Es könnte kaum widersprüchlicher anmuten, Stoff über einen Serienkiller wie Ted Bundy betont unaufgeregt zu erzählen. Natürlich mag dies als Stilmittel dienen, um die Sicht einer gestörten Persönlichkeit zu veranschaulichen, doch Regisseur Daniel Farrands, der sich seit Jahren mit True Crime beschäftigt, arbeitet lediglich Stationen ab und setzt erst beim finalen Part auf atmosphärische Spitzen.
Im Oktober 1974 stößt der FBI-Ermittler Ressler (Jake Hays) zu der örtlichen Ermittlergruppe um Kathleen (Holland Roden), als ein mutmaßlicher Serienkiller bereits für die Morde an einigen jungen Frauen verantwortlich ist. Als Ted Bundy (Chad Michael Murray) schließlich inhaftiert wird, gelingt ihm die Flucht und es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, als der Killer auf einem Campusgelände nach weiteren Opfern Ausschau hält…
Der relativ zeitnah entstandene „No Man of God“ mit Elijah Wood beschäftigte sich primär mit den Interviews seit der Inhaftierung, während man sich hier innerhalb von 95 Minuten an einer bruchstückhaften Biographie versucht, der es weitgehend an der notwendigen Dramaturgie mangelt. Denn weder die Morde noch die Ermittlungsarbeit sind sonderlich mitreißend ausgefallen, zumal es bei den schablonenhaft gezeichneten Cops kaum zu einer Identifikationsfigur langt und Bundy nicht das Charisma ausstrahlt welches ihm nachgesagt wurde.
Der Stoff dringt zu wenig in die Untiefen durch und nur allzu selten wird die Erzählung in einen Kontext eingebettet, der sich minimal mit dem Umfeld Bundys beschäftigt. So etwa bei den kurzen Besuchen bei der Mutter (Lin Shaye) oder zuletzt bei der Orientierung auf dem Campus, als Bundy eine persönliche Verbindung zu den potenziellen Opfern aufbaut. Hier setzt Farrands plötzlich auf Stilmittel eines klassisch gehaltenen Slashers, einschließlich einer musikalisch atmosphärischen Untermalung und halbwegs spannenden Konfrontationen. Das wirkt im Gesamtbild allerdings unausgewogen, zumal danach erneut recht sachlich vorgegangen wird und Texttafeln bemüht werden, um finale Fakten zusammenzutragen.
An der Ausstattung ist derweil nichts zu bemäkeln, denn Kleidung, Frisuren, Fahrzeuge und Interieur entsprechen der Zeit der 70er und auch handwerklich liefert Farrands passabel ab. Bei den Gewaltdarstellungen hält er sich bis auf wenige Ausnahmen zurück und verzichtet auf explizite Momente, was durchaus angemessen erscheint, zumal einige Fakten im Verlauf von den Ermittlern erwähnt werden. Obgleich sie nur wenige Szenen bestreitet, überzeugt Lin Shaye in ihrer Nebenrolle am ehesten, Holland Roden ist als Ermittlerin okay, wogegen Hays als ihr Kollege komplett untergeht. Aber auch Murray vermag als Bundy keinerlei Akzente zu setzen, obgleich er kurz vorm Finale noch einige surreal anmutende, an „Maniac“ angelehnte Momente erhält.
Vermutlich ist bereits alles über Ted Bundy gesagt und verfilmt, und solange keine neuen Fakten an die Oberfläche gelangen, erübrigen sich Streifen wie vorliegender.
Denn der Stoff geht weder sonderlich in die Tiefe, noch vermag er interessante Einblicke in die Ermittlungsarbeit zu setzen, wodurch er, bis auf rund zehn Minuten im finalen Akt, weitgehend belanglos vor sich hin mäandert.
4 von 10