Der Neuankömmling in der fremden Stadt, das Ärger machen und Anlegen großteils unverschuldet mit der lokalen Obrigkeit. "We don't like strangers in this town.": Ein wenig arg deutlich sieht man noch die Wurzeln der Rambo-Referenz, die ursprünglich noch intensiver im Skript gelegen haben sollte und welches man angepasst hat an die Umstände und mit neuen Facetten, ob nun gut oder im Nachhinein schlecht geschmückt. Der Fremde und der mit der Rache wird hier von Paul Sloan gespielt, einem langjährigen Mitarbeiter von Christian Sesma mit bislang gewichtigen Nebenrollen, der hier mit ordentlich kantigen Aussehen und entsprechender Figur auch in den Mittelpunkt der im Herbst 2020 gedrehten Independentproduktion rückt:
Als die Mannen um den die lokale Kleinstadt bestimmenden Geschäftsmann Nichols [ Jake Weber ] den Fremden Jake Hunter [ Paul Sloan ] nach einer Schlägerei und Verletzung von Nichols' Sohn Bobby [ Hudson Garland ] 'festnehmen' und foltern, ahnen sie noch nicht, was für Probleme auf sie zukommen. Hunter ist auf der Suche nach seiner Tochter Melissa [ Claire Kniaz ], die er um Nichols herum vermutet und auf dessen Anwesen er nach seiner Flucht auch bald Stunk macht. Da Nichols windige Geschäfte am Laufen hat und keinen Ärger braucht, hetzt er seinen Trupp, angeführt von Stone [ Brian Hayes Currie ] auf den Eindringling, benötigt aber bald weitere Unterstützung, die ihm auch Hunters Ausbilder Murphy [ Richard Dreyfuss ] nahelegt.
Eine Bar in Coachelle dabei der erste Anlaufpunkt, eine Stripkneipe, in der die Mädels sämtlich barbusig sind und sowieso nur mit Unterwäsche, dem String, dem Nötigsten überhaupt am Leibe bekleidet und auch nur paar zu alt gewordene Teenager die 'Herren des Ladens' und die einzigen Kunden zugleich sind. Sex, Flüche, Gewalt in Form von Prügeleien, das sind die ersten Momente des Filmes, eingeleitet von einer der markanten Drohnenaufnahmen der durchaus faszinierend scheinenden, seltsam zwischen Kargheit und Ruhe und Trostlosigkeit und Verwahrlosung pendelnden Gegend.
"This isn't how we do things around here." heißt es etwas später, da wurde im Sheriffbüro, aber nicht seitens der Gesetzeshüter einem gefesselten Mann gerade eine Tüte über den Kopf gezogen und ihm so die Luft vollends abgeschnürt. Ein skrupelloses Klima, eine strenge Bebilderung in fast schwarz-weiß Tönen, eine brutale und toxische Maskulinität, die sich hier breit macht, vor allem aber auch mehr Antrieb vom Start weg als die letzten Arbeiten vom Sesma, den Guy-Ritchie-Wannabe Paydirt und das knarzige Take Back, der keine richtige Action bietet und auch sonst nicht viel. Hier ist dann schon mehr los und schon mehr aktiv, The Big Ugly macht sich auch breit, Drogen, White Trash, mafiöse Strukturen und bald ein Toter vor der Veranda, die Jagd beginnt. Dabei wird auch hier ein weitgehend uneinsehbares Kampfgebiet eröffnet und ein Privatkrieg geführt, ein Mann gegen alle Anderen, die sich speisen aus korrupten Cops und privaten Söldnern. Maschinengewehre knattern, es wird in den Nahkampf gegangen und das Blut verspritzt.
"When I got the script, it was a different title and technically a different theme in a way, a very Rambo-type movie. I felt there was an opportunity to take one of the layers of the story and really bring it out of what it was on the page, really explore the relationship and what it is to be a father. I have two daughters, so I really wanted to explore that relationship and try to infuse some drama and heart and tension and heartache into what would normally be a standard shoot 'em up. So I think that was really what that was, just exploring loss and fatherhood and failed fatherhood, really, at the heart of what this movie is."
~ Christian Sesma
Was anders ist als im Klassiker von Ted Kotcheff ist der Grund dahinter, der Antrieb und das Ausstoßen aus der Gesellschaft plus anschließend der Kampf dagegen. Rambo hatte sein Vietnamtrauma, Hunter hier fühlt sich als schlechter Vater und vermisst seine Tochter, was zu allerlei Rückblenden mit einem Werdegang mal besser und öfters schlechter und zu durchaus rührseligen Szenen mit sich wiederholenden und so nicht gewinnenden, sondern bald sich gegenseitig auflösenden Erklärungswert führt. Da wäre weniger von besser gewesen, und weniger wäre mehr. Boden etwas gut machen tut man bei der Wahl einiger Darsteller, Sloan lebt die Sache physisch aus, Weber ist ein Vorteil, selbst Dreyfuss, der hier eine Art windiger Crenna - Verschnitt gibt, gewinnt über die Zeit mit seiner Undurchsichtigkeit; die ersten Auftritte sind übel überspielt, später in der Interaktion ist er besser und wirkt. Dass man kein großes Geld in der Hinterhand hat, wird mit dem Heimvorteil - Sesma dreht in der Heimat und nutzt alte Vertraute und die Crew mit als Background - sowie dem geschickten Antäuschen von Dingen, die man sich nicht leisten kann und die nicht da sind, wieder wettgemacht. Teilweise wirkt man auch tatsächlich wie ein Actionfilm, mit Hinterhalten im Waldessdickicht und dem Einmarsch in die Stadt, die seitens der Paramilitärs dann bis zur Schießerei vorm Rathaus 'großflächig abgeriegelt wird'.