Review

Lange Zeit war es ruhig um Kari Sorjonen (Ville Virtanen), den genialen Ermittler der finnischen Polizei. Zuletzt hatte er sich nicht mehr vor die eigene Tür getraut und war deswegen in einer Art Pflegeheim untergebracht, in dem ihn nur seine Tochter Janina (Olivia Ainali) besuchen durfte, nun aber stehen seine Kollegen wieder einmal vor einem kniffligen Rätsel: Ein mit Menschenblut geschriebenes Graffiti in einer Unterführung, bestehend aus dem (verkürzt titelgebenden) Zitat "Macht die Welt zu einem besseren Ort" sowie dem  Konterfei eines im Hochsicherheitstrakt inhaftierten Serienmörders (den Sorjonen seinerzeit dorthin gebracht hatte) läßt Chefermittler Heikkinen (Johan Storgård) ins zeitweilige Asyl des ehemaligen Masterminds pilgern, um diesen zur Mitarbeit zu bewegen. Doch Sorjonen, der eine psychische Krise durchmacht und mit struppigen Haaren und Zauselbart wie ein verwirrter Moses in seinem Zimmer sitzt, will an den Ermittlungen, die eine Befragung des seinerzeitigen Täters im Gefängnis nötig machen, nicht mehr teilnehmen.
Um dieses ermittlungstaktisch wichtige Interview dennoch durchführen zu können - Serienmörder Lasse Maasalo (Sampo Sarkola) hatte auf einer Befragung durch "Sorjonen" bestanden - springt Karis Tochter Janina Sorjonen für ihren indisponierten Vater ein. Der überraschte Killer läßt sich auf diese Finte mit der Namensgleichheit dennoch ein und gibt der jungen Jura-Studentin einige kryptische Hinweise, die zwar weder sie noch Heikkinen wirklich verstehen, mit denen Kari jedoch, dem sie zugetragen werden, durchaus etwas anfangen kann. Und damit entschließt er sich (wie vom Publikum erwartet) dann doch, wieder aktiv in den Polizeidienst zurückzukehren...
Es wird auch höchste Zeit, denn ein weiteres, mit beziehungsreichem Text und Bild versehenes Menschenblut-Graffiti taucht auf - und mit diesem die ehemalige Kollegin Lena, eine toughe Ermittlerin aus St. Petersburg, die auf der Suche nach ihrer verschwundenen Tochter Katia (im gleichen Alter wie Janina) ist und den Täter, der das erste Graffiti gemalt hatte, auf eigene Faust ermittelt hat. Doch stellt sich bald heraus, daß dieser nur ein Helfershelfer war für einen im Hintergrund operierenden hochintelligenten Killer, den Kari und die Ermittler bald nur noch den "Richter" nennen werden. Eile ist geboten, denn auf des Täters Liste stehen weitere drei Namen, und der übernächste lautet "Katia"...

Nach den ersten drei Staffeln (Staffel 1 - 2016, 2 - 2018, 3 - 2019) nun also noch einmal ein einzelner, nachgeschobener Fall um den finnischen Profiler Kari Sorjonen, diesmal statt in einzelnen Episoden gleich in Spielfilmlänge von 107 Minuten, das erwartet den geneigten Nordic-Noir-Freund bei Sorjonen: Muraalimurhat. Sowohl vom Drehbuch als auch von der Kameraarbeit her schließt dieser Thriller nahtlos an die vorhergegangenen Staffeln an, die zu kennen sich tunlichst empfiehlt, um die jeweiligen Vorgeschichten der Protagonisten, auf die in diesem Film nicht eingegangen wird, zu kennen. Neueinsteiger könnten sonst über den betulichen, stets etwas traurig und betroffen dreinschauenden älteren Herren stolpern, der in einer längeren Einstellung in Unterhosen im Bad steht und sich die Haare schneidet und rasiert - doch genau das ist der titelgebende Kari Sorjonen, der in seinen besten Momenten meist barfuss vor diversen Notizen steht, die Augen schließt und dank seiner überragenden Intuition dann Motivation und Vorgehensweise der Täter erkennt. Seine wenigen, meist kurzen und immer bedächtig, fast nebensächlich vorgetragenen Sätze sind für die Kollegen von der Mordkommission dann immer Gold wert.

Auch dieses Mal ist der Gegner ein hochintelligent und nach einem fein ausgeklügelten Plan vorgehender Killer, dem es gelingt, ausschließlich durch Reden andere Menschen für seine Pläne zu instrumentalisieren. Daß es dieser vollbringt, zwischenzeitlich auch Mitstreiter von Kari ins Zwielicht zu bringen, unterstreicht seine außergewöhnlichen Fähigkeiten. Und doch wird der feinsinnige Ermittler am Ende einen kleinen Tick schneller sein, auch wenn er dafür diesmal selbst das Gesetz übertreten muß, was ihm sichtlich großes Unbehagen bereitet...

Kleinere Abstriche muss man an manchen Stellen des Plots machen, wie z.B. daß der Bedingung eines Serienkillers nachgegeben wird, an einer Uni vor Studenten frei zu sprechen, auch der wenig professionell durchgeführte Transfer zur Uni (und zurück) lassen einen bisweilen an den Fähigkeiten der finnischen Polizei (ver-)zweifeln, weiters fehlt leider erneut eine kurze Nachbetrachtung ganz am Ende, die ein paar offene Fragen klären könnte, wobei Letzteres schon bei den vorangegangenen Staffeln ein Kritikpunkt war, nämlich daß diese ziemlich abrupt geendet hatten.

Doch trotz kleinerer Schwächen bleibt als Fazit eine klare Empfehlung für Freunde skandinavischer Thriller - wer sich für Kommissarin Lund, Stieg Larssons Millenium-Trilogie oder Die Brücke - Transit in den Tod begeistern kann, wird auch an Bordertown: Ein besserer Ort (so der deutsche Titel) seine Freude haben: 8 Punkte.

Details
Ähnliche Filme