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Es gehört ja schon fast zum guten Ton, sich über deutsche Independent-Filme im Horrorbereich zu beklagen, was in den 90ern mit einigen tatsächlich unsäglichen Beiträgen seinen Anfang nahm. Der fünfte Langfilm von David Brückner versucht sich an einem Slasher mit einigen Referenzen, was ihm zumindest auf technischer Seite recht ordentlich gelingt.

Es ist ein Tag vor Halloween und eine Crew von sechs Leuten ist damit beschäftigt, im Alptheater die Premiere von „Der Wolf und die sieben Geißlein“ vorzubereiten. Erst spät bemerkt die Truppe um Schauspielerin Emma, dass in dem scheinbar verwaisten Theater ein Killer mit Wolfsmaske umgeht…

Die Werke der Grimm Brothers haben es dem Filmemacher offenbar angetan, denn zuvor bediente sich Brückner einiger Motive von Rapunzel, um letztlich ein Geistermädchen loszuschicken. Nahezu begrenzt auf das Interieur des Theaters, dauert es eine ganze Weile, bis der Killer zuschlägt, mal abgesehen von dem konventionellen Expositionsmord an zwei Randfiguren.

Das Ratespiel um den oder die Killer macht im Regelfall einen großen Reiz des Genres aus und diesbezüglich macht sich allerspätestens mit der Enthüllung Ernüchterung breit. Denn eine Ahnung schleicht sich bereits nach wenigen Minuten ein, einschließlich einiger damit verbundener Unwahrscheinlichkeiten.
Leider bilden die potenziellen Opfer nicht mehr als oberflächliche Klischees und obgleich ein kurzes Gespräch über die Macht von Werwölfen für Aufheiterung sorgt, mangelt es an eindeutigen Sympathieträgern.

Auf die Egosicht des Killers hätte man derweil verzichten sollen, zumal das schwere Atmen unter der Maske und die Rotfilter mit kleinem Sichtfenster etwas zu abgedroschen rüberkommen. Eine an Freddy Krüger erinnernde Krallenhand ist indes ein nettes Gimmick und auch sonst kann man sich über diverse, handgemachte Splattereffekte nicht beschweren.
Hier geraten Klingen in Hals und Kehle, ein Messer landet im Brustkorb und obgleich der Wackerstein eher symbolisch und weitgehend im Off eingesetzt wird, spritzt das Blut ordentlich.

Auf handwerklicher Ebene sieht man dem Werk das geradezu lächerliche Budget von 25.000 Euro kaum an, denn die Kamera arbeitet variabel, der Einsatz diverser Farbfilter erinnert entfernt an die typischen Stilmittel eines Giallos und der Score treibt vor allem im finalen Akt ordentlich an. Darstellerisch sind die weitgehend unbekannten Mimen eher durchschnittlich unterwegs, da einige gnadenlos dem Overacting frönen, während andere zu sehr damit beschäftigt sind, ihren Text möglichst authentisch rüberzubringen, was teilweise zu bemüht rüberkommt.

Dennoch sind letztlich taugliche Ansätze vorhanden, denn die knackige Laufzeit von 83 Minuten (mit drei zusätzlichen Szenen während des Abspanns) wird zumindest ab der zweiten Hälfte ordentlich genutzt, es gibt einige sauber gestaltete Gewalteinlagen und ein einigermaßen temporeiches Finale. Das Drehbuch schwächelt hingegen deutlich und lässt keine wirklichen Überraschungen zu und auch das Mitfiebern hält sich aufgrund eindimensionaler Figurenzeichnungen in Grenzen.
Genrefans erhalten demnach einen passablen Slasher, der zwar hinter seinen erzählerischen Möglichkeiten zurückbleibt, die Mechanismen des Subgenres jedoch angemessen bedient.
6 von 10

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