Review
von Leimbacher-Mario
Das tapfere Schneiderlein
„The Outfit“ ist ein theater'eskes Kammerspiel vom unterschätzten „Imitation Game“-Regisseur Graham Moore, flog letztes Jahr völlig unter dem Kinoradar und ist für Fans guter Drehbücher, spannender Figurenkonstellationen und feiner Lügen ein Schmankerl. Wir verfolgen im Chicago der 50er ausschließlich in seinem Atelier einen alten Schneider, der ab und zu irischen Gangstern Unterschlupf bietet und natürlich auch deren Anzüge anfertigt. Doch in dieser verschneiten Nacht überschlagen sich die Ereignisse, es wird eine verräterische Ratte gesucht und schnell liegt eine erschossene Leiche zwischen Maßanzügen und Stoffscheren, die die Unterwelt ganz schön durcheinanderwirbeln könnte…
Der perfekte Whiskyfilm
Das Script muss clever, durchdacht und schon herausragend sein, damit ein solches Kammerspiel und ein solch minimalistischer Gangsterthriller in der heutigen Zeit noch funktioniert. Und genau das ist bei „The Outfit“ meiner Meinung nach der Fall. Dazu herausragend besetzt, gespielt, wie gesagt auch geschrieben. Eingekleidet und ausgestattet auch. Da kann man nicht meckern. Das ist gemütlich, stattlich und spannend zugleich. Als ob der Opa von Tarantino ein Kammerspiel geschrieben hätte und sein Enkel es nun auf dem Dachboden entstaubt hätte - im positivsten Sinne. Ohne Frage auch für die Bühne sehr gut umsetzbar. Weiß ich gar nicht, ob's schon eine Theaterversion gab. Diese Kinofassung ist jedenfalls 100 Minuten geballte Kompetenz, Konzentration und auf seine Art auch Coolness. Hintenraus noch schön makaber und blutig. In der Tradition von „A History of Violence“ oder den besten Momenten des ersten „Mafia“-Remakes (Videospiel). Dazu zum Glück ohne künstlich wirkende Akzente. Selbst Rylance, der auf mich oft immer etwas aufgesetzt, affektiert und drüber wirkt, passt hier voll rein, ist sogar Dreh- und Angelpunkt, als ob alles auf ihn (passend zu seinem Job in dem Film) zugeschnitten worden wäre. Und dass er trotz meinem sonst subjektiven Eindruck ein exzellenter Darsteller ist, bleibt unbestritten. Zoey Deutch ist eine natürliche Schönheit. Und „The Outfit“ im Grunde ebenso.
Fazit: stilvoll, maßgeschneidert, körperbetont - „The Outfit“ ist ein schniekes, brodelndes und cleveres Kammerspiel!