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Während der Börsenmakler Nick Holloway, der sich aus einem langweiligen Vortrag der Magnascopic Laboraties geschlichen hat, in einem Büroraum ein Nickerchen macht, geht zur gleichen Zeit in einem Labor ein Experiment mächtig schief, was zur Folge hat, dass große Teile des Gebäudes nun unsichtbar sind... inklusive Nick selbst, der nach dem Aufwachen beim Blick in den Spiegel sein blaues Wunder erlebt. Der skrupellose David Jenkins, Leiter einer geheimen Regierungs-Sondereinheit fürs Grobe, der schnell vor Ort eintrifft, erkennt sofort das Potenzial, das sich ihm bietet und versucht Nick, als Mitarbeiter anzuheuern... oder andernfalls mit Gewalt dafür zu sorgen, dass außer ihm auch sonst niemand Zugriff auf den einzigen unsichtbaren Menschen auf der Welt hat. Nick gelingt es gerade so, sich den Regierungs-Schergen zu entziehen und nun muss er nicht nur permanent vor Jenkins und seinen Leuten flüchten, auch seine neue Bar-Bekanntschaft Alice, mit der es gerade erst so richtig gefunkt hat, will erst mal sachte an die ungewohnte Situation herangeführt werden... Nachdem ihn die beiden unabhängig entstandenen Genre-Streifen "Die Fürsten der Dunkelheit" und "Sie leben" gerade zuvor erst stilistisch wieder auf die Spur gebracht haben, stellt "Jagd auf einen Unsichtbaren" einen weiteren, gescheiterten Versuch von John Carpenter dar, sich dem Studio-System Hollywoods anzudienen... und selbst heute noch klagt er einem sein Leid über die Zusammenarbeit mit Hauptdarsteller Chevy Chase, der im wahren Leben wohl ein Arschloch par excellence ist und die Dreharbeiten für Carpenter zu einer unangenehmen Erfahrung hat werden lassen. Dem Ego seines Stars, der hier übrigens auch Produzent gewesen ist, ist es dann wohl auch geschuldet, dass der Unsichtbare über einen Großteil der Laufzeit - zumindest für den Zuschauer - doch sichtbar ist, was Chase die Gelegenheit gibt, erneut seine Comedy-Masche durchzuziehen und sich in ein paar Slapstick-Einlagen zum Jockel zu machen... obwohl man doch permanent spürt, dass er eigentlich lieber ins "ernsthafte" Metier wechseln würde und die Geschichte an sich auch darauf ausgelegt ist. Daraus ergibt sich (gelinde gesagt) eine gewisse tonale Diskrepanz und Carpenter bekommt folglich die Mischung aus Star-Vehikel, Agenten-Thriller und Effektfilm auch nicht wirklich gut unter einen Hut, zumal ihm das Komödien-Fach an sich auch sehr viel weniger liegt als die Spannungs-Momente. Viele ikonische Szenen aus James Whales 1933er-Klassiker "Der Unsichtbare" wurden hier direkt reproduziert (u.a. das Abwickeln der Bandagen von der transparenten Rübe) und von den VF/X-Spezialisten von Industrial Light & Magic auf das höchste Level, das die Tricktechnik der fühen 90er hergegeben hat, geupdatet... und darüber hinaus hat man sich auch noch selbst ein paar smarte visuelle Gags einfallen lassen (etwa ein Kaugummi, der sich von alleine kaut, eine Lunge, die sich mit inhaliertem Zigarettenrauch füllt oder den Unsichtbaren beim Kotzen). Unterhaltsam und auch heute immer noch recht beeindruckend ist "Jagd auf einen Unsichtbaren" damit zwar schon, aber angesichts des finalen Resultats kann man sich nicht wirklich des Eindrucks erwehren, dass es hierfür nicht wirklich einen John Carpenter gebraucht hätte... ein x-beliebiger Auftrags-Regisseur hätte es vermutlich auch getan und den nicht schlechter hinbekommen. Aber hey, selbst ein Paul Verhoeven hatte mit derselben Thematik später so seinen Hudel, newa? Da es mit der Hollywood-Nummer aber wieder nicht so wirklich geklappt hat, ist der Streifen für Carpenter selbst vermutlich in erster Linie deshalb relevant, weil er hier ein paar Jahre vor dem wirklich fulminanten "Die Mächte des Wahnsinns" zum ersten Mal mit Sam Neill zusammenarbeiten konnte, mit dem die Chemie offensichtlich auch besser gewesen ist...

6/10

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