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Es ist der Fluch des dritten Films: Nach einem mäßigen ersten Teil und einem dann doch überraschend spaßigen Sequel bildet der Abschluss der JURASSIC WORLD Trilogie gleichzeitig ihren Tiefpunkt.

Insbesondere die erste Hälfte des wieder einmal überlangen Films verleitet mehrfach zum vorzeitigen Verlassen des Kinosaals, so schlecht, billig und klischeehaft sind Aufbau und Figurenzeichnung, angefangen von den platten Dialogen über zigfach gesehene Locations bis hin zu Makeup und Kleidung – so bekommt beispielsweise der zerknirschte Wissenschaftler Dr. Wu (BD Wong) nicht nur graue Strähnchen verpasst, sondern muss auch in einem kratzigen Lehrerpullover durch den ganzen Film schlurfen, damit ihm ja keiner für seine vergangenen Taten in den letzten Filmen böse sein kann. War ja auch nur die Entwicklung des gefährlichsten Sauriers der Welt – no hard feelings.

Die Story (u. a. von Colin Trevorrow, der auch für Co-Drehbuch, Co-Produktion sowie Regie und damit wohl maßgeblich für das Scheitern des Gesamtwerkes verantwortlich ist) wird nur von ein paar hauchdünnen Fäden zusammengehalten und verlässt sich in der Hauptsache auf haarsträubende Zufälle.

Chris Pratt, verlässliche Charmeoffensive der ersten beiden Filme, hat hier entweder von Trevorrow Grinseverbot bekommen oder nimmt sich mittlerweile selbst so ernst, dass er dachte, er tut jetzt mal wie ein richtiger Schauspieler. Schade, so geht selbst die bislang recht unterhaltsame „Indiana Jones“-Attitüde der Reihe flöten. Zumindest beinahe.

Denn in etwa der Mitte des Films erscheint mit Dewanda Wises Transportpilotin plötzlich eine neue Figur auf der Bildfläche, die nicht nur den Hauptfiguren, sondern auch dem ganzen Film den Arsch rettet. Die gesamte Malta-Sequenz wirkt mit einem neuen Bösewicht und altem/neuem Partner (Dichen Lachman und Omar Sy, die beide nach dieser Szene kommentarlos aus dem Film verschwinden) zwar so, als wäre sie nachträglich eingefügt worden, um endlich etwas Schwung reinzubringen. Aber das tut sie auch: Die wilde Raptorenverfolgungsjagd durch die engen Gassen ist so dermaßen wahnwitzig over the top, dass man nur ungläubig lachen kann und für ein paar Minuten tatsächlich vergisst, was man bisher mit ansehen musste.

Angetrieben von dieser Actionsequenz nimmt JWD dann in seiner zweiten Hälfte endlich etwas Fahrt auf, präsentiert uns einige der bewährten „Don’t move!“-Szenen mit diversen bedrohlichen und putzigen Dinos sowie den vielleicht effektivsten Jumpscare des Kinosommers. Hier lohnt dann auch endlich die 3D-Umsetzung, die bislang hauptsächlich dazu genutzt wurde, um uns Chris Pratts Dinobeschwichtigungspranke aus nächster Nähe zu zeigen.

Aus seiner eigentlich interessanten Prämisse – die Koexistenz von Menschen, Sauriern und restlicher Fauna – macht der Film nach seinem Intro so gut wie nichts, er spielt letztlich auch wieder nur in einem noch größeren Jurassic Park. Erst die poetischen Schlussbilder deuten an, was alles möglich gewesen wäre.

Aber vielleicht zielt bei diesem Film letztlich doch alle Kritik ins Leere. Schließlich beschwert man sich auf dem Oktoberfest auch nicht über das mangelnde Gesprächsniveau im Bierzelt, sondern genießt die Achter- und Geisterbahn. Nur etwas mehr Thrill hätte es ruhig sein dürfen.

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