Review

Biss & Banalitäten


Wie 2020 auch schon lässt Netflix mit diesem Hybrid aus Comedy Special, Jahresrückblick und Film das (zweite Pandemie-)Jahr augenzwinkernd, zynisch und satirisch Revue passieren. (Gestellte) Wissenschaftler, Reporter und „ganz normale“ Bürger kommen hier zu Wort und kommentieren wichtige gesellschaftliche Ereignisse des Jahres. Fast ausschließlich aus amerikanischer Sicht. Von Trumps Abwahl über große Kinofilme wie den neuen James Bond bis zu den vielen Varianten der Coronapandemie. Und zwischendrin sogar noch Eigenwerbung für den Streaminggiganten. Aber das ist nicht der einzige fade Beigeschmack den dieser (ohne Frage und in mehrerlei Hinsicht deutlich einseitige) Kommentar hat…

„Death To 2021“ ist unspektakulär wie das Jahr was er beschreiben zu versucht. Im Leerlauf. Blass, nicht bissig genug, im zweiten Jahr seiner Umsetzung schon abgenutzt und durchgenudelt. Keine Tradition, die beibehalten werden müsste, wenn’s nach mir geht. Natürlich deutlich einseitig gegen rechts, gegen dumm, gegen zerstörerisch, gegen asozial. Aber welcher einigermaßen gerade denkende Mensch würde Dinge wie die Stürmung des Parlaments oder das Verhalten von Trump gutheißen? Dagegen darf man schon mal krass und einseitig feuern, wie es auch Adam McKay mit seinem neuen „Don't Look Up“ toll gezeigt hat. Aber „Death To 2021“ ist natürlich noch viel platter und auf weitere Weisen einseitig als andere Satiren. Die katastrophalen Unwetter in Deutschland werden nur in einem Nebensatz abgehandelt. Andere Länder neben der USA scheinen auf dem Planeten die vierte bis achte Geige zu spielen. Ärgerlich, aber jetzt auch kein Weltuntergang. Doch auch in seinen immer gleichen Themen und Spitzen gegen Trump-Wähler, Impfgegner und anderweitige Idioten zum Thema des Jahrzehnts wirkt er unfassbar schnell fahl, faul und auf unterstem Niveau. Ich würde Lügen, wenn ich sagen würde ich hätte nie die Miene verzogen. Über manch einen Spruch der „All American Hausfrau“ oder der englischen Tinder-Madame musste ich definitiv lachen. Auch über Hugh Grant als rassistischen britischen Elitelisten schmunzeln. Das war zu Silvester schon bessere Unterhaltung als die tausendste Chartshow mit einem debil-künstlich lachenden Oliver Geissen oder die seelenraubende Farce vor dem Brandenburger Tor der Öffentlich-Rechtlichen. Allzu weit davon entfernt ist’s allerdings leider auch nicht. 

Fazit: ein blasseres Jahr, ein blasserer „Jahresrückblick“. Und zwischendrin noch Eigenwerbung. Nein, sorry Netflix, aber für 2022 brauche ich das nicht. Selbst wenn ein paar brauchbare Gags und Kommentare dabei waren. 

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