Review

Der introvertierte junge Mann Abram kehrt nach längerem Aufenthalt in der Stadt in sein von Landwirtschaft geprägtes Heimatdorf irgendwo in Niederbayern zurück. Schnell kommen Gerüchte auf, Abram sei im Gefängnis gewesen, weil er „mit Männern herum macht“. Derweil behauptet die Dorfdirne Hannelore (Angela Winkler) von Abram schwanger zu sein. Von den Phrasendreschern und Kleingeistern der Dorfgemeinde in die Enge getrieben, eskaliert die Situation…

Der auf einem Theaterstück basierende JAGDSZENEN AUS NIEDERBAYERN war der erste abendfüllende Spielfilm des gebürtigen Rheinländers und Regisseurs Peter Fleischmann (DOROTHEAS RACHE, DIE HAMBURGER KRANKHEIT). Der Film zeigt auf bitterböse Weise die Mechanismen des bäuerlichen Dorflebens auf, wo die Hackordnung die Andersartigen an den Rand der Gesellschaft drängt. Das Thema Homosexualität steht im Vordergrund, ist im Prinzip aber mit jeder anderen Form des alternativen Lebenswandels austauschbar. Dies sieht man an den Dorfbewohnern, die zum Ziel der Hetzjagd werden: der vermeintlich(?) Schwule, die sexuell Freizügige und ein geistig behinderter Junge. Allesamt passen sie nicht ins Bild der Dorfidylle und in das arbeitsame Buckeln zwischen Feldarbeit und Schlachthof. Klar haben sich die Zeiten geändert. Der Film entstand im Jahre 1969. Die Jahre nach dem Krieg waren geprägt von harter Arbeit, Entbehrung, Zwangsgemeinschaft und Armut. Die im Film dargestellt Gesellschaft ist also in sich stark gefestigt, starr und somit auch stur. Man kann den Streifen aber auch außerhalb dieses Kontextes betrachten. Jeder der auf dem Land aufgewachsen ist und mit der Fähigkeit gesegnet war, über den Tellerrand hinaus zu blicken, wird Abrams Schicksal nachempfinden können. So reicht es oftmals schon aus nichts von der Kommerzkacke im Kino oder DSDS zu halten, sondern eine Vorliebe für den phantastischen (gewaltverherrlichenden, blutrünstigen etc.) Film zu haben, um das „Dorfg'schmaaz“ auf sich zu ziehen. Engstirnigkeit ist schlichtweg zeitlos. So stoßen auch vor allem die Szenen hart auf, in denen Ablehnung an die Stelle der (in der christlichen Gemeinde hochgelobten, aber kaum praktizierten) Nächstenliebe tritt, z.B. wenn sich die Mutter gegen den eigenen Sohn wendet („Man hat kein Recht, wenn man gegen die Natur ist!“). Die Klimax der Boshaftigkeit ist aber gewiss bei der Schweineschlachtung erreicht, während welcher die Dorfhallodris und Bierdimpfel darüber palavern, was sie am liebsten mit dem „warmen Bruder“ anfangen würden. Da sieht man förmlich den Aussätzigen in Form der Sau auf der Schlachtbank liegen und mit dem Hackebeil bearbeitet werden.
Unter den Schauspielern befinden sich bekannte Gesichter wie Hanna Schygulla (KATZELMACHER, EFFIE BRIEST) aus der Fassbinder-Clique, sie gibt hier ihr Leinwanddebüt, und Angela Winkler (DIE VERLORENE EHRE DER KATHARINA BLUM, DIE BLECHTROMMEL).

Fazit:
Pfundig! Urig! Bitterböse! "Bayern, des samma mia" von seiner hässlichsten Seite. Bringt den Hass, den man auf Kleinbürgerlichkeit und die Lederhosenfraktion haben kann, ziemlich auf den Punkt.

Details
Ähnliche Filme