Es wird geritten wieder, der Komik erneut die Sporen gegeben, nach längerer Pause, nach längerer Verzögerung und mit Anlaufphase, nach Black Dynamite (2009) hier der Western aufgenommen und parodiert, nicht Outlaw Josey Wales, sondern Outlaw Johnny Black. Initiiert und inszeniert von Michael Jai White, das Geld dafür als Herzensprojekt durch teilweise Crowdfunding, und zahlreiche bessere oder nicht bessere Auftritte in besseren oder nicht besseren B-Pictures im kleinpreisigen On Demand Sektor verdient, gerne neben dem ähnlich rackernden und dem sich genauso abstrampelnden Scott Adkins als weiterer Kollege im 'Actionsumpf' verirrt. In den seltenen Drehpausen wurde trainiert und wurde gespart und wurden die Vorbilder, die amerikanischen, aber auch die europäischen Vertreter, die ernsten und die weniger ernsten 'zur Brust genommen' und studiert, es wurden Zitate und Quellen übernommen und variiert oder modifiziert und manchmal auch kopiert, es wurden eigene Kreationen entwickelt und zuweilen auch seltsame Ideen oder gar sattsam Bekanntes und autarke humoristische Fettnäpfchen probiert:
Johnny Black [ Michael Jai White ] ist seit der Ermordung seines Vaters durch Brett Clayton [ Chris Browning ] vor 25 Jahren diesem auf der Fährte und auf Rache aus, wobei er selber als Outlaw behandelt wird und auch steckbrieflich durch bspw.Bill Basset [ Randy Couture ] gesucht wird. Als er eines Tages mehr durch Zufall die Identität von Reverend Percy [ Byron Minns ] annimmt, und so als Prediger getarnt in das Städtchen Hope Springs reinreitet, hat Black nicht nur die beiden reizenden Schwestern Jessie Lee [ Anika Noni Rose ] und Bassie Lee [ Erica Ash ] im Auge, sondern auch das Geld der Kirche, gerät allerdings schnell in den Blickfang vom argwöhnischen U.S. Marshal Cove [ Kevin Chapman ]. Außerdem steht in der friedlich scheinenden Stadt ein Machtkampf an, der Landbaron Tom Sheally [ Barry Bostwick ] versucht mit allen Mitteln, an ein bestimmtes Stück Land heranzukommen, und dies auch aus gutem Grunde.
Geritten wird dabei im Übrigen ausgiebig und auch ein bisschen im Kreise, von Wyoming nach Oklahoma, die Laufzeit des Filmes ist für ein derlei Projekt relativ stattlich, es wird viel Meilen gesammelt, der Film veranschlagt seine 130 Minuten, das ist nicht wenig. In eine Stadt wird eingekehrt, von oben kreisen die Geier, unten wartet der Sargmacher auf sein Geschäft, drei Holzkisten werden prompt geordert, drei Totenladen bestellt, der Inhalt selbst geliefert. Der Mann ist voll mit Rache, er dampft voller Wut. Doch vorher stören andere Belange noch, wird sich um etwas Beiläufiges hier gekümmert, etwas die Mittagsruhe und den entspannten Fuselkonsum beeinflussendes, am Ende der Auseinandersetzung, an der man sich gezwungenermaßen beteiligt hat, ist der Sheriff (durch Herzinfarkt aufgrund einer Schrecksekunde) tot.
Eigentlich kommt der Film genau zur richtigen Zeit, im Fernsehen brummt das Genre, das Yellowstone-Universum wächst stündlich, zuletzt mit dem passenden Lawmen: Bass Reeves (2023) und wird im Grunde mit dem Zweiteiler Horizon - An American Saga 2024 auch noch auf die große Leinwand ausgeweitet; die Verbindungen sind offensichtlich. Im Kino selber herrscht ansonsten weiterhin die Flaute, zugegebenermaßen, aber die Videoproduktionen brummen auch, vom B-Picture bis zur Amateuraufnahmen ist der Markt gerade mal flüssig und Produzenten und Klienten engagiert. Dass White hier ca. ein halbes Jahrhundert nach den Gehversuchen von Fred Williamson im Black Renaissance Western und genau 30 Jahre nach Posse – Die Rache des Jessie Lee (1993) in das Kostüm des Cowboys schlüpft, eröffnet zusätzlich noch viel Erinnerungen und Interpretationsspielraum, was spätestens bei der Titelsequenz sich auch deutlich im Gebaren des Filmes selber aus- und durchdrückt. Es wird auf eine lange Tradition wie Buck und der Prediger - Der Weg der Verdammten (1972) oder Einen vor den Latz geknallt (1975) hingewiesen und diese auch zum Vergleich bemüht, und nicht bloß in diversen musikalischen Referenzen darauf hingewiesen; Leute des damaligen Kinos wie Williamson oder Jim Brown machen hier übrigens Cameos.
Visuell sieht man dabei gediegen aus, man wirkt anders als viele zeitgenössische Vertreter nicht wie gänzlich Bauerntheater oder im Fasching nachgestellt, man gibt sich etwas Mühe bei den Kostümen und auch diese auszufüllen und nicht gleich aufzufallen, dass es sich bloß um Requisite und Akquise aus dem Fundus handelt. Ein gewisses echtes Leben, im Sinne natürlich einer allgemein doch deutlich humoristischen Szenerie ist durchaus vorhanden, die Komik selber kommt zuweilen überraschend, auf leisen Sohlen, manchmal aber auch mit dem Tritt durch die Tür. Oft handelt es sich um Widerworte, die gegeben werden, den Sprachwitz, oft auch das Gegenteil einer Behauptung, der Kontrast zwischen einer Aussage und der Wirklichkeit, oder dem Gesagten und dem Gezeigten, zuweilen wird auch bloßer Slapstick arrangiert. Es wird sich nicht allgemein über die Lage lustig gemacht, aber sie (trotz eines Eröffnungsmassakers in einer Bank als Bestandteil einer Rückblende) auch nicht als unbedingt ernsthaft betrachtet, die Guten sind gut, die Bösen sind böse, das bleibt schon so, aber wird hier nicht auf die Goldwaage gelegt, auch der Umgang mit den 'Indianern', dem indigenen Volke nicht.
Die gewisse Entspanntheit im allgemeinen Erzählen und auch das Unverkrampfte der Benutzung und Nutzung unterschiedlicher komödienhafter Mittel macht den Film beizeiten unterhaltsam und so sympathisch und zugänglich zugleich, trotz einer gewissen Schwere in den moralischen Tiefen der Handlung, geht es doch um die Entscheidung zwischen Vergebung und Gerechtigkeit, und wird auch die Beobachtung des feigen Mordes des Vaters, die Ausgangslage der Geschichte gezeigt. Die Inszenierung der einzelnen Bestandteile ist erfreulich sicher, es wird die Übersicht bewahrt und dennoch kleinere Details hervorgehoben, die Rückblendenstruktur ist punktuell, die Erzählung trotz mehrerer auch nötiger Erkenntnisse zwischendurch und damit Erweiterungen vergleichsweise konventionell. Sie könnte auch den 'harten' Weg gehen, sie macht sich nicht prinzipiell über sich selber und die Umstände lustig, sondern bringt nach Gusto und zur Auflockerung Pointen hinein, manchmal Running Gags, die gerne auch auf Der wilde wilde Westen (1974) verweisen, manchmal auch dem Zeigen der Absurdität des Wesens, manchmal gibt es auch Groteskes zu sehen, manchmal ist das auch Klamauk Marke Tyler Perry, oder sowas wie ein Acid Western, wie Greaser's Palace (1972).
"And it don't matter what the book says. It's not about what you have in your pocket. Uh-uh! It's what your pocket has in you! It ain't the man who milks the cow. Uh-uh! But the cow that milks the man! And what's that cow gonna tell me?" - "Moo?" - "That's right!"
Dabei werden auf mehr oder (eher) minder dringende Art und Weise Religion (≙"Mumbo Jumbo") und ihre Auslegung angesprochen, Rassismus, Racial Profiling, Whitetrification, alles so bisschen im Nebenher und nebenbei, die Geschichte selber macht viel Nutzen aus den Erzählungen der Spaghettiwestern, falsche Identitäten und Landgewinn auf illegale Art und Weise, Sheriff gegen Großgrundbesitzer oder einfach der Neuankömmling in der Stadt als Befreiung dieser. Dabei wird hier eine gute Palette an unterstützenden Nebendarstellern aufgeboten, Kevin Chapman vor allem, Barry Bostwick, aber Byron Minns als 'Partner' oder Brett Clayton als der Bösewicht. Produziert ist das Ganze –, welches nicht sonderlich niveauvoll ist, das waren die Vorgänger im Geiste im Ausnahmen aber auch nicht, und es ist nun mal Entertainment – dabei sehr solide, die es sieht angesichts der sicherlich nicht üppig vorhaltenden Finanzen (Black Dynamite hatte ein Budget von nicht ganz 3 Mio. USD, es wird sich über die Jahre hier nicht potenziell vergrößert haben, zumal die verfügbare Drehzeit von drei Wochen dieselbe war) ebenso solide aus, man macht keinen großen Radau, aber muss sich des Gezeigten auch nicht (wie die aktuellen Dead Man's Hand oder Zwei Sünder Und Ein Maultier) des Gebotenen schämen. Um Action geht es derweilen nicht, auch wenn im Showdown scharf geschossen wird und sowohl Nahkämpfe vorhanden sind, auch als eine direkte Long Riders (1980) Einfügung, also Stock footage, wirkungsvoll inkludiert, nur dennoch direkt übernommen und den eigenen Szenen angepasst und so als nahezu Hauptattraktion eingebunden; da wäre eine Nachstellung und damit eigene Kraftanstrengung erfreulicher gewesen.