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Zu dem Vorabendkrimi in dreiviertelstündiger Form, deren Laufzeit bisher nur zweimal ganz am Anfang auf Spielfilmlänge ausgedehnt wurde und wo man ein derartiges Serienspecial ausnahmsweise für dieses Jahr auch wieder zum Jubiläum anvisiert, gesellt sich so noch etwas (meist unauffällige) Komödie, schon von der Verortung nach Bayerns Provinz und dem allgemeinen ländlichen Treiben im Speckgürtel von Chiemgau der moderne Heimatfilm und letztlich auch ein ganzer Batzen Soap, was nun recht auch an Zuwachs gewinnt. Dabei wird allerdings mehr die harmlose Variante gewählt, steht nicht etwa die Liebe und deren Schönes und Hinderliches im Vordergrund oder wird gar offen angebandelt oder andersrum intrigiert und korrumpiert, sondern stehen zuweilen kleinere Missverständnisse im Raum, die erst für viel Verwicklung und Verwirrung sorgen und kurz vorm Abspann wieder ausgebügelt sind. Auch da Bürogeschichten, Tratsch und Klatsch per Buschfunk, wobei die allermeisten Personen auch mitten im Leben stehen und fast alle auch kinderlose Singles, mit genug Zeit für andere 'Sorgen' also sind. Früher gab es auch noch richtig Zoff, heute ist der schöne Einklang und der geruhsame Frieden und rundherum entspannte Alltag zu auch jeweils besten Wetterbedingungen, wie ein tadelloser Urlaub und für den geneigten Zuschauer so die Idylle schlechthin eingekehrt. Zu den normalen Serienfolgen kamen in letzter Zeit diverse Serienspecial hinzu, meist im Winter während sonstiger Drehpausen gesetzt, hat man sich da vom Vorabendprogramm doch tatsächlich in die Primetime und dies zuletzt relativ regelmäßig katapultiert, 6,43 Mio. Zuschauer hat es gefreut und den Programmplanern und Produzenten bei einem Marktanteil von 21,7% auch:

In einem See entdecken zwei Spaziergängerinnen zufällig eine Männerleiche. Die zuständigen Beamten Hauptkommissar Anton Stadler [ Dieter Fischer ] und Hauptkommissar Sven Hansen [ IgorJeftić ] übernehmen mithilfe von Michael Mohr [ Max Müller ], der Pathologin Sandra Mai [ Sina Wilke ] und der Sekretärin Miriam Stockl [ Marisa Burger ] die Aufklärungsarbeit, und finden heraus, dass der Ermordete schon seit Monaten nach einer Klettertour vermisst wird, und aus einer schwerreichen Industriellenfamilie stammt.

Das winterliche Umfeld hält für den Zuschauer einige Bilder bereit, wird doch sonst überwiegend Sonne, höchstens mal Regen, aber auch keinen Fall Schneekleid wie hier gezeigt; wobei in "Ein eiskalter Tod" auch dahingehend etwas Flaute herrschte und eher etwas weit hinten am Horizont das Erkennen war. Hier herrscht ordentlich Winterwetter, was man in der ersten Szene schon sieht, wo Stadler hauptsächlich versucht, seiner Hausdame bzw. 'Pensions'wirtin einen Gefallen zu tun und sich ordentlich dabei abrackert, was zu viel ist, ist zu viel. Ein Tisch soll verstaut werden in einem Auto, für eine Tombola, gerade geht es in der eigentlichen Handlung natürlich, "Es gabat a Leich" auch hier zugleich, ein Toter im Wasser, von zwei Walkerinnen entdeckt, die Arbeit ruft, verzwickt verzwackt. Zum Glück hat die Kripo Rosenheim eine 100 prozentige Aufklärungsquote und ist auch für ihre Effizienz bekannt, das müsste sich mittlerweile auch unter den Kriminellen herumgesprochen haben, kein Ort für Mord, auch wenn noch so gut geplant. Der Kaffee ist auch schon fertig, da klingelt das Telefon, am Nordufer vom Bleisee, kaum den ersten warmen Schluck genossen, da muss es schon wieder hinaus in die Kälte, in das klamme Klima, so macht die Arbeit aber keinen Spaß, die Polizisten wirklich nicht zu beneiden, die Sekretärin bleibt im Warmen und der Rest der Belegschaft auch. Im Büro selber wimmelt es natürlich auch ordentlich, vor allem an der Rezeption, das füllt die Handlung, der Rest ergibt sich. Der Tatort wird besichtigt, ein junger Mann, ledig und keine Kinder und trotzdem seit vermisst gemeldet, seit drei Monaten sogar, die Finder der Leiche wissen mehr über den Toten als die Polizisten, dazu die Todesursache, ein offenes Schädelhirntraum und versenkt im See mit einem Seil an den Füßen, Raubmord auszuschließen, die KTU und die Taucher involviert.

Die Eltern werden informiert, ein imposantes Haus, da sind selbst die Beamten beeindruckt, der Zuschauer auch, so könnte man auch wohnen, ein großer Schock aber für die Anwohner bzw. Bewohner, man hatte mit dem Tod gerechnet, aber es bleibt trotzdem ein Schock. Befragungen werden schon gemacht, erst in die Mutter dran, die weiteren Kinder und die Lebensgefährtin sowie den Yoga-Lehrer instruiert und observiert; Stadler und Hansen das Stammprogramm, die ersten Hauptdarsteller in der Serie auch, relativ viele Verdächtige hier, eine doppelte Zahl zur übrigen Konstellation, eine doppelte Laufzeit, die füllt man schon. Das Herrschaftliche Anwesen muss auch irgendwann wieder verlassen werden, einige familiäre Diskrepanzen bereits deutlich und merkwürdig, viele Brüder und Schwager und Lebensgefährten hier, es bleibt in der Familie, "Menü komplett" wird abgefragt, das Betriebsklima, ob es Streitigkeiten gab, wie das Testament aussieht, alles drum und dran. Gerüchten wird nachgegangen, der Fall mit Diskretion behandelt, so gut wie möglich, dazu Einbestellungen ins Kommissariat, neben dem Gutshaus gibt es auch noch ein riesiges Loft, die Oberen Zehntausend, die Schönen und die Reichen; Erkundigungen über den Toten eingeholt und die Verblieben, einer von den möchte bzw. muss der Mörder sein, ein Ausschlussverfahren, ein professionelles Ermitteln.

Auch hier werden wieder Locations heimgesucht, die man vorher schon häufiger gesehen hat, sowieso ist die Struktur dieselbe wie immer, zudem gibt es vom Vorgesetzten Stress; wegen einer gänzlich anderen Angelegenheit, dafür wird die Spurensicherung nun auch zum Familienbesitz geschickt, Klatsch und Tratsch im Büro, viel in Bewegung hier, ein elitäres Gehabe. Eine Firma in Familienbesitz, locker das Geld, eine schicke Fassade, darunter bröckelt es, die Risse öffnen sich, erstmal die Persönlichkeiten abgeklopft, die Alibis kommen später dran, die Antworten gleichen sich, man geht auf Nummer Sicher; ebenso ist die Inszenierung und das Skript, eine Doppelfolge, einmal mehr Feierabend gemacht, auch der längste Arbeitstag hat Feierabend. Vermutungen werden angestellt, Antäuschungen, Gerüchten nachgegangen, ein Wilhelm Busch Zitat gebracht und alte Vermittlungsakten zum Vorschein gebracht. "Vergelts Gott", zwischendurch wird's grantelnd bis grantig, von den Männern und den Frauen gleichzeitig, und zwischendurch gibt es auch einen Blick auf die Verdächtigen, ohne die Polizisten in der Nähe, das bleibt sonst aus, hier wird aktiv(er) mitgerätselt, à la Agatha Christie plus Police Procedural, Heimatkrimi plus Schmierenkomödie plus Bauerntheater, Außenwirkung und Innenwirkung, auch hier wieder ein halbes Dutzend Motive, Ehebruch, Erpressung, Verkauf von Firmenanteilen, Unterschlagung, Lug und Betrug, Lügen und Verschwiegenheit, unklare Bankdaten, nach neuen Erkenntnissen wird hier öfters gefragt, pikante Blicke hin und her geworfen; und zwischendurch gibt es einen zweiten Fall, einen verjährten Bankraub, ein bisschen vollgestopft, große Pläne werden hier gemacht, die Familie auch relativ eigen und auf Krawall gebürstet. Am besten an dem Film sind die heimeligen Abendbilder, sonst nicht zu sehen, eine allgemeine Gemütlichkeit, die selbst den zweiten Mord übertüncht, kurz vor knapp noch einmal einen Toten.

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