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Wenn sich der Geisteszustand einer Figur im titelgebenden freien Fall befindet, kann es für das Publikum schon mal ein wenig verwirrend zugehen. Folgt die Erzählung konsequenterweise der Sichtweise der betroffenen Person, klammert man sich unweigerlich an kleinste Hinweise, um der Wahrheit ein Stück näher zu rücken. Diese Rechnung geht beim zweiten Spielfilm von Regisseur Adam Stilwell jedoch erst in der zweiten Hälfte der Geschichte auf.

Nach einem traumatisierenden Erlebnis in ihrem Elternhaus, verübt Sara (Andrea Londo) einen Suizidversuch, wird jedoch von ihrem Ehemann Nick (Shawn Ashmore) gefunden und daraufhin gepflegt. Obgleich sie sich aufgrund eines Gedächtnisverlustes nicht an die aktive Beziehung mit Nick erinnern kann, versucht Sarah Bruchstücke ihres bisherigen Lebens zu rekonstruieren. Doch auf der Suche nach der Wahrheit kann sie scheinbar niemandem vertrauen…

Immerhin bleibt Stilwell seiner Linie von Anfang an treu und hält an Sarahs Wahrnehmungsebene fest, bei der viele Alpträume eine surreale und teils beklemmende Atmosphäre schüren. Bereits die Exposition, als ihre Mutter im Brautkleid auf ihren Dad einsticht, um sich anschließend selbst zu richten, wirkt wie der Ausschnitt eines alptraumhaften Blutszenarios, welches jedoch real zu sein scheint, denn schließlich befindet sich Sarah nicht von ungefähr in einem desolaten Zustand.

Dass dem Ehemann in derartigen Situationen nicht gänzlich zu trauen ist, erschließt sich ebenso wie die dubiose Rolle einer Pflegerin/Haushälterin, die mit einigen harschen Bemerkungen das Misstrauen Sarahs hervorruft. Weniger dominante Rollen spielen in dem Gefüge Sarahs Schwester und ein ominöser Mann mit einem Schlüssel.
Zunächst dauert es allerdings eine ganze Weile, bis etwas mehr als nur Alpträume und Nahaufnahmen einer verstörten Hauptfigur ein wenig Abwechslung in das düstere Treiben bringen.

Die bewusst unzuverlässig wirkende Sichtweise der Geschehnisse tritt besonders in der ersten Hälfte oftmals auf der Stelle, einige Szenen wiederholen sich bis zu fünf Mal und die kurz gehaltenen Konversationen zwischen Sarah und Nick fördern nur vage Erkenntnisse zutage.
Erst als im letzten Drittel eine Dinnerparty ansteht, verdichten sich Hinweise und es zieht sich eine gewisse Schlinge der gefühlten Ausweglosigkeit zu. Es dürfte kein Zufall sein, dass Stilwell jene Szenen mit einem musikalischen Dreivierteltakt untermalt, wodurch einige Parallelen zu „Eyes Wide Shut“ erkennbar werden.

Ein finaler Twist ist bei alledem eher unausweichlich und durchaus willkommen und tatsächlich liefert er weitgehend schlüssige Komponenten, welche dennoch ein gesundes Maß an Interpretationsfreiraum zulassen. Zudem überrascht die Richtung der Auflösung ein wenig.
Der insgesamt sauber angepasste Score und die souveräne Kamera, welche das Spiel mit einigen Spiegeln gekonnt beherrscht, gehen mit den soliden Darstellerleistungen einher und auch die Ausstattung des zeitlos wirkenden Anwesens geht in Ordnung.

Nach einer eher schleppend anmutenden, ersten Hälfte gestaltet sich der weitere Verlauf deutlich interessanter und entsprechend spannender. Zwar gerät das Treiben nicht übermäßig blutig und man hat es unterm Strich mehr mit einem Psychothriller denn reinem Horror zu tun, doch das Gesamtbild vermag, nicht zuletzt aufgrund der Auflösung zu überzeugen.
6,5 von 10

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