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Pünktlich kurz vor Weihnachten ist auch Action-Star und Hollywoodikone Bruce Willis mit einer seiner beliebten Gaben für die treuen Zuschauer und die langjährige Anhängerschaft wieder da; Projekt Nummer 20 allein in diesem Jahr, oder lass es die 30 schon sein, American Siege in den Startlöchern gesetzt. Unermüdlich ist er jedenfalls, der Willis, auf seine alten oder wegen seiner alten Tage, die er mit emsig Arbeitseinsatz und dem Bestreben um bestmögliche Qualität trotzt und wo er das zeitgenössische Genre befüllt wie sonst nur Adkins und sonst niemand und sonst keiner:

Auf der Suche nach einer dringend benötigten schnellen Finanzspritze sucht der in Schwierigkeiten geratene Junginvestor und Kryptowährungsspezialist Paul Michaels [ Jesse Metcalfe ] nach mehreren Jahren begründeter Funkstille seinen Vater Robert Michael [ Bruce Willis ] in dessen Alterssitz, einem 'invitation-only,
one-of-a-kind destination retreat
' namens Forge Mountain auf; welches kurz nach seiner Ankunft und der Bekanntschaft mit der eng beschürzten Direktorin Kate Taylor [ Kelly Greyson ] allerdings von den Mannen um Ulysses [ Ser'Darius Blain ] überfallen wird. Dahinter steckt Fredrick Balzary [ Chad Michael Murray ] mit persönlicher Agenda, der dann schnell gegen die lokalen Bewacher und die die Verteidigung leitende General Dobbs [ Shannen Doherty ] anrennt.

So richtig auf ihr Geld zu achten oder es nötig zu haben scheint die ausführende EFO Films nicht, denn eigentlich hätte man dies Projekt hier – welches gar Beginn einer Trilogie sein soll – parallel zu Hard Kill mit Willis und Jackson drehen können und vor allem zu Survive the Night respektive Survive the Game mit Willis und Murray, in einem Rutsch und Ritt quasi, wenn man die Leute schon vor Ort hat und sie teuer bezahlt. (Zugpferd Willis jetzt, die beiden Fernsehnasen eher nicht.) Selbst den Regisseur von Survive the Game hatte man schon parat, James Cullen Bressack, der dort bewiesen hat, dass er vielleicht vieles kann und bestimmt keine Actionszenen; wobei er sein Nichtkönnen hier auch wieder ausführlich demonstriert. Dafür bekommt er einen Film mit ohne Budget in 10 Tagen ab- und um die eigentliche Hauptattraktion und Verkaufsschlager herumgedreht, wozu er auch hier (und dies gleich back-to-back) Gelegenheit hat und ebenso wie Hollywoods letzter Actionstar sein Bestes und dies mit Herzblut dabei gibt. (Bressack und Murray haben auch den zukünftigen Hot Seat gedreht, der dann allerdings nicht mit Kinomagneten Willis, sondern nur Mel Gibson und mit einer Synopsis wesentlich kleiner noch ist.)

In den Farben ist man wieder stark gefiltert und überzeichnet, alle Knöpfe und Regler auf Anschlag quasi, was gerade das Grün in sämtlichen Facetten angeht, hier ausnahmsweise aber zur Stimmung, zur Abschottung und Isolation des Ortes in vogelfreier Natur passt, zur Unwirklichkeit des Schauplatzes und teils auch ganz gut aussieht. Erreichen tut man den weit abgelegenen und vor allem stark beschützten und geheimnisvollen Ort nur mit Insiderinformation und tricktechnisch nur per Rückprojektion, letzteres effektemäßig auf der 'Höhe der Zeit' und nur für das geschulte Adlerauge zu erkennen.

Ein Retreat für die verschworene Gemeinschaft, ein Rückzug für die ältere Generation der High Society, die ihren verdienten Lebensabend in der wilden Natur und gleichzeitig mit allen Annehmlichkeiten genießen wollen und wo auf dem Plan im Freizeitpark mit der “Fort Knox Routine“ entweder das Schießen auf Hirschattrappen, das Lesen im Zusammenhalt oder das Yoga auf extra im Gras ausgelegten Gummimatten steht. Richtig geschossen wird später auch noch, dann auf sich bewegenden und fliehenden oder sich ebenso schwerbewaffneten und eifrig verteidigenden Zielen, bis dahin muss die Location aber erst gefunden werden und vorgestellt und infiltriert, was die ersten schnellen Minuten und die Aufmerksamkeit des geneigten Publikums in Anspruch nimmt.

"What's the plan?" - "We'll take him when he doubles back." - "That camera will be back up soon." - "Better he sees a hole in the fence than nine commandos."
Nervenkitzel de luxe demnach, ausgebremst ein wenig von den Zwischenschnitten zum ersten klärenden Vater-Sohn-Gespräch, welches erst in der letzten Einstellung offenbart, dass Vater Willis und Sohn Metcalfe tatsächlich nebeneinander sitzen und nicht etwa beide jeweils einzeln aufgenommen und später im Schneideraum als zusammengehörig montiert werden. Der Rhythmus ist teilweise wie mit der Axt gezimmert, darstellerisch ist das Ganze übrigens Pflichtübung, bestenfalls, manche hängen sich zwar richtig rein, sind aber nicht geeignet dafür und so deutlich darüber. Manche gehören auch gar nicht so richtig vor eine Kamera (die Botox-Ladies jeglichen Alters, ausgenommen die tatsächlich würdevolle, krebskranke Shannen Doherty), wobei auch die Inszenierung vom Bressack zuweilen in diese überkandidelte Richtung driftet und dann nahe an die Klippe zur Parodie und zumindest vollständig in den Gefahrenbereich des Trash dann rückt; was übrigens auch den Willis und seine 'Harter Mann' - Nummer dann mitzieht.

Thanks for coming in hot“ demnach, feiert man hier jede noch so kleine Actionszene und tut so, als ob man Abermillionen auf der Leinwand zündet und Spektakel ohnegleichen präsentiert, obwohl nur kleinklein und eigentlich nichts passiert. Ein Durchmarsch mit der Schalldämpferpistole, ein Zweikampf im Dschungelnebel, den Wachzaun des Compound kann man im Grunde umgehen und die Security ist schon beim bloßen Anzeichen von Alarm überfordert, während zum Glück die Söldnertruppe ebenfalls aus lauter Gurken und Nieten besteht. Zwischendurch wird sich von der Regie um ein paar Kopfschüsse und um eine Plansequenz bemüht, eine kurze nur, aber immerhin: Sie funktioniert.

Let's end this nonsense.
Eine merkwürdige Mischung aus Outdoor mit karibischer Flora und Indoor mit der Lagerhalle und dem dort allgegenwärtigen Lens Flare, dazu teilweise erstaunlich viel Frauenpower (zwischendurch stehen da drei Damen des militärischen Gewerbes allein mit Befehlsgewalt in der Kommandozentrale, während die Herren draußen auf dem Sofa hocken und über ihre Beziehung zueinander sinnieren), einem uniformierten Comic Relief, einer unangenehmen Foltereinlage mit Willis als Punching Ball und einer Geschichte, erdacht von Emile Hirsch und Randall Emmett höchstpersönlich, die vielleicht für eine gute Stunde taugt, aber spätestens dann unergiebig und sicher nicht die Plattform für ein Dreiteiliges und auch nicht mit dem spät vorgebrachten Cliffhanger hier ist.

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