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Staffel 1

Der ehemalige Militär-Ermittler Jack Reacher wird kurz nach seiner Ankunft in dem kleinen Südstaaten-Kaff Margrave von der örtlichen Polizei als Mordverdächtiger festgenommen. Zwar wird er aufgrund eines wasserdichten Alibis schon kurze Zeit darauf wieder auf freien Fuß gesetzt, jedoch stellt sich heraus, dass es sich bei dem besagten Opfer tatsächlich um Reachers älteren Bruder Joe handelt, zu dem dieser jedoch schon jahrelang keinen Kontakt mehr gehabt hatte. Als es in der Folge zu weiteren Morden und Hinrichtungen kommt, unterstützt Reacher die Polizei bei ihren Ermittlungen und kommt so einem international operierenden Geldfälscher-Ring auf die Spur, der von Margrave aus agiert und mit brutaler Gewalt die Geschäfte am Laufen hält... Okay, Hauptdarsteller Alan Ritchson kommt rein äußerlich der Beschreibung der Titelfigur von Lee Childs Roman-Reihe als Zwei Meter-Schrankwand wesentlich näher als Sitzriese Tom Cruise, aber ist die Amazon Original-Serie "Reacher" nur deswegen schon besser als die beiden Kinofilme? Es ist zwar davon auszugehen, dass die Handlung des hier adaptierte ersten Buchs der Reihe "Killing Floor" (zu deutsch "Größenwahn", nie gelesen, sorry) in der Präsentation in Form von acht Episoden à 45 Minuten sich sehr viel akkurater wiedergeben lässt, als das bei normaler Spielfilm-Länge der Fall gewesen wäre, aber ich bin mir echt nicht sicher, ob das wirklich positiv zu werten ist. Der mit der heißen Nadel gestrickte Krimi-Plot inklusive einiger "C.S.I."-mäßiger Absurditäten bei der Beweis-Findung (es gibt hier wieder mal 'ne Zauber-Software, mit der sich knackscharf beliebig weit in jedes Foto rein zoomen lässt), Ermittlungs-Hinweisen und -Spuren, die sich dem Protagonisten ganz augenscheinlich nur deshalb erschließen, weil er halt das Drehbuch gelesen hat, sowie die reingefriemelte Romanze mit der hübschen Kleinstadt-Polizistin, die nach Actiongülle-Manier der 80er und 90er Jahre im erstbesten dramaturgisch opportunen Moment zum Held unter die Dusche hüpft... das alles lässt einen wieder mal die Vermutung anstellen, dass es sich bei der Vorlage nicht unbedingt um, ähem, große Literatur handelt. Einige arg auffällige Continuity-Fehler sowie Kampf-Szenen, in denen die Schläge ziemlich offensichtlich nicht connecten, lassen die Chose leider auch handwerklich ziemlich schludrig zusammengeschustert und nicht unbedingt wie ein Premium-Produkt aussehen, mit dem man jetzt den Streaming-Markt auf links krempelt. Insgesamt unterhält "Reacher", trotz einiger markiger Brutalitäten, nämlich nur auf mittelprächtigem Niveau. Schade.

6/10

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