Review

Coming-of-(Space-)Age

Zeit, Erinnerung, Kindheit, spezielle Animation, Liebe, Nostalgie… All das waren schon immer Themen und Stile und Ansätze, die Regisseur Richard Linklater scheinbar interessieren und für die er steht. Und sein vor vier Jahren leider auf Netflix ziemlich untergegangene „Apollo 10 1/2“ hat seine Zehen in all diesen Komponenten - und legt dem filmisch noch immer boomenden Thema „Retrofetisch“ eine ganz besondere, heilende, kreative und heimelige Decke über, wenn er aus seiner Kindheit zwischen NASA, Popkultur, Träumen und Wärme der Familie erzählt… und irgendwie auch von der (chaotischen und widersprüchlichen) USA dieser Zeit. 

Blick in ein anderes Zeitalter

„Apollo 10 1/2“ fühlt sich an wie eine Erzählung von Opa, wie ein Wochenschaurückblick, wie Raumfahrerwerbung, wie ein Traum der Jugend, wie die USA aus einer wärmeren Epoche, wie Linklater in full effect und auf seinem Zenit, wie fließende Kreativität, wie ein endloser Sommer, wie ein Schub zur Galaxie, wie eine Diashow, wie eine Erinnerung, wie ein Weichzeichner, wie eine (un)kritische Bestandsaufnahme der Vergangenheit, wie ein warmer Sommerregen, wie eine Explosion der Emotionen, wie ein Hippiehüftschwung, wie der All-American-Dream, wie eine Machtdemonstration, wie ein erprobtes Experiment, wie ein Tag am Meer, wie ein Kinowunderland, wie ein wohliger Fiebertraum, wie aus der Hüfte geschossen, wie eine tolle Schallplattenentdeckung, wie ein Baumhaus, wie ein Querschläger, wie ein Lieblingswitz, der einen immer wieder zum Lachen bringt, wie eine Werbung für familiäre Werte, wie deine Lieblingseissorte, wie eine Pyjamaparty, wie NASA-Nachrichten, wie eine Watchlistbereicherung, wie eine Zeitmaschine, wie eine Zeitkapsel, wie ein toller Zeitvertreib, wie die Nationalhymne, wie ein Hauch von Nichts, wie ein Blick durch den Türschlitz, wie ein leckereres Abendessen, wie ein verspielter Augenöffner, wie ein Gruß aus einem vergangenen Leben, wie Etwas das K.I. noch lange und eventuell nie so fühlbar und glaubhaft hinbekommen wird, wie ein Rat vom weisen Onkel. Für mich tatsächlich einer von Linklaters Besten. 

Eine warme Collage aus der Kindheit… eines Fremden

Fazit: Stilistisch besonders (obwohl er das natürlich schon in „Waking Life“ und „A Scanner Darkly“ erprobt hatte), thematisch vielschichtig, nostalgisch nicht zu verklärt, humorvoll mit Gefühl… Einer meiner experimentelleren Favoriten von Richard Linklater! Es braucht nicht immer „Handlung“. 

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