wohl bewusst, worauf ich mich da einlasse, aber als Freund des Katastrophenfilm-Genres habe ich wenigstens ein paar eindrucksvolle Bilder erwartet, und irgendwie muss man ja auch mitreden können, wenn es irgendwo eine 150-Millionen-Dollar-Produktion zum Thema Weltuntergang gibt. Zudem habe ich bereits Moon Crash, den unverhohlenen Mockbuster zu Moonfall aus dem Hause Asylum angesehen, ebenso wie die zwei Jahre zuvor erschienene weitere Asylum-Gurke Meteor Moon, die das gleiche Thema behandelt und quasi als Vorab-Mockbuster verstanden werden kann. Da bietet sich ein Vergleich doch förmlich an.

Der Weltraum, 2011: Irgendwo im Erdorbit fummeln drei Astronauten an einem Satelliten herum, als sie von einem seltsamen Teilchenschwarm angegriffen werden. Einer von ihnen verliert dabei sein Leben, doch die beiden anderen schaffen es mit ihrem ramponierten Shuttle zurück zur Erde. Ihre Geschichte kauft ihnen allerdings niemand ab – der Unfall wird als „menschliches Versagen“ eingestuft und die Astronautenlaufbahn ist für Jocinda Fowler und Brian Harper, so heißen die beiden, beendet. Die Erstgenannte kann bei der NASA in einer gehobenen Stellung weiterarbeiten, Brian Harper ist jedoch nicht mehr gelitten. Und wie das so ist, wenn man bei der NASA hinausfliegt, verliert er auch noch Frau und Kinder an einen anderen Mann und kann schließlich kaum noch die Miete für die Bruchbude aufbringen, in der er jetzt traumatisiert und voller Schuldgefühle lebt.

Zwei unserer drei Helden kennen wir damit schon. Der dritte ist „KC“ Houseman, ein armseliger, eher füllig geratener und kränklicher Verschwörungstheoretiker, der sich dem „Megastrukturismus“ verschrieben hat und seit Jahren daran glaubt, dass unser Mond eine Megastruktur oder mit anderen Worten seine Hülle eine „Dyson-Sphäre“ ist (also ein Bauwerk, das hoch entwickelte, nach Nikolai Kardaschow dem Typ II angehörende Zivilisationen um ihren Stern herum errichten, um dessen Energie besser nutzen zu können). Ausgerechnet dieser Nerd stellt nun fest, dass sich die Umlaufbahn des Mondes verändert hat und selbiger auf die Erde zu stürzen droht. Noch mal: Irgendein armseliger, abstrusen Theorien anhängender Spinner stellt Veränderungen der Mondumlaufbahn fest – nicht etwa die versammelten Astronomen unserer Welt. OmG.

Aber gut, wir müssen es hinnehmen, wie auch die Tatsache, dass er recht hat und die Fachleute seine Erkenntnis bestätigen. Damit sieht’s schlecht aus für die Erde: In grob berechnet drei Wochen wird der Mond in sie hineinkrachen, aber schon vorher sollten Trümmer von ihm und seine Gravitation für verheerende Katastrophen sorgen. Wie gut, dass es in solchen Situationen das Militär gibt, denn das hat ein Allheilmittel – Atombomben, na klar. Der Mond soll also schleunigst zum Teufel gesprengt werden. Dass der darauf folgende Fallout die Menschheit vor eine neue Katastrophe stellen würde (und überdies noch genügend Trümmer zum Einschlagen übrig sein sollten ...), ist den Pentagon-Strategen erst einmal wurst. Lieber später und langsam sterben als gleich und schnell. (Mal ganz nebenbei: Was machen eigentlich die anderen Länder?)

Frau Fowler will indes noch nicht aufgeben und sucht nach einer etwas gesünderen Lösung. In der Folge tut sie sich mit Harper und KC Houseman zusammen, und die drei haben tatsächlich eine Idee: Man müsste zum Mond fliegen und dort eine EMP-Bombe (arrrgh!!) in das seltsame Loch werfen, das man in einem der Mondkrater entdeckt hat. Eine Rakete hat man zwar gerade nicht zur Hand, aber auf irgendeinem NASA-Schrottplatz gibt’s noch ein altes Shuttle, das halbwegs flott gemacht werden kann. Auf geht’s zum mittlerweile schon ziemlich nahen Mond – dass Frau Fowler, Herr Harper und der Megastrukturismusexperte die Sache höchst persönlich in die Hand nehmen, versteht sich von selbst.

Währenddessen wird durch Trümmer und die Mondgravitation bereits die halbe Welt vernichtet, aber das ist nicht so wichtig. Moonfall erzählt uns lieber etwas anderes – schließlich gibt es hier nicht nur Bagatellkram wie kosmische Katastrophen und möglicherweise eine vor unserer Haustür versteckte Typ-II-Zivilisation, sondern auch ... Familien! Ja, Plural – für den um ganz großes Kino bemühten Emmerich ist eine zu wenig.

Da ist zunächst Harpers Familie und ihr erweiterter Kreis: Seine Ex-Frau Brenda, ihr gemeinsamer, schon halbwegs erwachsener Sohn Sonny, Brendas neuer Mann Tom und ungefähr zwei weitere Töchter aus der Ehe mit ihm. Aus Sonny ist leider ein Problemkind geworden – er wurde gerade wegen Raserei ohne Führerschein und Drogenbesitz verhaftet und befindet sich in Untersuchungshaft. Also muss er dort erst einmal herausgeholt werden, damit er uns später die Zeit rauben kann. Harper hat zwar gerade ein paar andere Sorgen, aber als designierter Weltretter kann er die Freilassung Sonnys erwirken. Der muss sich nun freilich in Sicherheit bringen – irgendwo in Colorado soll es einen Bunker geben, in dem Moonfall-Familien einchecken können. 

Und dann gibt es ja auch noch Jocinda Fowler, die selbstverständlich ebenfalls geschieden ist (arrgh!!) und Angehörige hat – einen Ex-Mann, der bei der Army immerhin so hoch gestellt ist, dass er einen der Atomwaffenaktivierungsschlüssel trägt, und einen noch kleinen Sohn, der vom Kindermädchen Michelle betreut wird. (Ich dachte erst, es sei die Tochter, aber es ist eine Asiatin – wobei mir eine tolle Idee kommt: Wenn man den Helden in Zukunft mehrere geschiedene Ehen andichtet, könnte man noch viele weitere völlig sinnlose Figuren auf den Weg zu Rettung versprechenden Orten schicken ... wie wär’s, Emmerich?)

Nachdem ganz beiläufig irgendeine Stadt vom Meer verschluckt wurde, sehen wir, dass Sonny auf seinem Weg Michelle und die Fowlers einsammelt und mit ihnen gemeinsam im Humvee in Richtung Rettung düst. Bald geht’s durch Schnee und Eis – Colorado sollte also schon erreicht sein, aber das will nichts heißen: Selbstverständlich gibt es noch Komplikationen, denn die jungen Leute geraten an böse Plünderer, die ihnen das Fahrzeug wegnehmen, und rings um sie herum schlagen auch schon fleißig Mondbrocken ein und pulverisieren die halben Rocky Mountains. Und während zwischenzeitlich kurz und schmerzlos auch New York zertrümmert wird, dürfen wir unsere zweite Familie für ein Weilchen begleiten. Brenda und die Ihren können sich in irgendeiner alten Werkstatt Sauerstofflaschen besorgen, die jetzt lebensrettend sind, weil der Mond schon unsere Atmosphäre an- und wegzieht (!). Auch für sie geht’s nun durch Schnee und Eis weiter. Ähm ... und unsere Weltretter?

Ja, die sind auch noch am Leben, obgleich knapp. Aber schließlich erreichen sie den Mond und tauchen auch gleich todesmutig in das mysteriöse Kraterloch ein, um 25 Kilometer tiefer in einem gigantischen Hightech-Hohlraum zu landen, in dessen Zentrum sich, wenn man KCs Gelaber ernst nimmt, ein Weißer Zwerg befindet. (Zur Physik Weißer Zwerge sei hier nur gesagt, dass sie mindestens den vierfachen Monddurchmesser haben und aufgrund ihrer stark komprimierten Materie so viel wiegen wie ein gesunder Hauptreihenstern, also beispielsweise unsere Sonne – sollte man als Skriptautor in solchen Angelegenheiten nicht wenigstens einmal drei Sätze mit einem Fachmann reden?) Bald darauf wird mithilfe kitschiger Hologramme auch eine Erklärung geliefert: Einst gab es eine richtig tolle Zivilisation, die aber wie so viele tolle Zivilisationen im Sci-Fi-Genre irgendwann von der selbst entwickelten KI überflügelt und vernichtet wurde – hier hat sich die KI in Form von Nanoteilchen-Schwärmen manifestiert, welche die wenigen Überlebenden der richtig tollen Zivilisation kreuz und quer durchs Universum jagen (mmh, so richtig „nano“ sieht’s nicht aus – sagen wir einfach „Teilchenschwärme“).

Ein paar dieser Überlebenden haben dabei ein schönes Fleckchen Weltall gefunden und dort unsere Erde erschaffen, die ihre neue Heimat werden sollte ... So ungefähr habe ich es verstanden, wobei allerdings mein Ehrgeiz, hier alles verstehen zu wollen, eher unterentwickelt war. Bringen wir’s zu Ende: In seinen letzten Minuten versinkt Moonfall in Kitsch und unerträglichem Aufopferungspathos wie seine CGI-Städte im Meer. Im Shuttle gibt es sogar einen regelrechten Aufopferungs-Wettstreit zwischen Harper und KC Houseman, den der Letztgenannte gewinnt und sich mit der EMP-Bombe von einem KI-Teilchenschwarm „fressen“ lassen darf, um dann aufs Knöpfchen zu drücken. Aus die Maus – selbst für die beste Schwarm-KI. Und für KC.

In dieser Sache ist Moonfall übrigens ein zutiefst chauvinistischer Film, weil Jocinda Fowler nicht die Möglichkeit eingeräumt wird, sich wenigstens dringend aufopfern zu wollen. Auch auf Erden dürfen’s nur die Männer: Brendas neuer Mann Tom übergibt seine Sauerstoffflasche der kleinen Tochter, weil deren Flasche leer ist, und erleidet im Schneetreiben den Heldenerstickungstod (hättet ihr euch das Ding mal zwei Minuten lang geteilt, wäre alles okay gewesen, denn die Luft beziehungsweise die Atmosphäre kommt recht flott wieder zurück). Irgendwie dumm gelaufen. Aber ich war vorschnell mit meinen Vorwürfen: Mit Michelle darf sich zwischenzeitlich auch eine der weiblichen Mitwirkenden (Frau will ich bei ihr noch nicht sagen) ein wenig aufopfern – sie will Sonny retten, der unter einem Baumstamm eingeklemmt wurde, als er sich seinerseits für irgendjemanden aufopfern wollte. Nachdem ihre Bemühungen vergeblich geblieben sind (Mädchen eben ...), ist schließlich der Mond gnädig und zieht den Baum per Gravitation in die Höhe. OmG.

Am Ende scheint verblüffend schnell wieder die Sonne, der Mond zieht seine alte Bahn (was machen eigentlich seine „Erbauer“?) und KC Houseman wird als Retter der Erde in die Annalen der Menschheit eingehen. Wir sind ergriffen. Und wir wissen nun, dass wir gefälligst ernst nehmen müssen, was uns irgendwelche hirnverbrannten Querköpfe über Aliens, Gedankenkontrolle oder eben hohle Himmelskörper erzählen ...

OmG. Wie oben erwähnt habe ich sehr wohl geahnt, was hier auf mich zukommt, aber das Ausmaß, in dem es dann tatsächlich auf mich zukam, hat mich doch ein wenig schockiert. Tiefenanalysen muss und will ich dabei freilich nicht vornehmen, zumal sich bereits genügend Leute gewissenhaft zu Moonfall geäußert haben – zum Beispiel dahingehend, dass dieser Film eigentlich nur als Emmerich’sche Selbstparodie gelesen werden kann. Leider, leider ist es mir persönlich nicht gelungen, diesen Blickwinkel einzunehmen: Ich glaube, dass Moonfall prinzipiell (also abgesehen vom gelegentlich eingeflochtenen und zuverlässig missratenen Emmerich’schen Wortwitz) tatsächlich ernst gemeint ist ... und weiß im Moment nicht so recht, wie ich damit umgehen soll.

Grundsätzlich müsste ich mich natürlich fürchterlich aufregen – vor allem darüber, dass der Film fast eine halbe Stunde braucht, um endlich von seiner öden Exposition abzulassen und in die Gänge zu kommen, noch mehr darüber, dass er sich demonstrativ offen für irgendwelchen Verschwörungsschwurbel zeigt und noch mehr darüber, dass er kein einziges auch noch so dummes und sogar vom eigenen Regisseur schon bis auf die Hülle ausgelutschtes Genreklischee auslässt. Das gilt insbesondere für den unsäglichen Familienzinnober, der selbst in jeder Asylum-Genreproduktion durchgekaut (oder auch persifliert, mitunter weiß man’s nicht so genau) wird und hier sogar im Doppelpack daherkommt, aber auch für die schon hundertfach zu Tode gerittene Geschichte rund um ein paar Helden, die dem atombombenabwurfwütigen Militär zuvorkommen müssen und den gefühlt sechstausendundneunzehnten EMP der jüngeren Filmgeschichte (arrrgh!) als Wundermittel ausmachen. Statt sich seiner Kernkompetenz zu widmen und die vom Skript heraufbeschworene Katastrophe ausgiebig zu bebildern, nervt Emmerich immer wieder mit den (auch in sich vor Klischees triefenden) Abenteuern der Helden-Angehörigen, die hier schlichtweg, sorry, kein Schwein sehen will, weil nebenan gerade die Welt untergeht und das dann doch etwas interessanter ist als familiäre Winterreisen zur vermutlich nicht einmal rettenden Unterkunft. Zudem haben Katastrophensequenzen den unschätzbaren Vorteil, dass man während ihrer Dauer nicht ganz so hartnäckig von den grausamen Dialogen belästigt wird, die das Autoren-Trio Roland Emmerich, Harald Kloser und Spenser Cohen ersonnen hat (abgesehen von Klassikern wie: „Wir müssen hier weg!“® oder „Beeil dich!“ – die gibt’s schon seit Äonen umsonst an jeder Ecke).

Nun habe ich geschrieben, dass ich mich über diesen Film aufregen müsste – was bedeutet, dass ich’s nicht oder wenigstens nicht gänzlich tue. Letzteres ist der Fall: Irgendwie erscheint Emmerichs Arbeit, sein Festkleben an den alten Formeln und Motiven, denen er schon vor einem Vierteljahrhundert gefolgt ist, derart armselig, dass es mich fast rührt. Moonfall ist ein hilfloser und gleichzeitig geradezu bockiger Film, das Werk eines Mannes, der es nicht anders kann und nun mit geschlossenen Augen gegen die Zeichen der Zeit anrennt. Mitunter glaubte ich überdies, in Moonfall eine gewisse Lustlosigkeit zu erkennen – konkret bei einigen uninspiriert wirkenden, vollkommen abstrakt neben dem Tun der Figuren stehenden und in der Totale verharrenden Katastrophenszenen, die sich anfühlen, als wären sie nachträglich noch im Sinne einer Pflichterfüllung eingefügt worden. Was ich Emmerichs Arbeit indes nicht vorwerfe, sind ihre haarsträubenden Logikaussetzer und ihre Fußtritte in Richtung Physik – so etwas gehört im Genre zum Tagesgeschäft. Im Übrigen bin ich ein treuer Asylum-Fan, und als solcher durfte ich schon an so manchem noch viel größeren Unfug teilhaben.

Seine Stärken hat Moonfall erwartungsgemäß im visuellen Bereich, obgleich selbst dort nicht alles Gold ist, was glänzt. Dass der Streifen mit klaren und frischen Breitwandbildern daherkommt, ist dabei erst einmal gut und schön, aber den Ansprüchen, die man an eine 150-Millionen-Dollar-Produktion stellt, kann er mit Blick auf seine massiv (sprich eigentlich permanent) eingesetzten VFX leider nicht durchgängig gerecht werden – und das, obwohl an ihnen wirklich viele Leute mitgewirkt haben: In der Rubrik „Visuelle Effekte“ werden in den Credits mehr als 500 (!!) Namen aufgelistet. Natürlich gibt es auch hier ein paar schlichtweg überwältigende Szenen und Sequenzen (vor allem im Inneren des „Dyson-Mondes“ mit seinen riesigen, um das Zentrum rotierenden „Rädern“ und immer dann, wenn der KI-Partikelschwarm aufkreuzt), aber allzu oft riechen die Bilder doch sehr aufdringlich nach Greenscreen. Es gibt keine nennenswerten Ausrutscher, aber wirklich abkaufen kann man Moonfall nur wenige seiner Rechnereffekte. Das beginnt schon beim Einstieg: Emmerich kopiert im Prinzip bis in die Details hinein die Startsequenz aus Alfonso Cuaróns Gravity, kann dieser aber nicht annähernd das Wasser reichen, weil man sich bei ihm eben sehr viel eher im Studio als im Weltraum wähnt.

Etwas Licht ist auch im darstellerischen Bereich zu erkennen – immerhin ziehen sich die meisten Mitwirkenden halbwegs würdevoll aus der Affäre. So war ich tatsächlich angenehm von Halle Berry überrascht, die für mich jahrzehntelang ein Ausschlusskriterium war, obwohl sie als Jocinda Fowler arg humorlos daherkommt und nicht einen Moment lang den Eindruck macht, dass sie hier mit gesteigertem Interesse dabei ist. Als Brian Harper ist ein blasser und ausstrahlungsfreier Patrick Wilson zu sehen und unser Megastrukturist des Monats wird von John Bradley verkörpert, der sich bemüht, aber nicht verhindern kann, dass man seinen KC Houseman weitgehend als (bisweilen sogar lästige) Witzfigur wahrnimmt – auch wenn er vom Skript gegen Ende auf hochnotkitschige Weise zum Helden und emotionalen Zentrum des Film hochstilisiert wird. Recht gut gefallen haben mir Charlie Plummer als Sonny, die schmucke Kelly Yu als Michelle und noch mehr Carolina Bartczak als Brenda, die ich sehr glaubwürdig fand. Einen ganz großen Namen bringt übrigens noch Donald Sutherland mit, aber der hat als NASA-Archivar nur eine einzige Szene, in der er ein paar Geheimnisse der ersten Mondlandung ausplaudert (Verschwörungstheoretiker kommen hier wirklich auf ihre Kosten) und dann mit seinem Rollstuhl von dannen fährt. Oder von dannen rollt, genauer gesagt.

Der Score stammt zu guter Letzt von Harald Kloser und Thomas Wanker. Den ersten Namen kennen wir bereits, und ja, es ist jener Harald Kloser, der auch am Skript beteiligt war. Die konventionell angelegte Musik, die er mit Herrn Wanker komponiert hat, ist nicht der Rede wert (und damit schon mal besser als das Skript ...) – sie begleitet so brav und wirkungslos die Handlung, dass man ziemlich konstant durch sie hindurchhört. Ich kann mich nur an ein paar kitschige Passagen während der Schlussphase erinnern. Einem John-Williams-Fanfarengetröte ist das freilich immer noch vorzuziehen.

Welchen anderen Filmen Moonfall als Ganzes vorzuziehen ist, will ich indes gar nicht wissen – der amtliche Asylum-Mockbuster Moon Crash ist es nicht, um gleich zum eingangs annoncierten Vergleich zu kommen. Schlimm genug, denn Moon Crash ist selbst mies genug und sogar im Kontext des Asylum-Schaffens unterdurchschnittlicher Schrott. Im Kern ist indes auch Moonfall nicht mehr als hanebüchene, hoffnungslos klischeeverseuchte, pathosbeladene, kitschige und unangenehm an die Erleuchtungen eines Erich von Däniken erinnernde Sci-Fi-Katastrophengrütze, die sich nur in einem, allerdings fundamentalen Punkt vom gemeinen TV-Genreheuler unterscheidet: Geld. Emmerich stand hier eine Summe zur Verfügung, für die man im Hause Asylum gut 250 Filme produzieren würde. Schade drum – Moonfall hat zwar einige Momente, in denen auch etwas angemessen Umwerfendes aus dem vorhandenen Budget gemacht wurde, aber sie reichen unter dem Strich bei Weitem nicht aus, um für das lustlos wirkende Recycling von Genremotiven, dem man hier beiwohnen muss, zu entschädigen. Und nein, Moonfall ist eben keine Persiflage, sondern eine Art „Worst of“ des Emmerich’schen Œuvres. Wer also gern ausgemachten Mond-Mumpitz sehen möchte, ist mit Moon Crash besser beraten – der ist kürzer, geradliniger und hängt seinen Helden keine Kinder an.

„Man sollte sich keine Filme von Roland Emmerich ansehen“, habe ich einleitend gesagt – und mit Moonfall wurde das noch einmal ganz dick unterstrichen. Memo an mich selbst ...

(06/24)

Mit Ach und Krach 4 von 10 Punkten.





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